Landtagswahl

Wahlschlappe: „Ein ganz bitterer Tag“ für die CDU

Hier verkündet er seinen Rücktritt: Bernd Althusmann, CDU-Spitzenkandidat, spricht nach Bekanntgabe erster Prognosen zur Landtagswahl in Niedersachsen in den Fraktionsräumen der CDU im niedersächsischen Landtag zu den Anhängern. Rechts neben ihm auf der Bühne steht Dirk Toepffer.

Hier verkündet er seinen Rücktritt: Bernd Althusmann, CDU-Spitzenkandidat, spricht nach Bekanntgabe erster Prognosen zur Landtagswahl in Niedersachsen in den Fraktionsräumen der CDU im niedersächsischen Landtag zu den Anhängern. Rechts neben ihm auf der Bühne steht Dirk Toepffer.

Hannover. „Weiterspringen“ will die CDU bei dieser Landtagswahl, und damit das auch keiner vergisst, projiziert ein Beamer den Schriftzug an die Leinwand im Cavallo. Da ist es gerade erst 17 Uhr und das Rennen offiziell noch offen – dass die Wahlparty in der königlichen Reithalle eher verhalten als rauschhaft wird, wird dann eine Stunde später zur Gewissheit. 27,5 Prozent in der ersten Prognose, das schlechteste Ergebnis der CDU in Niedersachsen seit 1955. Eine Enttäuschung für Bernd Althusmann, der Weg geht in die Opposition.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es ist ja nicht so, dass der Spitzenkandidat der CDU keinen Grund zum Feiern hat. Nur hat dieser so gar nichts mit der Wahl zu tun: „Es ist ein Glückstag. Immerhin ist meine Tochter heute zwölf Jahre alt geworden“, sagt Althusmann am Mittag bei seiner Stimmenabgabe in Lüneburg. Und mit Blick auf die Wahl: „Ein guter Tag für Niedersachsen.“ Ein gelassener Auftritt, wie ihn auch später zunächst die Parteifreunde im Cavallo zeigen: Vielleicht hilft ja auch der Wein, der am Nachmittag über die Theke gereicht wird. „Wir hoffen, dass sich die Umfragewerte noch mal zu unseren Gunsten drehen“, sagt Philipp Felsen, Referent des CDU-Generalsekretärs. „Ein Ergebnis ist schwer zu prognostizieren“, meint der Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt, der immerhin weiß: Die Stimmung an den Wahlständen war gut.

Hier sind sie noch optimistisch: Bernd Althusmann, CDU-Spitzenkandidat, steht mit seiner Frau Iris Althusmann im Wahllokal bei der Stimmabgabe für die Landtagswahl in Niedersachsen.

Hier sind sie noch optimistisch: Bernd Althusmann, CDU-Spitzenkandidat, steht mit seiner Frau Iris Althusmann im Wahllokal bei der Stimmabgabe für die Landtagswahl in Niedersachsen.

Doch tatsächlich sind die Ergebnisse diesmal offenbar genau das Gegenteil: leicht zu prognostizieren. Die 18-Uhr-Zahlen liegen dicht an denen der Umfragen zuletzt. Schweigend schauen die Christdemokraten im Cavallo auf die Leinwand, nur bei der Bekanntgabe des starken AfD-Ergebnisses geht ein Raunen durch den Saal. „Ein trauriger Tag für die CDU“, sagt schließlich Hoppenstedt. Und: „Die Zahlen sind eindeutig. Das können wir nicht wegdiskutieren.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Viele vermeiden den Blick auf den Bildschirm

„Neuanfang“ und „Umbruch“ sind Begriffe, die hier jetzt fallen – da hatte Althusmann seinen Rücktritt im Landtag noch gar nicht verkündet. Felix Semper, CDU-Ratsfraktionschef, forderte „neue Kandidaten und nicht diejenigen, die seit 20 Jahren dabei sind.“ Diana Rieck-Vogt, CDU-Direktkandidatin für Hannover Mitte, will eine „Transformation der Partei“.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, und der Spitzenkandidat der CDU, Bernd Althusmann, treffen in einem TV-Studio aufeinander.

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, und der Spitzenkandidat der CDU, Bernd Althusmann, treffen in einem TV-Studio aufeinander.

Entscheidungen fallen schon am frühen Abend: CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer kündigt seinen Rücktritt als Fraktionschef an. „Es ist nicht gelungen, in Niedersachsen eine Wechselstimmung herzustellen. In der Krise wechselt man keine Regierung.“ Die Partei müsse sich nun neu aufstellen. Bei der Wahl des Fraktionschefs am Dienstag werde er „klare Zeichen für einen Neuanfang“ setzen.

Althusmann verkündet Rücktritt

Und Althusmann? Die CDU-Fraktion im Landtag empfängt ihn gegen 18.45 Uhr mit Applaus. „Wir haben unser Wahlziel, stärkste Partei zu werden, auf jeden Fall nicht erreicht. Ich wünsche dem voraussichtlichen künftigen Ministerpräsidenten Stephan Weil und seiner Partei viel Erfolg für die Zukunft.“ Und dann gibt der 55-Jährige seinen Rücktritt als CDU-Parteichef bekannt. „Das ist meine persönliche Konsequenz“. Der Landesvorstand wird Montag um 17 Uhr zusammenkommen, nach den Herbstferien soll es einen Landesparteitag geben. Althusmann umarmt seine Frau Iris, dann noch ein kurzer Kuss. Im Cavallo sitzen die meisten da schon beim Essen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Andreas Schinkel und Fabian Mast Marco Seng

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen