Zoo

Die geballte Ladung Improvisation im Lister Turm

Szene am Billardtisch: die Teilnehmer bei Impronover müssen schnell entscheiden, wie die Story weitergeht. 

Szene am Billardtisch: die Teilnehmer bei Impronover müssen schnell entscheiden, wie die Story weitergeht.

Zoo. Spontaneität, Phantasie und ein große Portion Offenheit – das sind einige der wichtigen Zutaten für Improvisationstheater. Das wird auch auf dem vierten Festival „Impronover“ im Lister Turm deutlich. „Wir spielen nach Vorgaben des Publikums. Die Frage dabei ist immer, wie kann ich schnell eine Figur auf die Bühne bringen? Dabei geht es auch um ganz viel Pantomime“, erklärt Theaterpädagogin Sonja Thöneböhn, die das Festival zusammen mit Sozialpädagogin Mareike Schlote leitet. Beide spielen schon seit vielen Jahren Improvisationstheater und treten regelmäßig in der Gruppe „Die Improkokken“ auf. Im ebenfalls improvisierten Büro des Festivals herrscht Betriebsamkeit. Workshop-Leiter erkundigen sich nach der Mittagspause, zwei Studenten sitzen an einem Tisch weiter hinten im Raum an Laptops und bearbeiten kleine Filme, die sie von den vier Workshops gedreht haben. Sie beschäftigen sich mit verschiedenen Theater-techniken, auch ein Musical-Workshop ist dabei sowie einer, der sich speziell an Flüchtlinge richtet.

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Nicht zu verkopft sein

Über einige Treppen geht es in einen der Workshops, der sich „Games reloaded“ nennt. „Wir haben immer noch zu wenige Frauen in der Comedy und im Kabarett. Das liegt daran, dass die Figuren, die sie verkörpern, meist dumm oder hässlich sind – tatsächlich wird das auch von vielen Frauen im Publikum so gewünscht“, erzählt Leiter Eugen Gerein und regt damit eine kontroverse Diskussion bei den Teilnehmern an. Sie kommen aus ganz Deutschland, um hier an zwei Tagen mehr über die Techniken des Improvisationstheaters zu lernen. „Die meisten spielen schon lange“, erklärt Mareike Schlote. Einer von den insgesamt 60 Teilnehmern ist Tobias Preising aus Hannover: „Ich spiele seit zwei Jahren Impro-Theater und finde es super hier, tolle Atmosphäre und spannende Workshops“, meint er begeistert. Und auch Jenni Schmidt aus Berlin ergänzt: „Es ist spitze! Immer mitmachen!“ Sie ist passionierte Improvisationstheaterspielerin. „Man kann aus sich herausgehen, in neue Rollen schlüpfen. Dabei darf man aber nicht zu verkopft sein, sonst klappt das mit der spontanen Reaktion nicht so gut.“

Workshops zu Theater-Techniken 

In dem Workshop „shut up and listen“ (sei ruhig und hör zu) bewegen sich vier Personen auf der Bühne, zwei davon stoßen abwechselnd einen imaginären Ball über einen imaginären Tisch. Offensichtlich ist eine Szene beim Billard-Spiel. Hinter ihnen bewegen sich die beiden anderen Mitspieler und wiederholen wie ein Echo, was ihre Vordermänner sagen. „Hier geht es darum, dass die „Schatten“ genau hinhören und in ihrer eigenen Version wiederholen, was der andere gesagt hat“, erläutert Mareike Schlote hinterher.

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Warum ein Festival? „Wir waren auf vielen Workshops in ganz Deutschland und wollten, dass die Leute auch mal unser schönes Hannover kennenlernen – ich bin nämlich überzeugte Hannoveranerin und finde, dass unsere Stadt ganz viel zu bieten hat“, bekennt Sonja Thöneböhn strahlend. „Und wir haben hier eine sehr lebendige und wachsende Szene im Bereich Impro-Theater“, ergänzt Mareike Schlote. Geld kommt unter anderem von der Volksbank und der Region Hannover. „Sonst könnten wir das gar nicht wuppen. Und über weitere Unterstützer würden wir sehr freuen“, betont Sonja Thöneböhn.

Zwei Abendvorstellungen und eine interne Show mit den Ergebnissen der Workshops runden das Festival ab. Natürlich alles improvisiert.

Von Sonja Steiner

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