Reaktionen

HAZ-Leser diskutieren über die Zukunft von Chico

Wie geht es mit Chico weiter? Der Stafforshire-Mischling biss in Groß-Buchholz seine Halter tot und soll nun zum Wesenstest.

Schwierige Prüfung

Mich verwundert der unglaubliche Nachrichten-Satz: „Danach solle geprüft werden, ob der Hund gefährlich sei.“ Hallo?! Wie „prüft“ man, ob ein Hund gefährlich ist? Am besten, indem man ihm die Chance gibt, einen dritten Menschen zu töten. Dann wird er gefährlich. Mein Vorschlag: Ab fünf Tötungsdelikten ist er dann richtig gefährlich!

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Günter Szynkarek, Hannover

Lebewesen mit Bedürfnissen

Jeder Hund kann beißen! Das hat nichts mit Bösartigkeit zu tun, sondern mit normalem Verhalten. Fehler der Besitzer wie zu wenig Auslauf und Beschäftigung mit dem Tier erhöhen das Risiko massiv. Ein Hund, der zwei Leute totgebissen hat und dann ruhig mit einem Tierpfleger spazieren geht, ist nicht per se gefährlich.

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Viele Leute vergessen, dass ein Hund ein Lebewesen ist mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Charakter. Entweder man geht darauf ein und investiert die nötige Zeit, Mühe und Geld – oder man sollte kein Tier halten! Tut man das nicht, riskiert man Vorfälle, die zum Glück meist nicht so schlimm enden. So tragisch es für die Opfer ist: Ich sehe hier noch nicht, wer der wirklich Schuldige an dem Vorfall ist.

Sven Weihusen, Hannover

Nicht im Verhältnis

25.000 Menschen demonstrieren gegen das Einschläfern dieses Tieres. Egal, aus welchem Grund der Hund gefährlich wurde, er muss eingeschläfert werden! Wenn ein Kleinkind geschüttelt wird und an den Folgen stirbt, gibt es nur 5000 „Follower“. Ist das verhältnismäßig?

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Cordula Lenz​en, Hannover

Unter liebevolle Aufsicht

Chico soll leben dürfen! Die Verursacher und Alleinverantwortlichen saßen am oberen Ende der Hundeleine. Chico gehört in Hände liebevoller qualifizierter Aufsicht – das ist ihm diese Menschheit schuldig! Ich möchte nicht wirklich wissen, was diesem Tierchen bei seinen Haltern in seiner bisherigen Lebenszeit widerfahren ist. Dazu gehört auch eine qualifizierte Verwaltung. Weiterhin finde ich mehr als abartig, dass unsere Justiz und Verwaltung Tiere als Sache bewerten.

Claus Schläbitz, Hänigsen

Schlamperei der Behörden

Entsetzlich, was passiert ist. Allerdings hätte dieser tragische Fall verhindert werden können, hätten die zuständigen Behörden nicht geschlampt! Die Pressekonferenz ließ erkennen, dass die leitende Amtstierärztin Mehl mit der Sachlage scheinbar überfordert ist. Des Weiteren empfinde ich die Stellungnahme der Stadt Hannover als befremdlich, dass 2011 der Halter seitens des Veterinäramtes aufgefordert worden ist, den Hund dort vorzustellen – und dem leider nicht nachgekommen ist! Zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass der Halter schwer krank ist und seine Mutter im Rollstuhl saß; beide hatten einen gesetzlichen Betreuer! Die Meldung, die durch die Staatsanwaltschaft Hannover dem Veterinäramt vorlag, ließ erkennen, dass der Hund durch die Halter nicht händelbar und aggressiv ist. Dies wäre Grund genug gewesen, einen Prüftermin vor Ort durch die Behörde durchführen zu lassen, anstatt darauf zu warten, dass der Halter mit dem Hund vorstellig wird.

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Der Hund wurde nachweislich nicht artgerecht gehalten und vegetierte jahrelang vor sich hin. Laut Medien hatte der Halter weder einen Sachkunde-Nachweis, noch wurde der Rüde einem Wesenstest unterzogen. Jetzt zu erörtern, dass der Halter damals ein Haltungsverbot bekommen hätte, hätte man nicht versäumt, diesen Fall 2011 abzuschließen, ist für mich grotesk.

Frauke Ruhmann, Hannover

Hund beißt Mutter und Sohn tot

In einer Wohnung in Groß-Buchholz in Hannover hat ein Staffordshire-Terrier offenbar zwei Menschen getötet. Video: aktuell24

Mangel an Mitmenschlichkeit

Man stelle sich das vor: Ein Hund beißt zwei Menschen tot, beide entweder mit körperlichem Handicap oder sogar schwerstbehindert im Rollstuhl. Anschließend geht es in der öffentlichen Diskussion aber nicht mehr um diese Tragödie, nein, ich lese vorrangig Bedauern über das Schicksal des Hundes. Aber wie kann es sein, dass kaum jemand Anteil am Tod zweier Menschen nimmt? Wie kann es sein, dass niemand fragt, wie dies hätte verhindert werden können? Warum gibt es darüber und über die Verantwortlichkeiten hierfür keine öffentliche Auseinandersetzung?

