Obike-Erfahrungen

„Es fährt sich wie ein Kinderrad“

Innenstadt: Die oBikes sind inzwischen nicht mehr gemeinsam anzutreffen, sondern stehen eher gut verteilt.

Innenstadt: Die oBikes sind inzwischen nicht mehr gemeinsam anzutreffen, sondern stehen eher gut verteilt.

Hannover. Seit fast zwei Monaten stehen die 500 Mieträder von Obike in der Innenstadt von Hannover. Sie können per App entsperrt und ausgeliehen werden. Ungeachtet der Diskussion um Vandalismus und achtlos weggeworfene Räder haben schon einige Hannoveraner die kleinen Räder mit den auffällig-orangefarbenen Applikationen ausprobiert – und sind besonders bei der Nutzung für kurze Strecken zufrieden. „Ich habe die oBikes sofort getestet und nur positive Erfahrungen gemacht“, schreibt etwa Corinna John. Sie wie auch andere Nutzer loben das einfache System, bei dem Kunden die Räder schnell per App finden und entsperren können. Auch der Preis – ein Euro für 30 Minuten – wird als akzeptabel bezeichnet. „Der Preis ist in Ordnung, es gibt sehr häufig Aktionen, wo man gar nichts zahlen muss und kostenfrei fahren kann“, meint Per-Ole Wendt aus der Südstadt.

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Dabei scheinen sich die Räder auch als Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr bei Kurzstrecken zu entwickeln: Man finde ein Leihrad am Wegrand zuweilen schneller als einen Anschlussbus, findet John. „Also nehme ich kurz das Rad, statt im Regen auf ein "Öffi" zu warten“, schreibt sie. „Ich bin eher bereit einen Euro für 10 Minuten Fahrradweg zu zahlen (und könnte noch 20 Minuten im Kreis fahren) als 2,70 Euro für die Stadtbahn“, betont Max Pauer.

Doch sobald es auf die Qualität der Zweiräder ankommt, kommt Kritik an den robusten Rädern mit den kleinen Reifen auf. „Leider haben die Fahrräder keine Gangschaltung, sodass man doch etwas ins Schwitzen kommt und ab und an quietscht mal ein Bike wirklich extrem laut“, schreibt Pauer. Der Rahmen sei schlichtweg zu klein, klagt Björn Kuckulenz.  „Es fährt sich wie ein Kinderfahrrad“, lautet sein Urteil. „Man kommt nicht wirklich voran und muss schon ordentlich reintreten, um vorwärts zu kommen“, klagt Heike Plich. Auch Corinna Jauch empfindet die Räder als schwergängig, schränkt aber ein: „Das dürfte gewollt sein, schließlich sollen sie innerhalb der Stadt bleiben. Für Kurzstrecken reichen sie allemal aus.“

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Der anfangs befürchtete Vandalismus hält sich bisher in Grenzen. Zwar sind Obikes manchmal im Gebüsch zu sehen, doch sind „Mobilitätspartner“ von Obike in Hannover unterwegs, um Räder einzusammeln und kleinere Schäden auszubessern. Allerdings scheint ein Obike nahe Writers Corner in der Leine zu liegen, vermutet Max Pauer. Die App zeigt einen Standort in der Nähe an, aber „zumindest konnte ich auch nach einigen Minuten der Suche keines finden“. Dieses Phänomen bestätigen inzwischen aber mehrere Nutzer. „Ich wurde von der App mehrfach zu Positionen geleitet, an denen ein angeblich ein Rad geparkt, aber keines zu finden war“, schreibt ein HAZ-Leser.

Ein anderer Leser vermutet einen arg lässigen Umgang mit dem Datenschutz – zumindest glaubt er, dass seine Nutzerdaten verkauft worden seien. „Seit der Anmeldung bekomme ich seltsame Anrufe aus Tunesien“, schreibt er. Auch von weiteren merkwürdigen Abo-Angeboten ist die Rede. Das Unternehmen bestreitet, Daten an Dritte zu verkaufen. Sie dienten lediglich den Zweck, die Räder wieder aufzufinden.

Obike selbst mit dem Verlauf der Testphase in Hannover zufrieden. Die Fahrräder würden gut angenommen, die Nachfrage steige stetig, teilte Maria Bause von der von Obike beauftragten Kommunikationsagentur Schoesslers mit. „Wir sind trotz der Wintermonate sehr zufrieden mit der Nachfrage.“

Von sbü

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