Journalisten bedroht

Hells-Angels-Rocker in Hannover wegen Nötigung verurteilt

Zwei Männer aus dem Umfeld der hannoverschen Hells Angels sind am Donnerstag wegen Nötigung zu Geldstrafen verurteilt worden. Sie hatten Ende April des vergangenen Jahres ein Kamerateam des NDR bei Filmaufnahmen am Steintor behindert und bedroht. „Die Linse nicht auf mich, sonst haue ich dir das Ding in den Graben“, mit diesen Worten war Werner Willy S. (58), der nach eigenen Angaben als Kellner in der „Sansibar“ arbeitet, auf die Journalisten losgegangen.

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Zuvor waren die Fernsehleute in der Scholvinstraße mit André S. (46), dem Türsteher der Cocktail-Bar „Havanna“, aneinandergeraten. „Filmt den Asphalt, da haben wir nichts gegen, aber nicht unsere Läden, wir bezahlen hier die Steuern, nicht ihr“, raunzte er die Redakteurin und ihre Kollegen an. Sollten die drei seinen Anweisungen nicht Folge leisten, würde er sie notfalls mit einem Wasserschlauch vertreiben. Der 46-Jährige gehört den Hells Angels an, als so genanter „Road Captain“ ist er dort für gemeinsame Ausfahrten der Rocker zuständig.

Alle Versuche der Journalisten, dem Mann klarzumachen, dass öffentlicher Straßenraum ohne Genehmigung gefilmt werden darf, schlugen fehl. Das Kamerateam packte seine Gerätschaften daraufhin ein und baute sie auf einer Verkehrsinsel in der Mitte der Goethestraße schräg gegenüber der „Sansibar“ wieder auf. Doch auch das passte den Männern nicht. Die Journalistin holte schließlich per Handy die Polizei zu Hilfe.

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Von der Wache in der Herschelstraße waren zwei Fahrradpolizisten innerhalb kürzester Zeit am Ort des Geschehens. Ihnen gegenüber wiederholten die Männer, die sich inzwischen vor dem Fernsehteam aufgebaut hatten, ihre Drohungen. Die Beamten belehrten den Türsteher und den Kellner darüber, dass sich die NDR-Mitarbeiter korrekt verhalten haben. Obwohl die Männer danach abzogen, brach das TV-Team seine Arbeit ab. Vor Gericht erklärte die Reporterin, man habe nach den Auftritten der Männer Angst gehabt.

Der Vorsitzende Richter nahm vor allem diese Aussage sehr ernst. In seiner Urteilsbegründung erklärte er, er habe keinen Zweifel daran, dass die beiden Männer tatsächlich Drohungen von sich gegeben hätten. Aus diesem Grund muss der mehrfach vorbestrafte André S. eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen von je 28 Euro bezahlen. Werner Willy S., der ebenfalls mehrere Haftstrafen verbüßt hat, wurde zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt. Rechtsanwältin Antje Heister von der Kanzlei Götz von Fromberg, die André S. vertrat, will Rechtsmittel prüfen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Türsteher oder andere Mitglieder der Hells Angels im Steintorviertel als Ordnungsmacht aufspielen. Auch Fotografen, die im Auftrag der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung Straßenzüge in Hannovers Amüsierviertel ablichten sollten, wurden von Securityleuten daran gehindert. Im August 2010 führten Mitarbeiter einer am Steintor tätigen Sicherheitsfirma im öffentlichen Raum Taschenkontrollen durch. Die Polizei reagierte mit regelmäßigen Schwerpunktkontrollen auf dem hannoverschen Kiez.

Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden bei 288 Einsätzen 1097 polizeiliche Maßnahmen ergriffen. Olaf Gösmann, der Leiter der Polizeiinspektion Mitte zog eine positive Bilanz des neuen Einsatzkonzeptes. „Seit wir unsere Handlungskompetenz im Steintor verstärkt zeigen, tun die Sicherheitsleute nicht mehr so, als seien sie der Ordnungsfaktor“, sagte Gösmann.

Das Hells Angels Video ist auf der NDR-Homepage zu finden. Die Szene, in der die Rocker die Journalisten bedrängen, beginnt etwa bei 12:25 Minuten.

Tobias Morchner

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