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Südstadt

Elkartallee heißt nun Hilde-Schneider-Allee

Die Elkartallee ist Geschichte – sie wurde nun nach Hilde Schneider benannt.Foto: Moers

Die Elkartallee ist Geschichte – sie ist nun nach Hilde Schneider benannt.

Hannover. Südstadt. „Karl Elkart war kein Mitläufer, sondern ein Täter.“ Mit klaren Worten hat Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne am Montagmorgen die Umbe- nennung der Südstädter Elkartallee kommentiert. Nun trägt die Straße gegenüber der Gilde-Brauerei den Namen Hilde-Schneider-Allee, benannt nach der von den Nazis verfolgten Pastorin und Gefängnisseelsorgerin. Pollähne kündigte an, dass in der Südstadt als nächstes die Umbenennung der Sohnreystraße geprüft wird, die nach dem Volksschriftsteller Heinrich Sohnrey benannt ist.

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„Hilde Schneider hätte sicher grinsen müssen,“ sagte Dieter Zinßer und meinte damit die Tatsache, dass nun eine Straße so heißt wie sie. Der ehemalige Vorsteher der Henriettenstiftung hatte die aus Hannover stammende neue Namenspatronin der Allee noch vor ihrem Tod 2008 kennengelernt. „Sie wollte immer nach Hannover zurück. Leider hat das zu Lebzeiten nicht mehr geklappt.“ Seit Montagmorgen weisen nun neue Straßenschilder die Hilde-Schneider-Allee aus. Die 1916 Geborene wurde aufgrund ihrer jüdischen Vorfahren von den Nazis verfolgt. Sie überlebte mehrere Konzentrationslager und wurde nach dem Krieg eine der ersten Pastorinnen in Hessen. Besondere Beachtung fand ihre Arbeit als Gefängnisseelsorgerin. Die frühere evangelische Landesbischöfin Margot Kässmann bezeichnete Schneider bei deren Beerdigung als „Vorreiterin von Frauen ins gleichberechtigte ordinierte Amt“.

„Es war ein langer Kampf“, resümierte Pollähne den jahrelangen Streit um den belasteten Straßennamen. Angestoßen hatte die Diskussion um Karl Elkart die rot-grüne Fraktion im Bezirksrat Südstadt-Bult. Veröffentlichungen zur Geschichte der hannoverschen Stadtverwaltung im Dritten Reich hatten zahlreiche Beweise für die weitreichende Verstrickung Elkarts in die sogenannten Arisierungsmaßnahmen bekannt gemacht. So hatte sich der frühere Stadtbaurat, in dessen Amtszeit unter anderem die Anlage des Maschsees fällt, für die Einebnung des alten jüdischen Friedhofs in der Oberstraße ausgesprochen. Bald könnte auch die nur wenige hundert Meter entfernte Sohnreystraße umbenannt werden - viele der literarischen Werke Sohnreys sind der Ideologie des Nationalsozialismus verpflichtet.

Bis zuletzt hatte sich die CDU-Fraktion gegen die Umbenennung der Elkartallee ausgesprochen. Die Christdemokraten verwiesen darauf, dass die Maßnahme keinen Anklang bei den Anwohnern finde und mit hohen Kosten für diese verbunden sei. „Es kann doch nicht sein, dass eine politisch gewünschte Umbenennung zulasten der Anwohner ausgetragen wird“, sagte Fraktionschefin Ute Krüger-Pöppelwiehe. Um Probleme für die Anlieger zu vermeiden, bleibt die Straße ein Jahr doppelt beschildert. In der Übergangszeit sind die notwendigen Adressenänderungen bei Ämtern und Institutionen gebührenfrei.

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