24-Stunden-Dienst

Hannovers Feuerwehrleute klagen über Unterbesetzung

Foto: Feuerwehrleute müssen ständig zum Einsatz bereit sein.

Feuerwehrleute müssen ständig zum Einsatz bereit sein.

Hannover. Von „ständiger Unterbesetzung“ der einzelnen Feuerwachen ist in den Berichten der Mitarbeiter die Rede. Und von einer „permanenten Arbeitsverdichtung ohne zusätzliches Personal“. Das alles werde verstärkt „durch völliges Unverständnis seitens der Feuerwehrführung“.

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Nach HAZ-Informationen leiden unter der aktuellen Situation insbesondere die Kollegen, die mit den Rettungswagen der Berufsfeuerwehr im Stadtgebiet unterwegs sind. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Einsätze mit Rettungswagen in die Höhe geschnellt, ist zu hören.

Ein gravierendes Problem für viele Feuerwehrleute ist die Abschaffung des beliebten 24-Stunden-Dienstes bei der Feuerwehr. In früheren Jahren hatten Feuerwehrleute zehn Tage am Stück rund um die Uhr Dienst – anschließend aber hatten sie 20 Tage frei. „Das war sehr beliebt, weil man sich gut erholen konnte“, sagt ein Feuerwehrmann. Jetzt gebe es allerdings in Hannover einen „extrem familienunfreundlichen Dienstplan“, wie es heißt. Dieser Dienstplan führe dazu, dass die Kollegen bis zu zehn Tage am Stück täglich auf der Feuerwache und zeitweise täglich 14 Stunden im Dienst seien. „Für Familie und Erholung bleibt da wenig Zeit“, sagt ein Feuerwehrmann. Es gebe so auch kaum noch Gelegenheit, „den Kopf freizubekommen“.

Andere Feuerwehrleute bestätigen diese Einschätzung. Der veränderte Dienstplan lasse die Kollegen nicht mehr zur Ruhe kommen, heißt es gegenüber der HAZ. Zwar verbrächten die Beamten jetzt insgesamt weniger Stunden auf der Feuerwache, doch fühle sich die Zeit länger an. „Bei der Belastung sind wir an die Grenze gelangt.“

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Fast alle Feuerwehrleute in Hannover wünschten sich den 24-Stunden-Dienst zurück, heißt es in einem Brief eines Feuerwehrmannes an die HAZ. Damit könne sich die Personalsituation schlagartig verbessern, und der Krankenstand werde auf ein erträgliches Maß reduziert. Die Feuerwehrführung hat auf eine Anfrage der HAZ zu den Mitarbeiterbeschwerden bislang keine Stellung bezogen.

Zu Monatsbeginn waren bereits erhebliche Probleme in der gemeinsamen Rettungsleitstelle von Feuerwehr und Region Hannover bekannt geworden. Auch dort gibt es Klagen über eine zu hohe Arbeitsbelastung und angespannte Stimmung. Einer der Gründe dort ist die schlechtere Bezahlung der Regionsmitarbeiter im Vergleich zu den städtischen Mitarbeitern von der Berufsfeuerwehr, was zu einer erhöhten Personalfluktuation führt. Dazu kommen krankheitsbedingte Ausfälle. 60 Prozent der Schichten sollen unterbesetzt sein, die Klagen über eine zu hohe Arbeitsbelastung haben zugenommen.

Ungeliebte Richtlinie zur Arbeitszeit

Landauf, landab hadern Berufsfeuerwehrleute mit der Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union. Sie soll eigentlich die Arbeitnehmer vor Erschöpfung schützen, aber auch in vielen Feuerwehrorganisationen anderer Städte gibt es die Auffassung, dass die Richtlinie kontraproduktiv wirkt. Denn sie verbietet den bei den Feuerwehrleuten wegen des Freizeitausgleiches beliebten 24-Stunden-Dienst. Die Arbeitszeitrichtlinie verlangt unter anderem eine wöchentliche Arbeitszeit, die im Durchschnitt 48 Stunden einschließlich Überstunden nicht überschreitet. Außerdem ist eine tägliche Mindestruhezeit von elf zusammenhängenden Stunden in jedem 24-Stunden-Zeitraum vorgeschrieben. Und mindestens einmal in jedem Siebentageszeitraum muss es eine kontinuierliche Mindestruhezeit von 24 Stunden zuzüglich der täglichen Ruhezeit von elf Stunden geben.

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