Theatermuseum

Familientreffen bei Heinz-Erhardt-Ausstellung

Foto: Zur Eröffnung der Schau reisten am Sonnabend die drei Töchter Erhardts zusammen mit ihren eigenen Familien an.

Zur Eröffnung der Schau reisten am Sonnabend die drei Töchter Erhardts zusammen mit ihren eigenen Familien an.

Hannover. Das Heft mit den vergilbten Seiten und der eingeklebten Postkarte gehört nicht zu den Glanzstücken der Sammlung. Und doch ist es dieses Album, das die Aufmerksamkeit von Verena Haacker sofort fesselt. „Die Fibel mit den Bildern und Versen hat mir mein Vater zum Geburtstag geschenkt. Da war ich drei“, erzählt sie. „Gedichtet von Papi, geklebt von Mami“ – mit diesen Worten habe ihr Vater das Heft überreicht.

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Haacker ist eines von vier Kindern des berühmten Humoristen Heinz Erhardt, dem das Theatermuseum im Schauspielhaus Hannover jetzt eine Ausstellung widmet. Zur Eröffnung der Schau reisten am Sonnabend die drei Töchter Erhardts zusammen mit ihren eigenen Familien an. Sein Sohn Gero kommt am 20. September nach. Die Exponate aus Leben und Werk Erhardts stammen zu einem guten Teil aus dem Besitz der Nachkommen. „Die Wände und Regale bei uns in Hamburg sind leer“, sagt Grit Berthold, älteste Tochter Erhardts. Alle Schätze lägen nun hinter Glas im Museum. Die 79-Jährige schlendert durch die Räume und bleibt vor einem Teppichstück stehen. „Eine Unterlage für den Schreibtischstuhl von meinem Vater“, sagt Berthold. Darauf habe er viel Zeit verbracht, wenn er zu Hause war. „Mein Vater war ein sehr ernsthafter und sehr arbeitssamer Mensch“, erzählt die alte Dame. Das Klackern der mechanischen Schreibmaschine, ebenfalls ein Exponat der Schau, klinge ihr noch in den Ohren. Die Lage von Erhardts Arbeitszimmer neben dem Garten schien auch nicht ideal. „Wenn wir zu laut spielten, wies er meine Mutter an, die Kinder wegzuscheuchen“, erzählt Berthold. Die Mutter habe nur geantwortet: „Heinz, sei still, sind alles deine eigenen!“

Verena Haacker, zweitälteste Tochter, drückt es direkter aus: "Wir mussten ganz schön kuschen." Nur bei den Mahlzeiten und auf Ausflügen, etwa zu Hagenbecks Tierpark, sei es lustig zugegangen. Aus der Kindererziehung habe sich ihr Vater rausgehalten. "Als wir älter waren, trug er uns seine Gedichte vor, um eine erste Resonanz zu bekommen", erzählt sie. Witzig findet sie das Werk ihres Vaters noch immer.
Der Ansicht ist auch Ben Lau, Urenkel Erhardts. "Wenn ich meinen Freunden Erhardt-Videos auf Youtube zeige, finden die das cool", sagt der 16-Jährige. In seiner Hamburger Schule sei gerade eine Projektwoche zu Heinz Erhardt veranstaltet worden. "Ich war ziemlich stolz, Gedichte meines Urgroßvaters auf der Bühne vorzutragen", erzählt Ben.

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Stolz scheint die gesamte Familie zu sein. „Sein Humor ist zeitlos, vergleichbar nur mit dem Werk Loriots“, sagt die jüngste Tochter Marita Malicke. Ihr gefallen die Familienfilme Erhardts am besten. „Manchmal waren wir ein bisschen neidisch auf die Filmkinder, denn für sie hatte mein Vater mehr Zeit – zumindest im Film“, erzählt sie.

In die großen künstlerischen Fußstapfen Erhardts sind seine Töchter nicht getreten. Sie haben als Kosmetikerin, Bibliothekarin und Arzthelferin gearbeitet. „Wir waren eine sehr bodenständige Familie“, sagt Verena Haacker.

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