Umstrittener Straßenname

Hindenburgstraße: Bürgerinitiative will Umbenennung stoppen

Mit Briefen gegen die Umbenennung: Ludwig Meyer, Falco Schickerling, Heinz-Jürgen Brink (v.l.).

Mit Briefen gegen die Umbenennung: Ludwig Meyer, Falco Schickerling, Heinz-Jürgen Brink (v.l.).

Hannover. Energisch versenkt Ludwig Meyer den Zettel im Briefkasten – und wieder hat er eine Botschaft unters Volk gebracht. Der 82-jährige ist Sprecher einer Bürgerinitiative, die gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße kämpft. Der Bezirksrat Mitte hat diese im August beschlossen; Reichspräsident Paul von Hindenburg habe "Hitler zum Kanzler gemacht", heißt es in einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirats für Straßennamen.

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„Ein Zusatz am Straßenschild könnte seine historischen Verstrickungen aber viel besser erläutern“, sagt Meyer, der selbst früher für die SPD im Rat saß. „Das Verdrängen von Geschichte ist keine Lösung.“ Mit vier Mitstreitern hat er Plakate im Viertel aufgehängt. Sie legen Flugblätter in Geschäften aus und haben 400 Briefe an Anwohner verfasst. Diesen liegt ein vorgefertigtes Schreiben an die Stadt bei. Tenor: „Die Hindenburgstraße soll ihren Namen behalten!“

Ludwig Meyer kämpft gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße.

Ludwig Meyer kämpft gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße. Mit vier Mitstreitern hat er eine Bürgerinitiative gegründet und 400 Briefe an Anwohner und Nachbarn verfasst.

„Undemokratisches Verfahren“

In diesen Tagen geht Anliegern noch ein weiterer Brief zu, denn die Stadt hat offiziell die Suche nach einem neuen Straßennamen begonnen. Das Schreiben erläutert das Vorgehen bei der Bürgerbeteiligung. Dies ist kompliziert und erinnert entfernt an das ausgeklügelte Prozedere von Papstwahlen. Bis zum 31. Mai dürfen Namensvorschläge bei der Stadt eingereicht werden. Der Bezirksrat soll daraus dann sieben Namen auswählen, wobei "weibliche Personennamen vorrangig berücksichtigt" werden. Im nächsten Schritt werden Anlieger erneut angeschrieben und dürfen aus der Siebener-Liste ihren Favoriten küren. Das prozentuale Ergebnis dieser Abstimmung wird dann dem Bezirksrat mitgeteilt, der letztlich entscheidet.

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„Ich halte es für undemokratisch, dass wir zwar an der Auswahl eines neuen Namens mitwirken sollen, aber nicht entscheiden dürfen, ob wir die Umbenennung überhaupt wollen“, sagt Falco Schickerling, der seine Rechtsanwaltskanzlei in der Hindenburgstraße hat. Wie er engagiert sich auch Heinz-Jürgen Brink in der Bürgerinitiative, die die Umbenennung doch noch stoppen will. „Seit 1982 lebe ich hier“, sagt der 68-Jährige, „die Hindenburgstraße gehört zu meiner Biografie.“

Wie soll die Hindenburgstraße künftig heißen? Vorschläge nimmt die Stadt bis zum 31. Mai unter 18.62.01.sbm@hannover-stadt.de entgegen.

Von Simon Benne

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