ZiSH stellt ungewöhnliche Berufe vor

Ich mache was, was du nicht machst

Der etwas andere Studentenjob: Annika Gustenhofen arbeitet als Angelina Jolie Double.

Der etwas andere Studentenjob: Annika Gustenhofen arbeitet als Angelina Jolie Double.

Hannover. Verdoppelt

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Da ist Angelina Jolie!" Ein Raunen geht durch die Menge. Einige holen ihre Handys raus und fotografieren. Die Aufregung ist umsonst: Es ist kein Auftritt des Hollywoodstars, sondern lediglich Anni­ka Gustenhofen, die vor einer Pressekonfe­renz die Reaktionen der Fans testet. Die 27-jährige Studentin aus Düsseldorf ist dem "Tomb Raider"-Star allerdings wie aus dem Gesicht ge­schnitten: Sie ist ein Double.
Für den Job hat Annika sich wie die meisten Doppelgänger mit einem Foto bei einer Agentur beworben. Seitdem schlüpft sie regelmäßig in die Rolle der weltbekannten Schauspielerin. Häufig bei Betriebs­feiern, etwa mit Hollywoodmotto. "Wir sol­len für Ver­wirrung sorgen und die Leute zur Überlegung anregen: ,Ist sie es wirklich?'", sagt Anni­ka. Sogar in einigen Kino­produktionen ist sie schon aufgetreten, wie der Verfilmung von Daniel Kehlmanns Best­seller "Ruhm", der das Doppelgänger-Motiv thematisiert. "Das war eine un­heimlich spannende und tolle Erfahrung, den Schauspie­lern am Set so nah zu sein", sagt Annika begeistert.
Doch auch im TV sind die Doppel­gänger ge­fragt: Seien es RTL-Cas­tings nach "Deutsch­lands besten Doppelgän­gern" oder Auftritte von Royal- und Politi­ker-Lookalikes zu Un­terhaltungszwecken im Abendprogramm. Wer als Double arbeiten möchte, müsse vor allem die biometrische Ähnlichkeit mitbrin­gen, meint Jochen Florstedt von der Künstler- und Doppelgängeragentur Jochen Flors­tedt. "Als Lady Gaga oder die Blues Brothers kommt es zusätzlich auf tänzerische Qualitä­ten an, weil die Kunden da natürlich auch eine Show erwarten." Außerdem seien die Imitation von Mimik und Gestik ebenso wichtig wie das Wissen um die aktuellen Schlagzeilen, die sich um den jeweiligen Promi ranken, sagt Annika. "Wenn sich Angelina Jolie je­doch in meinen Augen moralisch unvertretbar ver­halten würde, könnte ich den Job nicht mehr mit gutem Gefühl ausüben." Schließlich werde ihr Image direkt mit Annika in Verbindung ge­bracht. Bisher konnte sie sich jedoch nicht über ihr Vorbild beklagen, sondern sieht in ihr durch Jolies bedingungsloses, sozia­les Engage­ment eine toughe und zielstrebige Persön­lichkeit.
Dennoch ist Annika auch bewusst, dass ihre Ge­fragtheit vor allem von der Medienpräsenz Jolies abhängt. Doch für sie ist das Doubeln ohnehin nur ein Nebenjob. Wenn auch ein ziemlich aufregender.

Theresa Kruse

               

