Schultoilette

Dietrich-Bonhoeffer-Schule erhält für 471.000 Euro neue WC-Anlagen

Isabell und Franka (hinten) haben die Spiegelmosaike auf der Mädchentoilette mitgestaltet.

Isabell und Franka (hinten) haben die Spiegelmosaike auf der Mädchentoilette mitgestaltet.

Döhren. Jahrelang hatte die Dietrich-Bonhoeffer-Schule mit die schlechtesten Schultoiletten der Stadt, jetzt hat sie die neusten. Die WC-Anlagen, die Anfang der Woche in Betrieb genommen worden sind, sind die ersten aus dem Schultoilettensanierungsprogramm, das insgesamt auf 24 Millionen Euro ausgelegt ist und mit dem die Sanitäranlagen an 34 Schulen runderneuert werden sollen. „Schön, dass jetzt hier alles neu ist“, sagte Schulleiterin Cornelia Weller.

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Toilettensanierung so teuer wie der Bau eines Eigenheims

Mehr als vier Monate lang haben die Bauarbeiten gedauert. Die Toiletten wurden von Grund auf neu errichtet. Stadtsprecher Dennis Dix erklärt, warum die Sanierung so viel gekostet hat wie der Bau eines Eigenheims, nämlich 471.000 Euro: Da seien zum einen die Abbruch- und Rückbauarbeiten inklusive Schadstoffsanierung (Entsorgung Asbest und künstliche Mineralfaser) gewesen, das Entkernen und Rückbau der bestehenden WCs bis auf den Rohbau , die Rohbauarbeiten und die Baustelleneinrichtung auf dem Schulhof, die WC-Container, die während der Bauzeit auf dem Pausenhof aufgestellt werden mussten, Abbrucharbeiten, neue Durchbrüche, Wände mussten versetzt und neu verputzt, Decken abgehängt werden, es gab Trockenbauarbeiten, Grundrisse mussten neu eingeteilt und neue Türen eingebaut werden, über jedem Waschtisch wurden neue Spiegel montiert, Fußboden und Wände neu verfliest, die Regenwasserleitungen erneuert, Selbstspülmarmaturen zur Sicherung der Trinkwasserhygiene eingebaut.

Insgesamt wurden 19 Einzeltoiletten im Hauptgebäude an der Helmstedter Straße und in der Sporthalle erneuert, erstmals wurde auch eine behindertengerechte WC-Anlage samt Notrufsystem eingebaut. Damit die Sanitäranlagen auch so schön bleiben, wurden sie von Schülern zusammen mit einer Künstlerin auch noch einmal besonders veredelt. Susanne Siegl, die drei Tage lang mit rund zehn Jugendlichen eigene Spiegelmosaike kreiert hat, sagte, dass die künstlerische Gestaltung Vandalismus vorbeuge. „Wenn man etwas von Herzen macht, dann kommt das gut an.“

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Aus WCs wird ein „Wohlfühlort“

Das hofft auch Gaios (16), der sich an der Aktion beteiligt hat, um aus den „schrecklichen Toiletten“, die man früher lieber gar nicht benutzt habe, quasi Wohlfühlorte gemacht habe. „Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, ich hoffe, das bleibt jetzt auch so.“

Schülerin Franka (14), der der Mosaikworkshop „richtig Spaß gemacht“ hat, appellierte an ihre Mitschüler, sorgsam mit den neuen Toiletten umzugehen: „Wenn man zuhause normal aufs Klo gehen kann, ohne etwas kaputt zu machen, sollte das in der Schule doch auch gehen.“ Der Einsatz habe sich wirklich gelohnt, findet auch Hausmeister Frank Bazelak, der sich seit zehn Jahren immer wieder für eine Runderneuerung der Sanitäranlagen stark gemacht hat. Eine saubere und moderne Toilette sei auch eine gute Visitenkarte für die Schule, meint er.

Kommentar: Zumutung beendet

Gute Schule heißt nicht nur engagierte Lehrer, freundliche Verwaltungsmitarbeiter und gelassene Rektoren, sondern auch helle und moderne Räume. Das fängt bei den Toiletten an und hört bei Klassenräumen, Rückzugsnischen und geräumigen Turnhallen auf. Es kommt nicht nur darauf an, wie unsere Kinder lernen, sondern auch in welcher Umgebung.

Der Raum gilt seit fast 100 Jahren als „dritter Pädagoge“ nach den Mitschülern und dem Lehrer, wird aber viel zu selten in den Blick genommen. Doch wie kann man den ganzen Tag über ordentlich lernen, wenn die Schultoiletten in einem derart ekligen Zustand sind, dass Schüler sie lieber meiden? Eltern von Erstklässlern berichten seit Jahren, dass die Sechsjährigen sich lieber in die Hose machen, als die stinkenden Schulklos zu benutzen.

Viele Schultoiletten sind seit 50 oder sogar 60 Jahren nicht mehr grundlegend saniert worden – da muss man sich nicht wundern, wenn Klosetts verstopft und Handtuchspender aus den Angeln gerissen werden. Dass die Stadt ihr 24 Millionen Euro umfassendes Schultoilettensanierungsprogramm aufgelegt hat, war längst überfällig. Wir haben unseren Kindern über Jahre Toiletten zugemutet, die kein berufstätiger Erwachsener in seiner Firma betreten hätte.

Von Saskia Döhner

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