Luftverschmutzung

Fahrverbote für Dieselautos nicht vom Tisch

Der Passivsammler misst auf der Marienstraße die Luftqualität.

Der Passivsammler misst auf der Marienstraße die Luftqualität.

Hannover. Ist die Luft in Hannover schon im nächsten Jahr sauber genug, oder dauert es länger, bis der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten wird? Die Antwort entscheidet darüber, ob in Hannover Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhängt werden, oder ob das nicht mehr nötig ist. Bereits im nächsten Jahres müssen Städte den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel einhalten, das hat das Bundesverwaltungsgericht vorgegeben. Auch gegen die Stadt Hannover läuft eine Klage, die zum Ziel hat, Fahrverbote durchzusetzen.

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Die Stadt geht davon aus, dass erst 2024 alle Messstationen Entwarnung geben. Grundlage ist eine Prognose des Gewerbeaufsichtsamts Hildesheim, zuständig für Luftmessungen. Das wäre zu spät. „Wir müssen daher kurzfristig die Zahl der Dieselfahrzeuge reduzieren und prüfen weiterhin Fahrverbote“, sagte Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) am Montag im Umweltausschuss.

Eine andere Studie von der Universität Duisburg-Essen unter Leitung von Prof. Ferdinand Dudenhöffer kommt zu einer anderen Einschätzung. Hannover halte den Grenzwert schon 2019 ein, prognostiziert Dudenhöffer. Die Stadtverwaltung wollte Einsicht in die Studie nehmen, sollte aber dafür einen Betrag von 2500 Euro zahlen. „Das war zu viel und nicht sehr seriös“, sagt Dirk Schmidt, Verwaltungsfachmann für Luftqualität, in der Sitzung des Ausschusses. Man vertraue vielmehr den Daten des Gewerbeaufsichtsamts. Dafür bekommt er Beifall von den Grünen. „Das ist dreiste Geldmacherei von Herrn Dudenhöffer“, sagt Grünen-Umweltexperte Patrick Drenske.

Die CDU ist anderer Meinung. „Es ist unseriös, dass die Stadt die Studie eines anerkannten Wissenschaftlers kritisiert, ohne sich mit ihr beschäftigt zu haben“, sagt CDU-Umweltpolitiker Maximilian Oppelt. Die 2500 Euro für die Einsichtnahme wären gut angelegtes Geld. Oppelt fordert die Stadt auf, Fahrverboten abzuschwören.

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Davon ist die Stadt weit entfernt. Umweltexperten rechnen durch, wie sich die Sperrung von einzelnen Straßen für Dieselfahrzeuge auf die Verkehrsströme auswirkt. Fahrverbote werden für folgende Straßen geprüft: Marienstraße, Göttinger Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Podbielskistraße (vom Spannhagengarten bis Am Listholze und von der Ferdinand-Wallbrecht-Straße bis Rühmkorffstraße), Arndtstraße, Schloßwender Straße, Fössestraße (vom Westschnellweg/Bardowicker Straße bis Küchengarten), Bornumer Straße (Am Spielfelde bis Deisterplatz) und Vahrenwalder Straße (Niedersachsenring bis Hamburger Allee). Sollten Sperrungen das Schadstoffproblem nur verlagern, aber nicht lösen, erwägt die Stadt, Dieselfahrzeuge aus der gesamten Umweltzone auszuschließen.

Um die Luft in Hannover zu verbessern, sollen auch andere Mittel greifen. Die Stadt hat Fördermittel vom Bund in Millionenhöhe beantragt. Das Verkehrsmanagementsystem soll verbessert werden, etliche Elektro-Zapfsäulen installiert und E-Busse angeschafft werden.

Von Andreas Schinkel

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