Rektoren und Eltern beklagen sich

„Die Stadt lässt ihre Schulen verrotten“

In der Humboldtschule müssten nicht nur die Chemieräume saniert werden, findet Schulleiter Henning Lawes.

In der Humboldtschule müssten nicht nur die Chemieräume saniert werden, findet Schulleiter Henning Lawes.

Hannover. Wenn die Johannes-Kepler-Realschule in Oberricklingen etwas zu feiern hat, dann macht sie das in der Turnhalle. Eine Aula hat sie nicht. Die Humboldtschule in Linden-Süd wiederum verfügt zwar über eine theatertaugliche Aula mit rund 550 Sitzplätzen, aber die ist mehr als 50 Jahre alt, dringend sanierungsbedürftig und seit mehr als einem Jahr gesperrt. Feiern und Aufführungen werden ausgelagert: „Für das Gemeinschaftsgefühl ist das nicht gerade förderlich“, sagt Schulleiter Henning Lawes.

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Bis 2019 nur 400.000 Euro Aufwendungen

Abgesperrte, einsturzgefährdete Gebäudeteile, uralte Toiletten, zu kleine Klassenräume, in denen Schüler mit ihren Tischen und Stühlen dort sitzen, wo laut Brandschutzsatzung eigentlich Fluchtwege sein müssten, und überholte Technik in den Naturwissenschaftsräumen sind in Hannovers Schulen eher die Regel als die Ausnahme. Fast in jeder Sitzung des Schulausschusses beklagen Rektoren und Elternvertreter den Sanierungsstau in ihren Schulen. Die CDU wirft der Stadt vor, die Gebäude systematisch verrotten zu lassen. Es sei skandalös, dass die Verwaltung selbst die notwendigen Sanierungskosten für marode Toiletten, Waschbecken und Leitungen auf rund 15 Millionen Euro beziffert habe, im Investitionsprogramm bis 2019 dafür aber gerade einmal 400.000 Euro aufwenden wolle, bemängelt Stephanie Matz, Schulexpertin der Union.

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Dezernentin Rita Maria Rzyski weist darauf hin, dass der Sanierungsbedarf enorm sei, die Mittel hingegen begrenzt. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit: „Wenn ich mit der Sanierung aller Schultoiletten durch bin, kann ich gleich von vorn wieder anfangen.“ Man bemühe sich stets, den wichtigsten Anforderungen zu genügen. Geplant ist bisher die Investition von 45 Millionen Euro in den Brandschutz. Außerdem will die Stadt Mitte des Jahres ihre „Investitionsoffensive“ vorstellen, von der auch Schulen profitieren sollen.

Viele Rektoren sind verärgert. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, die Stadt habe die Sanierung der Schulen über Jahre verschleppt. Manchmal warte man mit der Renovierung so lange, dass Gebäudeteile abgesperrt und schließlich ganz abgerissen werden müssten.

Kein Krankenzimmer für 1100 Schüler

An der Humboldtschule liegt laut Direktor Lawes trotz neuer Millionen teurer Mensa vieles im Argen. Zu den sanierungsbedürftigen Fachräumen sagt er: „Anschauungsmaterial zum Thema Korrosion haben wir an unseren eigenen Fenstern.“ Die Musikräume seien eine Zumutung, die Turnhallen renovierungsbedürftig, obwohl das Gymnasium eine „Eliteschule des Sports“ ist. Und seit acht Jahren stehe die alte Hausmeisterwohnung leer, während sich fünf Koordinatoren mit ihren Schreibtischen in einem Mini-Büro drängeln müssen und es kein Krankenzimmer für die 1100 Schüler gibt. „Ich habe die Stadt schon gefragt, ob ich die Wohnung nicht selbst sanieren dürfte“, berichtet Lawes. Durfte er nicht.

Marode Decke, die Hausmeisterwohnung ist gesperrt.

Marode Decke, die Hausmeisterwohnung ist gesperrt.

Die bürokratischen Mühlen der Stadt mahlen so langsam, dass manche Schulleiter fast verzweifeln: Seit fünf Jahren gibt es zum Beispiel ein Raumkonzept an der Wilhelm-Raabe-Schule – ganze zwei Räume sind danach gestaltet worden, 21 noch nicht. An der Humboldtschule sind gerade fünf Außentisch-Bänke-Ensembles geliefert worden. Bestellt hatte man sie vor vier Jahren.

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Gefährliche Experimente

Problemfall Chemie- und Physikräume: Veraltete Fachtrakte machen gleich mehreren Schulen zu schaffen. Am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWR) haben Experten der gesetzlichen Unfallversicherung nach einer Sicherheitsbegehung im November den Betrieb von Gasanlage und elektrischen Energiesäulen untersagt, an der Tellkampfschule mahnen Lehrer und Elternvertreter seit Langem die überfällige Sanierung der Physik- und Biologieräume an. Besonders augenfällig ist der Vergleich mit den frisch sanierten Chemieräumen. Gudrun Hubrig von der Johannes-Kepler-Schule berichtet von „Fachräumen“, in denen es gerade mal drei Steckdosen für 30 Schüler gibt. 

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