Prozess

Erbitterter Streit der Plastinatoren

Der eine gilt als Erfinder der Plastinationstechnik und hat mit seiner umstrittenen Ausstellung „Körperwelten“ international viel Aufsehen erregt. Der andere stellt Leichenteile und Tiere in Klein Berkel aus und würde auch gern berühmt sein. Beide, Gunther von Hagens und Dirk Piper, verbindet nicht nur der Drang, sterbliche Überreste zur Schau zu stellen. Sie tragen seit Jahren einen bizarren Streit vor Gericht aus. Vor dem Landgericht Hannover errang gestern erstmals Plastinator Piper einen Sieg: Er erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen den Meister der Sektion, der ihn und seine Arbeit nun nicht mehr pauschal verunglimpfen darf.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auslöser war eine Äußerung von Hagens in einem Zeitungsartikel, der sich mit einer Ausstellung Pipers in Hameln beschäftigte. Von Hagens bezeichnete seinen Mitbewerber darin als „billigen Trittbrettfahrer“, der anatomische Dauerpräparate „von sehr schlechter Qualität“ zeige. Das wolle er sich nicht bieten lassen, sagte Piper, der gestern im Gegensatz zu von Hagens persönlich vor Gericht erschienen war.

Bei der Frage, ob es sich um eine Meinung oder eine Tatsachenbehauptung handelte, zog die 6. Kammer für Handelssachen ein prominentes Beispiel heran. Erst kürzlich hatte der Publizist und kurzzeitige Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Michael Naumann, den Berliner Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge als „durchgeknallt“ bezeichnet. Das durfte er, hatten die Verfassungsrichter entschieden und damit die anderslautenden Entscheidungen von Berliner Gerichten aufgehoben, weil sie Naumanns Grundrecht auf Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes verletzten. Ausschlaggebend für das Urteil aus Karlsruhe war, dass es bei der Äußerung um die Auseinandersetzung in der Sache ging und nicht um die Diffamierung der Person.

Im vorliegenden Fall allerdings sei von Hagens mit der Kombination aus „billiger Trittbrettfahrer“ und „schlechter Qualität“ über die Grauzone zur Schmähkritik hinausgeschossen, begründete der Kammervorsitzende Dietmar Warda. Von Hagens Berliner Anwältin Martha Köhnke prüft nun, ob sie gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch einlegt. Sie sagte, dass Piper ihren erfolgreichen Mandanten schon seit Jahren ärgere. Piper hatte seine Ausstellung zunächst „Bodywelten“ genannt, und sei damit von Hagens „Körperwelten“ auf die Pelle gerückt. Darüberhinaus habe er seinen Werbebanner mit dem Bild eines bekannten von-Hagens-Plastinats geschmückt. Beides war von Gerichten untersagt worden. Köhnke warf dem Mitbewerber vor, mit seiner Taktik öffentliches Interesse lancieren zu wollen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Für etwas Werbung in eigener Sache hatte sich Piper zumindest gut präpariert. Er trug ein T-Shirt, das auf seine Ausstellung hinwies („Ich war da“), und er hatte mehrere in Acryl gefasste Plastinate mitgebracht – ein Kaninchen, eine Ratte, einen Fuß. Er benutze die bessere Schleiftechnik als von Hagens, gab der 45-Jährige an, der nach eigenen Angaben Hypnosetherapeut ist. Dann resümiert der Mann aus Hamm: „Von Hagens hat sich nicht weiterentwickelt.“

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen