Historisches Museum

Flüchtlingshelfer stellen Buch vor

Stolz auf die ehrenamtlichen Helfer: Lars-Ole Walburg stellte das Buch mit einer Lesung im Historischen Museum vor.

Stolz auf die ehrenamtlichen Helfer: Lars-Ole Walburg stellte das Buch mit einer Lesung im Historischen Museum vor.

Hannover. Vor dem Stadtmodell, das im Rathaus das zerstörte Hannover zeigt, wurde Mohamed ganz still. „Und diese Häuser waren alle kaputt?“, fragte er schließlich. Der Familienvater aus Syrien lernte bei seinem ersten Ausflug in die Stadt noch den Maschteich und die Leine kennen; eine Stadt, die anders als viele Städte in seiner Heimat wieder heil geworden ist. Am Ende der Tour hatte er ein wenig Hoffnung geschöpft: „Das ist ein schöner Tag!“

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In dem Buch „Schreib das auf!“ haben 13 Helfer des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks viele solcher kleinen Begebenheiten aufgezeichnet. „Es sind anrührende Geschichten vom Gelingen und vom Misslingen“, sagt Diakon Johannes Meyer, der das Schreibprojekt initiiert hat. Im Historischen Museum hat Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg das Buch jetzt bei einer Lesung vorgestellt.

Die Helfer berichten darin von ihren Begegnungen mit Menschen, die zwar physisch in Hannover, aber gedanklich immer in ihrer kriegsgebeutelten Heimat sind. Von Seniorinnen, die jungen Syrern Deutsch-Nachhilfe geben. Vom Besuch in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Oststadtkrankenhaus. Vom Schafskopfessen, zu dem sie bei Familien aus dem Orient eingeladen wurden. Und von der Ohnmacht, die man angesichts einer alles entscheidenden Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge empfinden kann.

Ein Stück deutscher Geschichte

Das Thema Flüchtlinge wird die Politik noch lange beschäftigen. Doch dieses Buch ist auch ein erster Rückblick auf die große Flüchtlingsbewegung von 2015. An seiner Wiege stand der Gedanke Pate, einen Schatz an Erlebnissen dokumentieren zu müssen. Viele der Helfer erlebten die Ankunft der Flüchtlinge im Bewusstsein, dass sich da unter ihren Augen auch ein Stück deutscher Geschichte abspielt, vergleichbar höchstens dem Mauerfall, und dass die vielen kleinen Alltagsgeschichten es wert sind, der Nachwelt überliefert zu werden, weil sie später einmal erfassbar machen werden, welche Einzelschicksale sich hinter einer großen, anonymen Zahl verbergen.

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Intendant Walburg las die Berichte mit prononcierter Stimme. Er erinnerte daran, dass es vor 80 Jahren Deutsche waren, die in andere Länder flohen: „Wir haben das verdrängt, weil wir in einem sicheren und reichen Land leben“, sagte er im Gespräch mit Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Für das Engagement der Helfer fand Walburg starke Worte: „Es kann einen stolz machen, dass es in Deutschland so viele Menschen im Ehrenamt gibt.“

„Schreib das auf!“ gibt es für 8,50 Euro im Diakonischen Werk, Burgstraße 8. Das Buch kann auch per Mail an johannes.meyer@evlka.de bestellt werden.

Von Simon Benne

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