Öffentlicher Nahverkehr in Hannover

Eine Stadtbahn mitten durch die Südstadt? Vorschlag bekommt Unterstützung

Endstation Hauptbahnhof: Das soll für die Linien 10 und 17 nicht so bleiben, meint die SPD.

Endstation Hauptbahnhof: Das soll für die Linien 10 und 17 nicht so bleiben, meint die SPD.

Hannover. Eine Stadtbahn, die quer durch die Südstadt bis zum Bismarckbahnhof fährt? Und eine zusätzliche Trasse, die die neue Medizinischen Hochschule (MHH) am Stadtfelddamm mit dem Stadtbahnnetz verbindet? Für beide Großprojekte, die zusammen dreistellige Millionensummen verschlingen dürften, sieht der zuständige Verkehrsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz (SPD), durchaus Chancen. „Beides steht nicht in Konkurrenz zueinander“, sagt Franz im Gespräch mit der HAZ. Technisch seien beide Vorhaben realisierbar, jedoch bedürfe es der finanziellen Unterstützung des Landes. „Wenn wir die Verkehrswende ernst nehmen, müssen wir den Mut haben, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen“, sagt Franz. Mit dem Land führe er derzeit Gespräche über einen möglichen Stadtbahnanschluss für die MHH.

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Sein Parteifreund Marc Hansmann, Oberbürgermeisterkandidat der SPD, hatte vergangenen Freitag ein Wahlprogramm vorgestellt und unter anderem gefordert, das Stadtbahnnetz auszubauen. Die Linien 10 und 17 sollen nicht am Hauptbahnhof in Höhe Rundestraße enden, sondern weiter durch die Südstadt bis zum Bismarckbahnhof fahren. Die Route würde über Berliner Allee, Sallstraße und Jordanstraße führen. Zudem solle die Linie 17 vom Schwarzen Bären bis zum Hanomaggelände fahren, regte Hansmann an.

Geteiltes Echo auf Idee für Südstadttrasse

Der Vorschlag hat ein geteiltes Echo ausgelöst. Viele HAZ-Leser meinen, dass die Sallstraße zu eng für eine Trasse sei. Manche Leser halten eine unterirdische Streckenführung für die bessere Lösung. Das sieht die Bürgerinitiative Pro-D-Tunnel ähnlich. "Sallstraße und Jordanstraße sind teilweise nur 22 bis 20 Meter breit", sagt Initiativen-Sprecher Jens Pielawa. Die hoch frequentierte Kreuzung Berliner Allee/Sallstraße/Marienstraße wäre durch querende Bahnen noch stärker belastet. Hansmanns Forderungen nach Ausbau des Nahverkehrs seien zwar grundsätzlich richtig, meint Pielawa, "sie dürfen dabei aber nicht auf grünen, ideologisch motivierten Rückfällen ins Straßenbahn-Zeitalter basieren."

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Region: Gleisbau auf Sallstraße ist möglich

Die Regionsverwaltung, zuständig für die Entwicklung des Nahverkehrs in Hannover, sieht das anders. „Die Sallstraße ist geeignet, um dort eine Stadtbahntrasse zu bauen“, sagt Dezernent Franz. Der Autoverkehr müsse nicht weichen. Auch sei eine Streckenführung auf der Berliner Allee ohne Abriss der Raschplatz-Hochstraße vorstellbar. Bereits 2010 hatte es erste Pläne für die Anbindung der Südstadt gegeben, damals ging man noch davon aus, die Hochstraße abzureißen. Inzwischen ist die Brücke für 3,5 Millionen Euro saniert worden. Franz betont, dass eine Stadtbahn durch die Südstadt die „höchste Wirtschaftlichkeit“ hätte, weil viele neue Fahrgäste hinzukämen.

Die Regions-CDU, Koalitionspartner der SPD, ist wenig begeistert von den Plänen, will sich ihnen aber nicht komplett verschließen. „Wir müssen uns das Kosten-Nutzen-Verhältnis genau anschauen“, sagt Claudia Hopfe, Verkehrsexpertin der CDU. Dabei spielten die Gegebenheiten vor Ort eine Rolle sowie die Frage, wie der Autoverkehr zu führen sei. „Vordringlicher als die Südstadttrasse ist der Anschluss der MHH an das Stadtbahnnetz“, sagt Hopfe.

Von Andreas Schinkel

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