Wer ein Beispiel für die Diskussionskultur in sozialen Medien haben will, wird hier fündig: Diese Tragödie ist als Ganzes viel zu kompliziert, um sie auf die Schnelle zu bewerten, also „pickt“ man sich seinen Lieblingsteil – in diesem Fall den Hund – aus der Sachlage raus. Dies verselbstständigt sich so stark, dass man selbst in der Berichterstattung über das erste Gassigehen ohne Maulkorb oder Gnadengesuchdemonstrationen für den Hund auf dem Laufenden gehalten wird.

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Dieses Desinteresse am Mitmenschen und der Mangel an Mitmenschlichkeit machen mir Angst. So geschieht den beiden Opfern posthum dasselbe wie schon zu Lebzeiten: Mutter und Sohn beziehungsweise ihre Bedürfnisse (posthum der Mangel an Pietät und Bedauern, die der Mutter und dem Sohn zustehen) werden von der Gesellschaft ignoriert.

David Milzow, Hannover

Hochdosierte Empörung

Sehr geehrte Hundefreunde, erstens demonstrieren und schreiben Sie für einen Erhalt von Chicos Leben. Aber, zweitens, was für ein Leben erwartet diese misshandelte Kreatur denn noch? Wird sich jemand finden, der den Hund „gesundliebt“? Oder muss er den Rest seines Lebens in einem Stahldrahtkäfig im Tierheim verbringen?

Drittens hat Chico im moralischen Sinn kein Todesurteil verdient! Und die Verantwortlichen leben nicht mehr. Trotzdem: Wie soll es mit ihm weitergehen? Da lese ich keine Vorschläge von Ihnen – nur hochdosierte Empörung. Viertens nehmen Sie doch auch die Tötung anderer Lebewesen billigend in Kauf, denn selbst, wenn sie rein vegetarisch oder vegan leben, wird auch Ihr Hund sicher gelegentlich Fleischkost kriegen, und diese Tiere müssen zuvor getötet werden.

Und – fünftens: Solche Aufregung bringt rein gar nichts!

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Elke Johanna Kulenkampff, Hannover

Fehlgeleitete Tierliebe

Ein Hund, der seine Besitzer totbeißt, muss eingeschläfert werden! Das dürfte gar keine Frage mehr sein. Gleichgültig, ob Kampfhund oder andere Rasse. Ein Hund, der diese Hemmschwelle überschritten hat, wird das immer wieder tun. Was ist das für eine fehlgeleitete Tierliebe, hier von einer neuen Chance zu sprechen? Und wer denkt an die Opfer? Was muss das für eine Attacke gewesen sein, zwei Menschen zu töten? Vielleicht sollten die Pathologen mal berichten, was diese Menschen erleiden mussten.

Doris Lemke, Hannover

Verantwortliche in die Pflicht nehmen

Ich frage mich, wieso die Allgemeinheit der Steuerzahler nun für das Versagen der Behörde zahlen soll. Jeder Falschparker muss selbst zahlen, jedes Überschreiten des Tempolimits kostet empfindliche Strafen. Im Sinne der Gerechtigkeit hoffe ich, dass die Verantwortlichen in die Pflicht genommen werden und den Aufenthalt des Hundes zahlen werden. Sich immer darauf zu verlassen, dass ein Nichthandeln schon keine Konsequenzen haben wird, dem sollte hier vonseiten der vorgesetzten Amtsleiter kräftig entgegengetreten werden. Denn der Hund kann nicht bestraft werden, und auch nicht die Angehörigen und die Betreuer, denn Hinweise gab es genug.

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Wiebke Kaun, Hannover

Verkehrte Welt

Über die Berichte wundere ich mich. Für die Massentierhaltung und das Kükenschreddern geht niemand auf die Straße. Zum unerträglichen menschlichen Schicksal von Mutter und Sohn sagt keiner etwas. Für den Hund gehen aber Massen auf die Straße, damit er nicht getötet wird. Was ist das für eine verkehrte Welt? Wenn sich die Menschen für unsere Tiere, unsere Mitgeschöpfe engagieren wollen, wäre weniger Fleisch zu essen ein erster Schritt. Offene Augen und Ohren für den Nachbarn zu haben wäre ebenfalls sehr gut.

Erika Thielemann, Hannover

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