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Timing im Team

Mein Beruf ist wie eine Mannschaftssportart", sagt Jörg Steffens. "So viel Zusammenhalt unter den Arbeitern ist in einer normalen Werkstatt wohl kaum zu finden." Steffens arbeitet als Rennsportmechaniker beim Team Audi Sport ABT Sportsline in Kempten. Was für viele wohl ein Kindheitstraum geblieben ist, ist für den 41-Jährigen wahr geworden. Auch nach mehr als 15 Jahren ist er noch zufrieden: "Für mich ist das der perfekte Job."
Schon während seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker hatte er Kontakte in der Motorsportbranche, die ihm dann zu seinem Job als Rennsportmechaniker verhalfen. "Man muss schon ein bisschen Glück haben, um zum Motorsport zu kommen", sagt er. Aber am wichtigsten seien Enthusiasmus und der Wille zum Erfolg – denn wenn man schon so viel Zeit investiere, wolle man natürlich auch gewinnen.
Unter der Woche arbeiten er und seine Kollegen in der Werkstatt, wo sie den Audi A5DTM von der Schweizer Rennfahrerin Rahel Frey auseinanderbauen, reinigen und wieder zusammensetzen. An zehn Wochenenden im Jahr ist Jörg für Boxenstopps bei den Rennen der Deutschen Tourenwagen Masters verantwortlich. Freitags und sonnabends bereiten sich alle auf das Rennen vor: Beim freien Training wird nach etwa fünf Runden Fahrt ausgelotet, wie der Wagen noch schneller fahren kann – die Mechaniker bauen sofort um. Es folgen zahlreiche Probefahrten. Am Sonntag sitzen Jörg und seine Mitarbeiter dann während des Rennens in der Box und warten auf das Funksignal, das sie zum Boxenstopp aufruft. Wenn sie es bekommen, muss alles ganz schnell gehen: 13 Mechaniker bearbeiten das Auto. Jeder hat seinen eigenen Bereich. Zwei Boxenstopps sind Pflicht.
Dass sich die ganze Arbeit am Wochenende lohnt, erlebt Jörg immer nach den erfolgreichen Rennen: "Wir wissen, wie man feiert", sagt er und lacht.  

Melissa Ebert

                         

Schickes Steak

Rosafarbenes medium gebratenes Steak, garniert mit provenzalischen Kräutern und kleinen Johannisbeerzweigchen: Was auf Fotos in der Speisekarte den Restaurantbesuchern das Wasser in den Mund treibt, ist für die Foodstylistin Miriam Zieske ein aufwendiges Fotoshooting.
Seit 2007 arbeitet die 27-Jährige bei der Werbeagentur Tristyle. "Die Food-Fotografie hat mich schon damals fasziniert", sagt Miriam. Sie kam durch Experimente mit der Kamera zu ihrem Beruf, denn eine Ausbildung zum Foodstylisten gibt es bisher nicht. Als guter Einstieg gilt eine Kochlehre. Alternativ bietet es sich auch an, Praktika bei anderen Food-Fotografen oder ein Studium in Ernährungswissenschaften zu absolvieren.
Doch wie genau kommen diese appetitlichen Bilder eigentlich zustande? Miriam und ihre Kollegen arbeiten im Team: Dank moderner Digitalarbeit dauert das Shooting für ein Gericht nur ungefähr eine Stunde. Die Zubereitung der Speisen kann hingegen schon mal bis zu vier Stunden dauern. Denn oft müssen Gerichte durch besonders schonendes Garen verarbeitet werden, damit sie keine angebrannten Stellen davontragen. Ausgebessert wird dann im Anschluss mit Photoshop. "Man schafft dabei kleine Kunstwerke. Und die Models sind wesentlich umgänglicher als sich bewegende Menschen", sagt die Stylistin schmunzelnd.
Für das Knipsen der Leckereien verdient Miriam zwischen 1600 und 2500 Euro im Monat – je nachdem, wie viele Aufträge ihre Firma bekommt. "Wir sind für die Fotos der Serviervorschläge auf den Verpackungen zuständig", sagt Andreas Brünger aus Hannover, Geschäftsführer von Tristyle. "Es ist wichtig, dass man sich mit fotografischen Aspekten auskennt und auf Beleuchtung und Konsistenz achtet."
Doch was uns auf den Bildern so köstlich ins Auge springt, ist manchmal gar nicht verzehrbar. Zwar gibt sich das Team große Mühe, möglichst nur die tatsächlichen Gerichte zu benutzen, doch Fotoshootings dauern, Bierschaum legt sich, und Eis schmilzt. Nachgeholfen wird beim Bier mit chemischen Mitteln, die zwar die prächtige Schaumkrone erhalten, jedoch auch giftig sein können. Und das cremige Vanilleeis auf dem Bild in der Speisekarte ist eigentlich Kartoffelpüree mit einem Schwung Margarine. Macht nichts, sieht auch lecker aus.

