Messerattacke in der MHH

"Die Tat war unvorhersehbar"

Foto: Ein geistig verwirrter Mann hat einen 24-Jährigen in der MHH niedergestochen.

Ein geistig verwirrter Mann hat einen 24-Jährigen in der MHH niedergestochen.

Hannover. Nach Informationen der HAZ war der geistig verwirrte Mann, der am Donnerstag einen 24-Jährigen im Hauptgebäude der MHH mit einem Messer niederstach, zuvor schon in einem anderen Krankenhaus gewesen. Auch dort hatte er wohl davon geredet, dass er verfolgt und überwacht werde. Gegen 11 Uhr betrat der Mann, der offenbar eine Aversion gegen Krankenhäuser hegt, die Klinik an der Carl-Neuberg-Straße. Kurz darauf griff er ohne Vorwarnung einen Mitarbeiter des Transportdienstes an, der sich mit einem weiteren Mitarbeiter hinter dem Informationsschalter nahe des Eingangs unterhielt, und verletzte ihn schwer.

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„Es scheint, als habe der Mann gezielt die erste Person angegriffen, die er eindeutig als Klinikmitarbeiter identifizieren konnte“, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn. Nur durch das geistesgegenwärtige und beherzte Eingreifens der beiden Mitarbeiter am Informationsschalter konnte Schlimmeres verhindert werden. Eine Kollegin alarmierte sofort den Sicherheitsdienst, ein weiterer Mitarbeiter stürmte hinter der Theke hervor und  ergriff einen Tisch, mit dem er sich zwischen Opfer und Täter positionierte und so den 41-Jährigen zum Rückzug zwang. Dieser verließ daraufhin den Eingangsbereich und wurde kurz darauf von der Polizei festgenommen.

Situationen frühzeitig erkennen

„Pfefferspray oder Schlagstöcke für Krankenhauspersonal sind keine Lösung“, sagt Oliver Becker, Projekt- und Ausbildungsleiter der Contendo Haubrich GmbH. Das Berliner Unternehmen bietet bundesweit Sicherheits- und Gewaltpräventionskurse an, in denen Krankenhausmitarbeiter lernen sollen, wie sie sich bei der Arbeit gegen Übergriffe schützen können. „Das geht am besten, wenn sie kritische Situationen frühzeitig erkennen und sich deeskalierend verhalten“, sagt  Becker. Waffen zur Selbstverteidigung würden den Mitarbeitern zwar zunächst ein gewisses Sicherheitsgefühl geben, auf lange Sicht würde sich die bereits angespannte Lage in vielen Einrichtungen dadurch aber noch verschlechtern. jki

„Seitdem ist er in der Psychiatrie“, sagt Polizeisprecher André Puiu. „Sein Zustand erlaubt es aber noch immer nicht, dass er vernommen wird.“ Es ist aber ohnehin unwahrscheinlich, dass die Gründe für die Attacke vollends geklärt werden können. „Vor so einer unvorhersehbaren Tat können wir unser Personal auch nicht schützen“, sagt Zorn. Zwar gebe es in der MHH einen Sicherheitsdienst, der werde aber vor allem dort eingesetzt, wo die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe besonders hoch sei.

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„Alle zwei bis drei Tage gibt es mal Streitereien oder Handgreiflichkeiten in der Notaufnahme, wenn beispielsweise Betrunkene, psychisch labile oder unter Drogen stehende Patienten eingeliefert werden“, sagt ein Mitarbeiter der Göttinger Überwachungsdienst GmbH, die in der MHH unter anderem für die Sicherheit der Mitarbeiter und Patienten verantwortlich ist. „Ein- oder zweimal in der Woche müssen wir sogar die Polizei rufen.“ Dass ein Mitarbeiter ohne Vorwarnung mit einer Waffe angegriffen werde, sei aber eine absolute Ausnahme, sagt MHH-Sprecher Zorn.

„Natürlich gibt es aber Zeiten und Orte, wo es häufiger zu kritischen Situationen kommt“, sagt Bernhard Koch vom Klinikum Region Hannover. Während Volksfesten auf dem Schützenplatz sei es nicht ungewöhnlich, dass Betrunkene in der Notaufnahme des Siloah-Krankenhauses randalierten. „In solchen Fällen kommt uns die Nähe zur Polizeidirektion in der Waterloostraße zugute.“ Im Kinderkrankenhaus auf der Bult wurde zu einem ähnlichen Zweck ein Piepersystem eingerichtet. „Kommt es auf der Akutstation zu einer kritischen Situation, können die Mitarbeiter Alarm auslösen“, sagt der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Professor Dr. Christoph Möller. Statt eines Sicherheitsdienstes oder der Polizei kommen dem betroffenen Mitarbeiter dann aber Kollegen zu Hilfe.

Die Diakonischen Dienste Hannover (DDH) setzen vor allem auf Prävention. Sie schulen ihre Mitarbeiter von Annastift, Friederikenstift und Henriettenstiftung regelmäßig in der DDH-Akademie, damit diese für Konfliktsituationen gerüstet sind. „Im Mittelpunkt stehen Kenntnisse, kritische Situationen zu erkennen und zu entschärfen, aber auch einzuschätzen, wann das Eingreifen der Polizei erforderlich ist“, sagt eine Sprecherin. Nachts sind in allen drei Kliniken Mitarbeiter eines externen Wachdienstes unterwegs, die Präsenz zeigen, aber auch fremde Personen ansprechen.

Von Jörn Kießler und Veronika Thomas

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