Spitzenposition zu vergeben

Immer noch keine neuer Direktor für Sprengel Museum

Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums möchte 2014 nach 20 Jahren Amtszeit in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums möchte 2014 nach 20 Jahren Amtszeit in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Hannover. Die Sammlung des Sprengel Museums zählt deutschlandweit und international zur Spitzenliga. Bilder von Picasso, Klee und Ernst sind noch zu Lebzeiten der Künstler gekauft worden, teilweise in den Ateliers. Das Haus ist zudem Schwitters-Weltzentrum, und die Ausstellung „Marc, Macke und Delaunay“ vor drei Jahren bewies, dass das Museum in einer Stadt mit einer halben Million Einwohner 270000 Besucher erreichen kann. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die Suche nach einem Nachfolger für Ulrich Krempel, der Anfang 2014 nach 20 Jahren Amtszeit in den Ruhestand treten möchte, seit Monaten ergebnislos hinzieht.

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Seit Mitte November publik wurde, dass ein Kandidat Hannover erfolgreich nutzen konnte, um die eigene Stellung zu verfestigen und zu verbessern - es geht um Stephan Berg, den Intendanten des Kunstmuseums Bonn -, wachsen Zweifel an der Professionalität des Auswahlgremiums. Halten profunde Szenekenner ihre Fühler ausgestreckt, um eine der wichtigsten Museumsstellen neu zu besetzen? Oder trauen sich Kulturbeamte die diffizile Aufgabe allein zu? Spricht Marlis Drevermann, Hannovers Kulturdezernentin, die Richtigen an? Und werden sich die Zuständigen von Stadt und Land auf mehr als einen Kompromisskandidaten einigen können?

An bestens ausgebildeten Profis, die für Direktorenposten in Frage kommen, herrscht derzeit kein Mangel. Parallel zu Hannover sind aber auch andere Museumsstellen vakant, beispielsweise sucht die Bundeskunsthalle in Bonn eine neue Leitung. Ein paar Monate lang standen die hannoverschen Headhunter in Konkurrenz zum Museum Ludwig in Köln. Das konnte inzwischen die Nachfolge von Kasper König, der Ende Oktober 2012 in den Ruhestand gegangen ist, regeln. Die Wahl fiel auf den Schweizer Kunsthistoriker und Kurator Philipp Kaiser. Dieser wechselte vom Museum of Contemporary Art in Los Angeles an den Rhein. Beim Amtsantritt sagte der 39-Jährige, was man heute offenbar sagt, wenn man Direktor wird: „Ich möchte das Haus auf den Kopf stellen.“

Auch das Museum Folkwang in Essen war in den zurückliegenden Monaten auf Direktorensuche. Es machte zuletzt Schlagzeilen mit dem grandiosen Erweiterungsbau von David Chipperfield im Stil der Glasmoderne. Auch in Essen fiel die Wahl auf einen Schweizer Kunsthistoriker: Tobia Bezzola, 51 Jahre alt, war zuvor Kurator am Kunsthaus Zürich. Und Christoph Grunenberg, der neue Leiter der Kunsthalle Bremen, war zuvor Direktor der Tate Liverpool. So kommen Kunsthistoriker ins Land, um Führungspositionen einzunehmen.

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Und das, obwohl man als Museumsdirektor beispielsweise an US-Häusern viel mehr verdienen kann. Laut Ausschreibung für das Sprengel Museum ist die Direktorenstelle mit der Entgeltgruppe 15 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst angesetzt. Daran angelehnt werde ein „außertarifliches Entgelt“ gezahlt, steht in der Stellenannonce. In Deutschland kann das Jahresgehalt eines Museumsdirektors 60000 oder auch 160000 Euro betragen. Die jüngsten Neubesetzungen zeigen, dass man nicht unbedingt Führungserfahrung mitbringen muss. Es reicht aus, erfolgreicher Kurator zu sein. Einer der erfolgreichsten Kuratoren im Land heißt Martin Engler. Er war zuvor am Kunstverein Hannover tätig und ist jetzt als Leiter der Moderne-Abteilung im Frankfurter Städel Verwalter eines der üppigsten Ankaufsetats im Land.

Mit der Finanzmetropole Frankfurt, wo Englers Chef Max Hollein im Vorjahr aus dem Stand 40 Millionen Euro für den Ankauf einer Holbein-Madonna akquirierte, kann Hannover schwerlich mithalten. Das Sprengel Museum ist aber nicht schlechter aufgestellt als andere große internationale Museen. Die öffentlichen Mittel sollen aufgestockt werden, wenn 2015 im baulich erweiterten Museum die Arbeit aufgenommen wird, und zwar nach Angaben des Landes und der Stadt um insgesamt bis zu 400000 Euro pro Jahr. Das ergäbe ein Budget für das Sprengel Museum von fast 5,5 Millionen Euro zuzüglich Einnahmen aus Eintrittsgeldern. In dem Museum arbeiten mehr als hundert Mitarbeiter. Zwei Registrare wickeln allein den regen Leihverkehr ab. Kürzlich besuchte eine Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin das Sprengel Museum und war hingerissen von der hingebungsvollen Heranführung von Kindern an Kunst.

Nachdem die Fahndung nach einer neuen Leitung inzwischen als verschleppt gelten kann, wünschen sich manche, Krempel möge um drei Jahre verlängern und der neuen Leitung das Haus dann samt Neubau übergeben. Eigentlich wollte er seinem Nachfolger die Möglichkeit geben, Details des 28,5 Millionen Euro teuren Erweiterungsbaus mitzubestimmen. Doch es könnte für Bewerber auch abschreckend sein, in einer Doppelspitze mit Krempel zu regieren - und Gefahr zu laufen, in den Schatten des erfolgreichen Museumsmannes zu geraten. Der sagt, er selbst denke nicht an eine Vertragsverlängerung.

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