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Neue Sprachregeln in Hannover

FDP ruft Rathausmitarbeiter zum Sternchen-Boykott auf

„Mir ist noch niemand begegnet, der das gut findet“: FDP-Chef Patrick Döring.

„Mir ist noch niemand begegnet, der das gut findet“: FDP-Chef Patrick Döring.

Hannover. Wählerinnen und Wähler werden zu Wählenden, die Stadt spricht Rathausmitarbeiter mit liebe Kolleg*innen an, um nicht die zu diskriminieren, deren Geschlecht unklar ist – die Vorgaben der Stadt für eine sogenannte geschlechtergerechte Verwaltungssprache haben bundesweit Wellen geschlagen. Ganz dezent warnt sogar Ministerpräsident Stephan Weil vor der Sternchenschrift. Andernorts ist die Kritik heftiger: Die Stadt habe etliche Reaktionen per Post und per Mail erhalten, sagte am Montag die Gleichstellungsbeauftragte Friederike Kämpfe – "viele sehr freundliche" seien darunter gewesen, "aber auch weniger freundliche Mails, bei denen durchaus von Beleidigungen zu sprechen ist".

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Döring: „Einfach ignorieren“

Nun schaltet sich auch die Ratspolitik in die Diskussion ein. SPD und Grüne begrüßen der Vorstoß der Stadt – nur die FDP schert aus dem Bündnis aus. Ratsherr Patrick Döring ruft die Rathausmitarbeiter auf, den Vorgaben von Oberbürgermeister Stefan Schostok nicht zu folgen. „Ich empfehle, das zu ignorieren“, sagte der Parteichef am Montag.

Döring geht es dabei auch um die Lesbarkeit von Behördenschreiben: „Ein großer Teil der Vorschläge trägt nicht zum Verständnis bei – Briefe der Verwaltung sind für Bürger schon so oft schwer zu lesen.“ Man müsse außerdem „die Sprachtraditionen“ im Auge behalten. Unterm Strich stehe aber: „Das ist alles im Alltag so nicht praktikabel.“

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„Sprachlich falsch“

Ähnlich sieht es auch die CDU. Ratsherr Felix Semper hält viele der Vorschläge für „Unsinn“, weil sie teils sprachlich falsch seien. Wenn aus Lehrerinnen und Lehrern Lehrende werden, werde etwa das Partizip oft falsch angewandt – weil in Wahrheit Lehrer nur dann Lehrende seien, wenn sie vor der Klasse stehen.

CDU-Fraktionschef Jens Seidel warnt städtische Mitarbeiter zudem davor, dem Boykottaufruf der FDP zu folgen: „Das ist ein netter Versuch von Herrn Döring, aber so einfach ist das nicht.“ Der Oberbürgermeister habe eine städtische Broschüre herausgegeben, unter der sein Name stehe. Das sei dann so etwas wie eine Dienstanweisung des OB. „Wenn sich städtische Mitarbeiter nicht daran halten, könnte das problematisch für sie werden.“ Kämpfe sagte am Montag, formell gebe es noch keine allgemeine Dienstanweisung, sie sie aber in Arbeit.

CDU kündigt Anfrage an

Die CDU will die Stadt in der kommenden Ratssitzung mit einer Anfrage in Verlegenheit bringen. „Wie passt das zu der Anweisung, die Leichte Sprache zu verwenden?“, will Seidel etwa wissen. Die Stadt soll dem Rat auch erklären, warum es zwar mehr weibliche Mitarbeiterinnen im Rathaus gebe – aber nicht in der oberen Führungsebene. „Darum sollte sich die Gleichstellungsbeauftragte kümmern“, sagte Seidel. Auch die Hannoveraner wollen die gendergerechte Sprache zum Thema in der kommenden Ratssitzung machen.

Kämpfes Kollegin bei der Region Hannover blickt derweil etwas neidisch zum Neuen Rathaus herüber: „Die Vorschläge der Stadt sind innovativ, ich finde das super und rege das hier schon seit Jahren an“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Region, Petra Mundt. Sie wird das wohl weiterhin erfolglos tun: „Es gibt aktuell nicht den Plan, den Gender-Stern einzuführen“, sagte Regionssprecherin Christina Kreutz. „Wir werden weiterhin die weibliche und männliche Form voll ausgeschrieben verwenden.“

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Muss sich also CDU-Fraktionschef Bernward Schlossarek keine Sorgen machen. Er hatte am Montag vor „Wortakrobatik in der Regionsverwaltung“ gewarnt.

Von Karl Doeleke

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