Wolfenbüttel-Hannover

Drei Tage Protestmarsch gegen Pflegenotstand

Pflege-Protestmarsch vonWolfenbüttel nach Hannover. Krankenschwester Ivonne Laszus und Altenpfleger Recep Özarslan an der Gartenkurche in Hannover gegenüber dem Büro der Pflegekammer.

Pflege-Protestmarsch vonWolfenbüttel nach Hannover. Krankenschwester Ivonne Laszus und Altenpfleger Recep Özarslan an der Gartenkurche in Hannover gegenüber dem Büro der Pflegekammer.

Hannover. Einen Protestmarsch von Wolfenbüttel nah Hannover haben seit dem vergangenen Donnerstag zwei Pflegegefachkräfte absoviert. Der 70 Kilometer lange Weg richtete sich gegen die Situation in der Pflege und die Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer. Der Altenpfleger Recep Özarslan aus Wolfenbüttel und die Krankenschwester Ivonne Laszus sind drei Tage lang nach Hannover gewandert. Ziel war die Pflegekammer Niedersachsen in der Marienstraße, unweit vom historischen Gartenfriedhof.

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Pflege-Protest: Geschlafen wurde unter freiem Himmel

Übernachtet haben die Protestierer im Schlafsack unter freiem Himmel. Auf der letzten Etappe hat sich ihnen eine Altenpflegerin angeschlossen. Am Sonnabendnachmittag wurden die Protestmarschierer von einer Gruppe Pflegekräfte aus der Region Hannover begrüßt. Die beiden wollten mit ihrem Protestmarsch auf den Pflegenotstand in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtung, aber auch der ambulanten Alten- und Krankenpflege hinweisen. Zu wenig Personal und immer krankere Menschen und die daraus resultierende Arbeitsverdichtung mache Pflegende auf Dauer physisch und psychisch krank, kritisierten die Aktivisten. Immer mehr Pflegende verließen die Pflegeberufe. Für Patienten und Bewohner sei die Grenze zur gefährlichen Pflege oft erreicht und manchmal auch schon überschritten. Auch eine zu geringe Bezahlung sei für viele ein Grund, Pflegeberufe nicht zu ergreifen zu ergreifen oder nach der Ausbildung ein Studium zu absolvieren.

Kritik auch an der Pflegekammer in Niedersachsen

Auch an der in Niedersachsen neuen Pflegekammer gab es Kritik. Die Politik glaube, mit der Einrichtung einer Pflegekammer den Pflegenotstand zu bekämpfen. Dabei werde übersehen, dass die Pflegekammer weder für Personalbemessung noch für die Bezahlung zuständig sei: Dafür seien Kostenträger, Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Verantwortung. Der Protest der Pflegenden richte sich dagegen, dass im Kammergesetz die Pflegekräfte zu Pflichtmitgliedern gemacht werden und dafür von ihren ohnehin zu geringen Löhnen auch noch den Beitrag an die Pflegekammer zahlen sollten, ohne dass daraus ein für die Beteiligten erkennbarer Nutzen gezogen werde. Sie fordern deshalb eine Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und eine Befragung aller Pflegefachkräfte, ob die Pflegekammer erhalten werden soll.

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Aus der Pflegekammer kam postwendend eine Replik. Die Einrichtung mache „aus vielen einzelnen guten Teams ein Team von 90 000“, kommentierte Kammersprecher Tino Schaft. Alles was die Pflegekammer Niedersachsen plane,sei darauf ausgerichtet, die Situation aller professionell Pflegenden in Niedersachsen zu verbessern da lägen „die Forderungen von Kammergegnern und -befürwortern dicht beieinander“. Die Pflegekammer werde alle Gesetze und Initiativen unterstützen, die zur Verbesserung der Situation der Pflegeberufe beitragen. Davon profitierten alle Pflegefachpersonen gleichermaßen, auch wenn einzelne Mitglieder die Verbesserungen nicht sofort wahrnehmen werden, sagt Schaft: „Vielleicht ist diese Botschaft bisher noch nicht gut genug kommuniziert worden.“

Der Konflikt um die Pflegekammer schwelt seit Monaten. Unter anderem gab es ein kontroverses HAZ-Forum zu dem Thema.

Von Conrad von Meding

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