15 Monate ohne Bewährung

Hannovers Expolitiker Gerberding soll wegen Untreue in Haft

Das Schöffengericht befand ihn für schuldig, die Johann Jobst Wagenersche Armenstiftung um 20.000 Euro vorsätzlich betrogen zu haben. „Wir glauben, dass Sie von Anfang an die Absicht hatten, die Armenstiftung wirtschaftlich auszunehmen“, sagte der Vorsitzende Richter Melle Klinkenborg in seiner Urteilsbegründung.

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Gerberdings Verteidiger Christoph Rautenstengel hatte für seinen Mandanten eine Bewährungsstrafe gefordert. Er kündigte nach dem Urteil an, Rechtsmittel einzulegen. Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtbezirksrat Mitte hatte von April bis September 2009 das Amt des ehrenamtlichen Vorstandes der Stiftung übernommen, die in der Calenberger Neustadt Wohnraum für ältere Bedürftige bereitstellt. In dieser Zeit zweigte er nach Ansicht des Gerichts regelmäßig Geldbeträge für private Zwecke ab. Die Staatsanwaltschaft nannte eine Summe von mehr als 30.000 Euro, die Gerberding unterschlagen haben soll. Die Richter rechneten die Summe sogar noch zu Gerberdings Gunsten herunter.

Der 48-Jährige selbst hatte in dem Prozess lediglich eingeräumt, Quittungen für Barauszahlungen an angebliche Helfer gefälscht zu haben – und behauptet, sein Vorgänger habe ihm dazu geraten. Der Richter nannte Gerberdings Vorgehen „schamlos“. Vor Gericht habe der Angeklagte dann „keine erkennbare Reue“ gezeigt und „den Leumund seines Vorgängers zu beschädigen versucht“. Auch für Gerberdings Schilderung, er habe helfen wollen und sich das Geld unter anderem mit Renovierungsarbeiten verdient, fand Klinkenborg deutliche Worte: „Sie haben in dem Irrglauben gelebt, dass Sie für Ihre Anwesenheit in der Stiftung entlohnt werden.“ Das Gericht wollte die Strafe auch deshalb nicht zur Bewährung aussetzen, weil gegen den Sozialdemokraten bereits neun Vorstrafen verhängt worden waren, unter anderem wegen Betrugs gegenüber den Sozialkassen und Körperverletzung. Er habe genug Gelegenheit gehabt, sich zu bewähren.

Die Stiftung wird von dem Geld wohl nichts wiedersehen. Der Frührentner ist hoch verschuldet und befindet sich in Privatinsolvenz. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im September 2009 hatte Gerberding auf Druck seiner Partei die politischen Ämter in Hannover niedergelegt. In Berlin ließ er sich allerdings noch im darauffolgenden Jahr zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Arbeitskreises der Schwulen und Lesben in der SPD (Schwusos) wählen. Wie Schwuso-Vorsitzender Ansgar Dittmar am Montag erklärte, habe Gerberding das Amt nach Verkündung des Urteils per E-Mail niedergelegt. Der Vorsitzende der SPD Hannover, Alptecin Kirci, sagte, Gerberding habe der Partei Schaden zugefügt. Gegen ihn sei ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden.

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