Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Tierheim

„Gassigeher“ wollen Anzeige erstatten

Sie haben angekündigt, Anzeige gegen einige Pfleger wegen Tierquälerei zu erstatten. Während eines Gesprächs mit allen Beteiligten, das der Klärung dienen sollte, habe sie sich „wie auf der Anklagebank“ gefühlt, sagt ein 48-jähriges Vereinsmitglied. Seit fünf Jahren führt sie regelmäßig Hunde aus und übernimmt auch Kosten für ihr Patentier.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nach Ansicht der Tierpfleger jedoch mischen sich einige Ehrenamtliche in ihre Arbeit ein und tragen haltlose Beschuldigungen vor. Eine der sogenannten Gassigeherinnen, die schwere Vorwürfe erhebt, hatte bisher jedoch noch nie Auseinandersetzungen mit den Mitarbeitern. Sie will gesehen haben, wie eine Pflegerin einen mit Maulkorb versehenen Hund, der ruhig an der kurzen Leine ging, plötzlich und ohne ersichtlichen Anlass heftig getreten habe.

Den Vorfall schildert die Pflegerin der HAZ gegenüber völlig anders: „Er wollte mich angehen, hat mich angefletscht.“ Als der Hund sie angreifen wollte, habe sie ihn in einem Reflex getreten. Die ehrenamtlichen Gassigeherinnen sind vor allem von Vorstandsmitglied Manfred Hoppe enttäuscht: Er zeige sich an einer objektiven Klärung der Vorfälle nicht interessiert. Als eine Frau in der vom Vorstand einberufenen Gesprächsrunde schilderte, wie eine Pflegerin einen Hund mit Maulkorb mit beiden Händen am Halsband griff und ihn mit dem Rücken zuerst in einen Graben warf, soll Hoppe sinngemäß gesagt haben: „Na und? Was ist denn dem Hund schon passiert. Oder ist er etwa tot?“

Hoppe äußerte sich gegenüber der HAZ dazu nicht. Er wollte auch weder dementieren noch bestätigen, dass er beabsichtigt, für den vakanten Posten des Vorsitzenden zu kandidieren, wie aus dem Umfeld des Tierschutzvereins zu hören ist. Der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Heine war zurückgetreten, weil sich sein Stellvertreter Carsten Frey für eine strikte Aufklärung der Vorwürfe eingesetzt hatte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Heine forderte dagegen, dass „alle Befragungen sofort eingestellt werden und die betroffenen Gassigeher bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit von weiteren Besuchen im Tierheim zunächst ausgeschlossen werden“. Zwei Vorfälle, die sich auf denselben Pfleger beziehen, werden von Zeugen außerhalb der Gassigeher-Gruppe geschildert: Am Tag der offenen Tür im September 2008 mit Hunderten Besuchern beobachtete ein langjähriges Mitglied des Tierschutzvereins, wie dieser Pfleger einen Hund an dessen Halsband so weit hochriss, dass dieser kaum noch auf seinen Hinterpfoten stehen konnte und röchelte. Auf die Misshandlung angesprochen, habe der Mann nur geantwortet: „Wenn er im Zwinger ist, will er raus, und wenn er draußen ist, will er rein.“

Von „merkwürdigen Methoden zur Hundeerziehung“ spricht eine Frau, die sich vor zwei Jahren einen Riesenschnauzer aus dem Tierheim holte, der sich nach Angaben des Pflegers mit Katzen hätte vertragen sollen. Als der Hund immer wieder auf ihre Katze losging, brachte sie ihn zurück nach Krähenwinkel. Dort riet ihr der Pfleger zum Einsatz eines Teletakt-Halsbandes, um den „Hund gefügig zu machen“. Teletaktgeräte sind umstrittene Hilfsmittel zur Erziehung von Hunden, bei denen ihnen bei Fehlverhalten Stromstöße verabreicht werden. Der Pfleger war zu einer Stellungnahme nicht erreichbar.

Jutta Oerding, Veronika Thomas

Mehr aus Hannover

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.