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Julia Wolter



Guten Appetit

Jeden Tag gratis essen gehen und dann auch noch meckern. Demetrio Colangelo darf das. Der 53-Jährige ist selbstständiger Restauranttester, ein Traumberuf für viele. Doch statt vernichtende Kritiken zu schreiben, bietet er den Betreibern Tipps zur Verbesserung. "Kochshows zeigen den Gästen, was sie in einem guten Restaurant erwarten können. Dadurch müssen die Gastronomen sich stetig verbessern, und viele holen sich dann Hilfe bei Testern", berichtet Colangelo.
Die Kunden kommen zu ihm, und dabei verdient er recht gut: 590 bis 890 Euro plus Spesen bekommt Colangelo pro Auftrag. Beim Testen achtet er nicht nur auf den Geschmack, sondern auch Musik, Lichtverhältnisse und das Personal werden bewertet. Fingerspitzengefühl ist gefragt. "Neue Trends erspüren zu können ist besonders wichtig. Momentan sind das vor allem regionale Produkte, denn die Leute denken jetzt viel ökologischer als noch vor 20 Jahren", so der gebürtige Italiener.
Um Tester zu werden, bietet es sich an, eine Ausbildung als Koch oder Küchenmeister zu absolvieren. Diesen Weg ging auch Colangelo, der sich inzwischen in ganz Deutschland einen Namen gemacht hat. Angefangen mit der Eröffnung eines eigenen Restaurants in Freiburg, sammelte er über die Jahre reichlich Erfahrung in den verschiedensten Betrieben. Dort kam es dann auch zu ersten Einsätzen als Berater.
Mittlerweile ist der Meisterkoch selbstständig und fungiert in erster Linie als Coach. "Ein Italiener aus Freiburg bat mich um Rat, denn sein Geschäft lief nicht. Dass das am Mangel von italienischen Speisen auf seiner Karte liegen könnte, darauf kam der Herr nicht." Bei solchen Fällen kann der Kritiker nur den Kopf schütteln. Aber fürs Meckern wird er ja schließlich auch bezahlt.

Julia Wolter

                               

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Frisierte Vierbeiner

Uschi Sobol hat sich an ihre undankbaren Kunden gewöhnt. Nach einer aufwendigen Frisur bekommt sie nichtmal ein Dankeschön zu hören. Stattdessen wird gebellt, gejault und auf dem Tisch herumgewuselt. Die Neustädterin betreibt einen Friseursalon für Hunde . Grade frisiert sie einen kleinen Pudel für eine Austellung. Doch bei den Vierbeinern bedeutet ein neuer Schnitt mehr als angesagtes Styling: Unter dem Fell können sich Krankheiten niederlassen. „Ich merke oft schon vor den Kunden, wenn mit ihrem Hund etwas nicht stimmt.“, erzählt die Neustädterin. Der Besuch beim Hundefriseur kann dem Tier eine rechtzeitige Behandlung ermöglichen und Schlimmeres verhindern. Doch wie wird man eigentlich Hundefriseur? Uschi Sobol hat sich die nötigen Fähigkeiten zu Beginn selbst beigebracht, lernte von Züchtern und in anderen Salons. Inzwischen bieten viele Hundesalons eine private Ausbildung an, die zwischen sechs und zwölf Monate dauert. Kosten: Zwischen 2.000 und 2.500 Euro, meist in Form von Seminaren oder Lehrgängen angeboten. Der Hund mag der beste Freund des Menschen sein, reich wird man durch ihn jedoch nicht. „Wenn man einen Salon in einer Großstadt mit großer Kundschaft eröffnet, verdient man nicht schlecht. Aber ob es zum Leben reicht, ist eine andere Frage“, sagt Sobol. Nur vom Hundestudio können sie und ihr Mann nicht leben. Und süße Welpen gibt es auch nicht jeden Tag - manchmal gehören auch angsteinflößende Hunde zur Kundschaft. Immerhin erübrigen sich bei den Vierbeinern ausufernde Diskurse über das Wetter.

Lisa Günther

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