Große Nachfrage im Geburtshaus

Hausgeburten
 stehen vor dem Aus

Die Betreuung von Hebammen in Hannover wird schwieriger, bei Hausgeburten ist die Nachfrage deutlich größer als die Kapazität der Hebammen.

Die Betreuung von Hebammen in Hannover wird schwieriger, bei Hausgeburten ist die Nachfrage deutlich größer als die Kapazität der Hebammen.

Hannover. Mütter müssen sich jetzt schon bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats für eine Hausgeburt angemeldet haben. Auch im Geburtshaus Eilenriede, wo Frauen außerklinisch ihr Kind gebären können, sind Anmeldungen nach der zwölften Schwangerschaftswoche inzwischen meist zu spät. Weil auch den Nachbarlandkreisen kaum noch freiberufliche Hebammen arbeiten, wächst die Nachfrage von werdenden Müttern auch aus größeren Entfernungen.

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6270 Euro beträgt seit Juli die Jahresprämie in der Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen, die Geburten außerhalb von Kliniken anbieten. Deshalb haben nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes bundesweit allein Ende Juni rund 150 Verbandshebammen ihren Beruf aufgegeben. Eine Konsequenz: Schwangere aus Hildesheim, Wolfsburg, Braunschweig und Coppenbrügge melden sich mittlerweile im Geburtshaus Eilenriede, um dort und nicht im Krankenhaus ihr Kind zu bekommen. In der Region Hannover hörte Ende Juni eine Hausgeburtshebamme auf, eine von dreien, die noch Hausgeburten anbot. Im Herbst könnte sich die Situation wieder etwas verbessern. Dann kommen drei freie Hebammen hinzu, die nur ein paar Monate im Jahr arbeiten, um Haftpflichtprämie zu sparen.

Gitta Scholz, Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes, spricht dennoch von einer „unhaltbaren Situation“ für werdende Mütter. Der Hebammen-Engpass zeigt sich offenbar auch bei der Wochenbettbetreuung. Nach der Geburt haben Frauen zehn Tage bis zu zweimal täglich Anspruch darauf, eine Hebamme zu sehen, danach bis zur achten Woche noch 16-mal. Fragen zum Stillen, zur Rückbildung, zum Säugling werden besprochen. Viel häufiger als früher lebten die Großeltern nicht mehr in der Nähe, deshalb werde die Beratung immer wichtiger, sagt Hebamme Scholz. Sie habe inzwischen täglich Frauen auf dem Anrufbeantworter, die kurz vor der Geburt dringend eine Hebamme suchten. Sie müsse fast immer absagen.

Vor drei Jahren habe man Frauen noch in der 20. Woche für eine Geburt angenommen, sagt Birgit Dreyer vom Geburtshaus Eilenriede. Dass sich Frauen jetzt so früh damit befassen müssten, sei widersinnig. Vor allem für Erstgebärende stünden anfangs vor allem die Gesundheit des Ungeborenen, die eigene körperliche Verfassung im Vordergrund. „Die meisten gehen erst mal zum Arzt. Wenn sie darüber nachdenken, wo sie gebären wollen, ist es zu spät.“

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180 Geburten macht das Geburtshaus Eilenriede jährlich. Aber: „Wenn es nach den Schwangeren ginge, könnten wir eine Filiale aufmachen“, sagt Dreyer. Monat für Monat nehme man bis zu sechs Frauen auf die Warteliste. Trotzdem verteile man ständig Absagen.

Problem Haftpflichtversicherung

Noch 2004 mussten freie Hebammen, die Hausgeburten anbieten, 1350 Euro Jahreshaftpflichtprämie bezahlen, um bei Komplikationen versichert zu sein. Seitdem steigt der Betrag, seit Juli sind 6270 Euro fällig – zu viel für die meisten Freiberuflerinnen. Seit Jahren protestiert der Berufsstand gegen diese Kosten. Geburtshäuser schließen, freie Hebammen geben ihre Angebote auf. 2014 schien Abhilfe in Sicht: Der Bundestag hatte die Kassen verpflichtet, die Kostensteigerungen bei der Haftpflicht auszugleichen. Die genauen Modalitäten sollten Kassen und Hebammen miteinander aushandeln. Bisher einigten sie sich nicht. Im Juni wurde die Schiedsstelle angerufen. Bis zu einer Entscheidung müssen die Hebammen die Prämien weiter allein zahlen.

jr

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