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Duesenberg-Gitarre aus Hannover ist Kult

Foto: Kult: Gitarrendesigner Dieter Gölsdorf mit einer Duesenberg-Gitarre.

Kult: Gitarrendesigner Dieter Gölsdorf mit einer Duesenberg-Gitarre.

Hannover. Vermutlich hätte das Instrument auch ohne Shiina Ringo ihren Weg auf die Bühnen der Welt und in die Studios der Stars gefunden. Aber durch den prominenten Fan ging alles viel schneller.

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Die Erfolgsstory beginnt mit einer Starplayer TV, dem bis heute meistverkauften Duesenberg-Modell. Die Gitarre ist Mintgrün. Ringo spielte das Instrument Ende der neunziger Jahre bei Konzerten und in TV-Shows. Eine glückliche Fügung, die die Duesenberg in eine neue Liga katapultierte. „Bis dahin hatten wir zwölf Gitarren pro Jahr nach Japan exportiert“, erzählt Unternehmensgründer und Gitarrendesigner Dieter Gölsdorf. Doch plötzlich gingen 850 Bestellungen aus dem Fernen Osten ein. Und die meisten Kunden wollten eine mintgrüne Starplayer, das Shiina-Ringo-Modell. Die kleine Firma war gezwungen zu expandieren. Sonst hätte sie die Aufträge noch nicht einmal in zwölf Monaten abarbeiten können.

Inzwischen ist aus der Hinterhofwerkstatt in Hannovers Südstadt eine „Gitarrenfabrik“ (Gölsdorf) am alten Flughafen in Vahrenheide geworden. 3000 Duesenbergs werden dort pro Jahr hergestellt. Mit 3000 verkauften Instrumenten im Jahr ist Duesenberg noch immer eine eher kleine Firma. An die Stückzahlen der Marktführer Fender und Gibson aus den USA kommt sie noch lange nicht heran. „Die bauen 3000 Gitarren am Tag oder noch mehr“, sagt Gölsdorf. „Aber unser Ruf ist umso besser.“ Und offenbar derart glamourös, dass sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) zum Auftakt seiner Sommertour mit einer Starplayer und Dieter Gölsdorf fotografieren ließ.

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Vor allem amerikanische Blues-, Folk- und Countryrocker scheinen Duesenberg zu lieben: Billy Gibbons von ZZ Top, Joe Walsh von den Eagles und Wilco-Gitarrist Nels Cline spielen eine. Kein Wunder, dass auch dem Traditionsbewahrer Bob Dylan die Gitarren im Art-Déco-Design gefallen.

Die Verarbeitung sei top, loben Gitarristen wie Gitarrenhändler, und vom offenen, transparenten Sound fühlt sich mancher an Gretsch- oder Rickenbacker-Gitarren erinnert. Dass die Korpusform seiner Starplayer immer wieder mit dem Modell Les Paul vom Konkurrenten Gibson verglichen wird, ärgert Gölsdorf. Er hat es lieber, wenn man von „verkleinerten Jazz-Gitarren aus den vierziger, fünfziger Jahren“ spricht.

Der Duesenberg-Erfinder hat sich weitestgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Das erledigt sein Kompagnon Ingo Renner. Gölsdorf lebt die meiste Zeit des Jahres in Madrid. Wegen einer Frau habe es ihn vor sechs Jahren nach Spanien gezogen, erzählt er. Das Loft, ein ehemaliger Wein- und Feinkostladen, das der 60-Jährige bewohnt, ist auch seine Werkstatt. Dort tüftelt er an neuen Gitarren und technischen Details wie seinem selbst entwickelten, verstimmungsfreien Vibratosystem. Gölsdorf sammelt sogar diese auch „Jammerhaken“ genannten Hebel. „Hmmwääng, hmmwääng, hmmwääng, sagt der 60-Jährige. „Ich bin ein Vibrato-Maniac.“

Zwischendurch gibt er Konzerte mit seiner Doors-Coverband. Los Dooros treten ohne den Doors-typischen Orgelspieler auf. Mit der Gruppe scheint Gölsdorf die gleiche Strategie zu verfolgen wie mit seinen Gitarren. Er verbindet die Sehnsucht nach früher mit Innovationen. Am Ende der Produktionskette in Vahrenheide steht zum Beispiel eine sogenannte Plek-Maschine, mit der die Bünde, die Metallstege auf dem Griffbrett der Gitarren, von Sensoren vermessen und per Fräse optimal abgestimmt werden. Diese Topverarbeitung sei in den Fünfzigern gar nicht möglich gewesen, sagt Gölsdorf. Derart präzise arbeitende Werkzeuge habe es damals einfach noch nicht gegeben.

Das Geheimnis des Erfolges ist außerdem ein Vertrieb mit guten Kontakten zur Musikszene: „Gitarrentechniker vieler bekannter Gitarristen stehen auf Duesenberg“, sagt Gölsdorf. Sie haben die Macht, sie empfehlen das Instrument weiter.

Und wie kommt Bob Dylan an eine Duesenberg? Über Mike Campbell. Der Gitarrist von Tom Petty & The Heartbreakers besitzt ein sogenanntes Signature-Modell, eine zusammen mit ihm entworfene blaue Starplayer mit einem weißen Racing-Streifen. Auf „Together Through Life“, dem jüngsten Dylan-Album, spielt Campbell Mandoline und diese Gitarre. Dylan soll, so wird erzählt, nach den Aufnahmen so lange Campbells Duesenberg gespielt haben, bis er endlich eine eigene bekam.

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Matthias Begalke

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