45.000 bei Konzert in AWD-Arena

Hannover rockt mit Coldplay

Bunt, bunter, Coldplay:Chris Martin in Hannover im Konfettiregen.

Bunt, bunter, Coldplay:Chris Martin in Hannover im Konfettiregen.

Hannover. 23.20 Uhr: Ab nach Hause, das Stadion leert sich blitzschnell. Und schon wird die Bühne abgebaut. Das war´s. Jetzt wird hier wieder Fußball gespielt.

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23.10 Uhr: Zufriedene Gesichter überall. "Großartig, supertoll, der absolute Wahnsinn": Die Fans, die aus der AWD-Arena strömen, sind euphorisch. "Die Show war gut durchgestylt und die Band hat sich richtig ins Zeug gelegt", schwärmt Kathleen Fredrich, die mit ihrem Sohn Max Gregor extra aus Mecklenburg-Vorpommern zum Konzert nach Hannover gekommen war. Ken Kaschel war schon 2009 beim letzten Konzert von Coldplay in Hannover dabei und wusste ungefähr, was ihn erwartet. So etwa auch, dass die Band bunte Leuchtarmbänder unter den Fans verteilen würde. "Doch die Jungs haben sich noch einmal richtig gesteigert. Und die blinkenden Lichter überall im Publikum; ich bin sicher, auch jemand, der die Musik nicht so mag, hätte Gefallen an der Show gefunden."

22.50 Uhr: Nach "Fix you", dieser wunderbaren Ballade mit dem bombastischen Ende, beendet "Every Teardrop is a Waterfall" den Abend. Um 22.50 Uhr geht das Quartett von der Bühne - zehn Minuten verschenkt! Die Anwohner wird's freuen. Und Chris Martin kann sich endlich was an die Nieren tun. 7 Grad. Warme Show. Und jetzt 'n Grog.

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22.22 Uhr: Die vier Männer gehen nach "Paradise" von der Bühne. Sie wärmen sich bestimmt auf. Chris Martin duscht vielleicht heiß und Schlagzeuger Will Champion nimmt eine Wärmflasche. Aber nein, nach einer Minute sind sie wieder da. "Us against the World". Was ruhiges. Für seine Mama. Auf noch einer kleinen Bühne ganz hinten in der "fucking awesome crowd" in - jaja. Er sagt eigentlich ziemlich oft dieses Wort. Vielleicht weil ihm doch kalt ist. "Speed of Sound" hinterher. Und dann geht's zurück zur Hauptbühne - nicht mit dem Hubschrauber, sondern zu Fuß. Durch die Menge zunächst und dann seitlich durch die Arena auf die große Bühne zurück. Zu "Clocks". Gutes Thema. Um elf Uhr muss Schluss sein. Sonst gibt's Gemecker von den Anwohnern. Aber sie schaffen das.

Fans sind begeistert vom Coldplay-Konzert

Hannover, 22.09.12: Die britische Band Coldplay hat am Sonnabend 45.000 Fans in der AWD-Arena begeistert.

21.50 Uhr: 7 Grad. Chris Martin trägt T-Shirt. Er schwitzt. Tu dir was an die Nieren, möchte man ihm zurufen. Problem: Alle wollen ihm was zurufen. Die meisten aber eher in Richtung aus- statt anziehen. Martin sitzt mit seinen drei Jungs auf der Mittelbühne, die durch einen langen Lauf- und Tanzsteg mit der Hauptbühne verbunden ist. Das ist der Wir-waren-mal-eine-ganz-kleine-Band-Teil. Rihanna ist auch da. Allerdings nur auf der Leinwand. Sie singt "Princess of China" mit dem echten Martin im Duett. Bisschen albern. Naja. Das wunderschöne "Up in Flames" ist eine prima Sofortentschädigung. Dann noch eine kleine Klavierballade aus den Anfängen der Band: "Warning Sign".Martin sollte sich vielleicht wirklich was überziehen. Aber ist auch egal, ist das letzte Konzert in Europa, die Band spielt demnächst auf der warmen Seite der Erde weiter. Aber "fucking" Hannover kriegt es noch mal so richtig. "Viva La Vida" bollert durch das Fußballstadion, das in dieser Arena immer dann ertönt, wenn Hannover 96 ein Tor schießt, also ziemlich oft. Ob Chris Martin das weiß?

