Entsorgung

Hannover steht der Klärschlamm bis zum Hals

Hannovers Stadtentwässerung hat Probleme, Klärschlamm zu entsorgen.

Hannovers Stadtentwässerung hat Probleme, Klärschlamm zu entsorgen.

Hannover. Jede Woche entstehen in Hannover bei der Abwasserreinigung 1100 Tonnen Klärschlamm – und die Stadt weiß nicht mehr, wohin damit. Hannover hat wie andere Kommunen in Niedersachsen ein „schwerwiegendes Problem, den Klärschlamm zu entsorgen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix auf Nachfrage der HAZ. Er spricht von einem „Klärschlammnotstand“, der mit dem Bau eines Zwischenlagers im Klärwerk Gümmerwald bei Seelze behoben werden soll. Doch dafür ist eine langwierige und umfangreiche Genehmigung nötig, die das Land Niedersachsen erteilen muss. Hannovers Stadtentwässerung verhandelt jetzt mit Umweltminister Olaf Lies (SPD) über ein beschleunigtes Verfahren. „Uns steht der Klärschlamm bis zum Hals“, sagt ein Mitglied des Betriebsausschusses Stadtentwässerung.

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Die Becken in Gümmerwald laufen voll

Bis vor Kurzem konnte die Stadt den Klärschlamm in größerem Umfang an Landwirte verkaufen. Der Schlamm wurde als Düngemittel auf Feldern ausgekippt. Doch die EU schiebt dieser Methode der Entsorgung durch immer schärfere Vorschriften einen Riegel vor. In diesem Jahr konnte die Stadt nur 8000 von geplanten 12.000 Tonnen Schlamm in der Landwirtschaft unterbringen. „Zudem gibt es keine ausreichenden Verbrennungskapazitäten für Klärschlamm in Deutschland“, sagt Stadtsprecher Dix. Die Stadtwerke planen, in Lahe eine Müllverbrennungsanlage zu bauen, doch die wird erst in eineinhalb Jahren betriebsbereit sein. Abhilfe muss nach Ansicht der Stadt sofort geschaffen werden, denn die Becken in Gümmerwald laufen voll.

Stadt transportiert Klärschlamm nach Polen und Holland

Die Stadt behilft sich damit, den Schlamm mit Lastwagenkolonnen nach Polen und in die Niederlande zu transportieren. Das geht aus einem vertraulichen Verwaltungspapier hervor, das der HAZ vorliegt. In Polen werden die Abwasserreste in einem Biomassekraftwerk verwertet, in den Niederlande verbrannt. Doch das Transportgeschäft mit den privaten Unternehmen läuft offenbar nicht rund. „Die vereinbarten und vertraglich geschuldeten Mengen wurden nicht abgeholt“, heißt es in dem Papier. Erschwerend kommt hinzu, dass einer der Faultürme in Gümmerwald repariert und infolgedessen geleert werden muss. Dadurch fällt noch mehr Klärschlamm an, der gelagert werden muss.

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Um den Notstand abwenden zu können, will die Stadt jetzt ein Becken in Gümmerwald ausbauen, sodass die Kapazität von 10.000 Kubikmeter auf 25.000 Kubikmeter steigt. Die Bauzeit beschränkt sich auf zwei Monate (Juni/Juli), die Gesamtkosten betragen rund 3,4 Millionen Euro. „Die Stadtentwässerung würde dadurch mehrere Wochen Zeit gewinnen, in denen der Klärschlamm zwischengelagert und die Entsorgungssicherheit gewährleistet werden könnte“, heißt es im Verwaltungspapier.

Damit das alles schnell gehen kann, müsste Umweltminister Lies das Genehmigungsverfahren für den Bau des Beckens verkürzen. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch und schaffen die rechtlichen Rahmenbedingungen“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Die Stadt verhandele zugleich mit einem anderen Landkreis, um dort Lagerflächen für Klärschlamm einzurichten. Dafür sei aber ebenfalls eine Genehmigung nötig.

Von Andreas Schinkel

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