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Gesicht-Rekonstruktion

Eine Tote gibt der Polizei Hannover Rätsel auf

Das Rätsel um die Frau, von der niemand weiß, wer sie ist, beginnt am 11. Februar 2006. An diesem Wintertag finden Angler nahe der Ortschaft Eilte (Landkreis Soltau-Fallingbostel) im Uferbereich der Aller den stark verwesten Leichnam einer Frau. Etwa 40 Jahre alt soll sie gewesen sein, in jedem Fall älter als 25, sagen die Ermittler. Bis heute ist es nicht gelungen, die unbekannte Tote zu identifizieren. Immer wieder gingen die Ermittler in den vergangenen Jahren die Vermisstenlisten aus dem In- und Ausland durch. Erfolglos – bis heute hat niemand das Verschwinden der Frau gemeldet.

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Dabei können sich die Beamten nicht vorstellen, dass sie ganz und gar unbemerkt aus ihrem Lebensumfeld verschwunden sein soll. „Ihr Zahnstatus mit einer sauber gearbeiteten Goldkrone deutet darauf hin, dass sie Privatpatientin war“, sagt Anke Cleve von der Vermisstenstelle beim Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA). Auch die teure Kleidung der Frau – unter anderem trug sie eine Wachsjacke der englischen Marke Barbour und eine Designerbrille von Police – lässt die Beamten auf einen gutbürgerlichen Hintergrund schließen. „Sie muss ein soziales Netzwerk gehabt haben. Einen Arbeitsplatz, eine Familie, Freunde, Nachbarn. Jemand muss gemerkt haben, dass sie weg ist“, sagt LKA-Sprecher Falco Schleier.

Nun hoffen die Ermittler, die Identität der Verstorbenen doch noch klären zu können – und die Hintergründe, die zu ihrem Tod führten. Im Auftrag der hannoverschen Beamten hat die Spezialistin Steffi Burrath vom LKA Sachsen-Anhalt das Gesicht der Unbekannten zeichnerisch rekonstruiert. Mit den Bildern wenden sich die Beamten an die Öffentlichkeit. Die Spur der Frau, da ist sich die Polizei sicher, führt nach Hannover.

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Für diese Vermutung sprechen einige der Gegenstände, die die Beamten an dem Leichnam fanden. In der Jackentasche der Frau steckte ein nicht entwertetes Kurzstreckenticket der Üstra, gelöst am 19. November 2005 an der U-Bahn-Station „Aegidientorplatz“. Die Schuhe und der Rollkragenpullover der Frau stammen ebenfalls aus der Landeshauptstadt. Die Kleidung der Marke Jones Armstrong führte zu dieser Zeit ausschließlich das Modehaus Mey & Edlich, das damals noch in der Georgstraße gegenüber der Oper ansässig war. Die Brille der Unbekannten war in einem Etui des Augenoptikers Merscher verpackt, der bis Mitte März 2010 eine Filiale am Steintor führte. „Aufgrund dieser Indizien gehen wir davon aus, dass es in Hannover Menschen gibt, die die Tote kennen“, sagt Schleier.

Der Schritt in die Öffentlichkeit ist für die Fahnder vermutlich die letzte Chance, die Identität der Frau zu klären. So lange bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich immer und immer wieder die gleichen Fragen zu stellen: Warum sollte die Tote, die, gemessen an ihrer Markenkleidung, der Designerbrille und dem tadellosen Zustand ihrer Zähne, offenbar über ausreichend finanzielle Mittel verfügte, keine sozialen Kontakte gehabt haben? Warum hatte sie außer Münzen im Wert von 3,19 Euro nichts in ihrem Geldbeutel? Und wie ist es zu erklären, dass sie die zwei Schlüssel – vermutlich für Haus- und Wohnungstür – mit einer Sicherheitsnadel an ihrer linken Hosentasche befestigte? „Das ist wirklich eine sehr auffällige Eigenart“, sagt Anke Cleve von der Vermisstenstelle.

Unklar ist, wie die Unbekannte ums Leben gekommen ist. Die Polizei hält es für möglich, dass sie, aus welchen Gründen auch immer, im Stadtgebiet in die Ihme gefallen sein könnte. Von dort aus könnte der Leichnam in die Leine und anschließend in die Aller gelangt sein. „Solche Fälle hat es bereits gegeben“, sagt Kriminalhauptkommissar Gerd Hornbostel, der die Ermittlungen leitet. Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Frau Opfer einer Gewalttat wurde, konnten die Gerichtsmediziner nicht entdecken. Die Spekulationen der Beamten gehen noch weiter: Vielleicht entschied sich die Frau bewusst, ihrem Leben ein Ende zu setzen und plante sorgsam ihren Abschied. Einen spurenlosen Abschied.

Hinweise zu der unbekannten Toten nimmt das LKA Niedersachsen ab sofort unter der Telefonnummer 0511-262622112 entgegen.

Vivien-Marie Drews 
und Tobias Morchner

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