21.30 Uhr: Ein bisschen vom bunten Lichtermeer im Inneren des Stadions sehen die Zaungäste in der Nähe des Stadionbads. Dicht an dicht drängen sich Zuschauer an der Absperrung, von der aus man einen kleinen Blick auf die Bühne erhaschen kann. Lars Sterzel, sein Bruder Björn und Freundin Henrike Grüne verzichten jedoch auf die Aussicht und machen es sich auf der angrenzenden Wiese mit Decken und Campingstühlen bequem. "Die Akustik ist hier wirklich super", sagt Lars Sterzel. So klar wie am Stadionbad ist die Stimme von Coldplaysänger Chris Martin am Maschsee zwar nicht zu hören, dafür passt das Ambiente zum romantischen Grundton der Songs. Mit Teelichtern, Sekt und Weintrauben haben es sich etwa Maria Gabriel und ihre Freundinnen Conny Borchert und Hannah Dobberahn auf der Ufermauer bequem gemacht. "Hier ist ein super Platz zum Zuhören, denn die Atmosphäre ist entspannt und die Musik ist gerade so laut, dass man sich gut unterhalten kann", sagt Gabriel.

21 Uhr: Die Wartezeitenvertreibungsmusik ist abgeebbt und von einem lauten Sprachgesang abgelöst, auf der Leinwand erscheint "Bitte tragen Sie das Armband. Es ist Teil der Show". Das ist nicht zu viel versprochen. Als die Band zu "Hurts like Heaven" auf die große Bühne stürmt, blinkt das ganze Stadion im Takt, ferngesteuert durch die Lichtregie. Dazu Feuerwerk in der Nordkurve, ganz legal zur Abwechslung mal. Sänger Chris Martin brüllt "Make some Noise, make some fucking noise, make some fucking noise, make some fucking Hannover noise!" Und die Arena macht eine richtig awesome fucking Hannover noise. Zu "In My Place" regnet es Konfetti im Innenraum, die Lichter hüpfen, Lasergitter legen sich über die Köpfe wie weiland bei Pink Floyd, und passenderweise ruft Martin "Is there anybody out there?" Blöde Frage, das hier ist schließlich fucking noisy Hannover. "Wir haben die besten Fans der Welt", sagt Martin dann noch, und nun ist auch mal gut mit der Schleimerei. "Lovers in Japan", "Yellow" - langsam schiebt sich die Musik vor die Effekte. Eine kleine Viermannband spielt ihre Lieder. Und Hannover hört andächtig zu - auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat sich unter die Zuschauer gemischt. Auch The BossHoss wurden gesichtet. Und so schrumpft das Konzert auch mal von Übergröße zu einem ganz intimen 45.000-Menschen Event

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18 Uhr: Noch am Nachmittag hätte man glauben können, Hannover 96 trägt ein Spiel gegen einen weniger populären Bundesligagegner aus, so gemächlich tröpfelten die Fans in die Arena. Warteschlangen gab es nur vor dem eigens aufgestellten Coldplay-Fanshop. Torid Trecksler freut sich sehr auf das Konzert. Heute ist ihr 15. Geburtstag, die Karte hatten ihr ihre Eltern geschenkt. "Ich war noch nie bei einem Coldplay-Konzert, doch es muss der Wahnsinn sein, wenn es so ist, wie Mama und ich es mal im Fernsehen gesehen haben." Auch ihre Mutter Petra ist sehr gespannt: "Ich bin sicher, dass die Live-Show richtig gut wird".

17.30 Uhr: Anja und Sina aus Exertal haben mit vier Freundinnen spontan beschlossen zum Coldplay-Konzert zu kommen. Am Nachmittag sind sie mit großen Pappschildern auf der Suche nach Karten. "Vor zwei Jahren beim Konzert haben wir das schon mal gemacht und sind total günstig reingekommen", erzählt Sina. Doch heute sieht es schlecht aus für das Sextett. Das Konzert ist schon seit Monaten ausverkauft und nur wenige bieten überzählige Karten vor der Arena an. Eine davon war Silvia Heß aus Göttingen. Durch Zufall haben sie und ihre Freundin noch drei Karten von einer Bekannten bekommen, die wegen Krankheit nicht fahren konnte. Doch nun ist ein Ticket für einen Sitzplatz übrig. "Ich bin schon ein paarmal angesprochen worden, aber die meisten Fans suchen Plätze im Innenraum", sagt sie. Doch lange muss sie nicht warten; schnell hat sie das Ticket verkauft.

Uwe Janssen und Isabel Christian

Dieser Text wurde aktualisiert.

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