Berufsausbildung

Endspurt: In der Region Hannover gibt es noch 1570 Lehrstellen-Bewerber

Berufsorientierung: Sabrialo Lorestan spricht mit Matthias Thäle vom DRK über Perspektiven in medizinischen Berufen.

Berufsorientierung: Sabrialo Lorestan spricht mit Matthias Thäle vom DRK über Perspektiven in medizinischen Berufen.

Hannover. Jens Meier hat unter anderem folgendes im Angebot: Fachkraft für Lagerlogistik, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Maschinen- und Anlagenführer sowie Stellen im Vertrieb – alles Ausbildungsplätze für den Standort Hannover der Großbäckerei Harry-Brot, bei der Meier Rohstoffdisponent und Ausbilder ist. „Es ist eindeutig schwieriger geworden, diese Stellen zu besetzen“, sagt er.

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Meier hat einen Informationsstand beim „Ausbildungsmarkt Endspurt“ aufgebaut, den die Agentur für Arbeit gemeinsam mit Partnern im Berufsinformationszentrum in der Escherstraße organisiert hat. Es geht bei dieser Messe vor allem darum, für das anlaufende Ausbildungsjahr noch unversorgte Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen. 5000 Jugendliche sind angeschrieben worden, sie können sich bei 19 Betrieben ein Bild machen oder mit Berufsberatern der Agentur reden.

Zahl der Bewerber sinkt

Der Bedarf besteht. „Wir haben zum ersten Mal deutlich weniger gemeldete Bewerbungen als freie Lehrstellen“, bilanziert Martin Raschdorf, Teamleiter beim Arbeitgeberservice der Agentur. In Zahlen: Seit Oktober sind der Agentur in Hannover 6163 Aspiranten gemeldet worden, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 600 mehr. Sie konnten unter 6532 Ausbildungsplatzangeboten wählen. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis waren Ende August 1570 Bewerber unversorgt, aber 2240 Lehrstellen noch unbesetzt. Die Werte spiegeln einen bundesweiten Trend wider.

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„Es gelingt uns häufig nicht, Jugendliche und Arbeitgeber zusammenzubringen. Die Gründe dafür sind vielfältig“, sagt Gabriele Voss, Leiterin der Jugendberufagentur, in der auch das Jobcenter und die Region Hannover vertreten sind.

Folgen des Corona-Lockdowns machen sich bemerkbar

Jens Meier von Harry-Brot kann Gründe nennen. „Wenn in Schulzeugnissen viele unentschuldigte Fehltage auftauchen, deutet das auf Probleme bei der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hin“, sagt er. Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern seien generell abgefallen. Außerdem machten sich Folgen des Lockdowns in den Schulen während der Corona-Zeit bemerkbar.

Abiturienten sind für Harry-Brot in Hannover für eine Ausbildung nicht greifbar. „Mittlerweile sind auch nur wenige gute Realschüler am Markt“, erklärt Meier. Die Großbäckerei hat deshalb den Fokus auf Realschüler mit bescheideneren Zeugnisnoten und auf Hauptschüler erweitert.

Orientierungshilfen werden wichtiger

Die 22-jährige Sabrialo Lorestan kann ein Abitur vorweisen – leider keines, das bisher in Deutschland Anerkennung findet. Sie hat es im Irak erworben, ihrem Heimatland. Lorestan interessiert sich für eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten und hat sich beim Deutschen Roten Kreuz informiert. Ergebnis: Sie wird nun zunächst eine dreimonatige Ausbildung als Rettungssanitäterin machen und sich so zunächst beim DRK orientieren.

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Angebot und Nachfrage – das sind die Top 10

Für diese zehn Berufe interessieren sich im laufenden Ausbildungsjahr die meisten Nachwuchskräfte (in Klammern die Zahl der Bewerber):

1. Kaufmann/-frau im Büromanagement (477)

2. Medizinische/r Fachangestellte/r (395)

3. Kraftfahrzeug-Mechatroniker (329)

4. Kaufmann/-frau im Einzelhandel (297)

5. Verkäufer/-in (289)

6. Friseur/-in (172)

7. Fachinformatiker/in-Anwendungsentwicklung (168)

8. Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (154)

9. Fachkraft Lagerlogistik (141)

10. Fachinformatiker/-in Systemintegration (133)

Diese zehn Ausbildungsberufe sind am häufigsten zu haben (in Klammern die Zahl der Angebote durch die Unternehmen):

1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel (540)

2. Verkäufer/-in (427)

3. Kaufmann/-frau im Büromanagement (411)

4. Medizinische/r Fachangestellte/r (276)

5. Fachkraft Lagerlogistik (226)

6. Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (210)

7. Verwaltungsfachangestellte/r (146)

8. Handelsfachwirt (145)

9. Fachinformatiker/-in Systemintegration (138)

10. Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel (129)

Orientierung bieten hält Matthias Thäle von der Stabsstelle für Sonderaufgaben beim DRK der Region Hannover in einem immer unübersichtlicher werdenden Arbeitsmarkt für wichtig. „Wenn jemand zu uns uns kommt und sagt, er möchte irgendetwas mit Medizin machen, können wir einiges anbieten“, sagt er. Der Markt Endspurt sei für das DRK ein Erfolg.

Kilian Cakmak, hier im Gespräch mit Nesrin Mattern vom Autohändler Hackerott, möchte sich im kaufmännischen Bereich ausbilden lassen.

Kilian Cakmak, hier im Gespräch mit Nesrin Mattern vom Autohändler Hackerott, möchte sich im kaufmännischen Bereich ausbilden lassen.

Der 22-jährige Kilian Cakmak strebt eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich an. „Gerne Industrie oder Groß- und Außenhandel. Auf eine bestimmte Branche bin ich nicht festgelegt“, erklärt er. Der Langenhagener sieht sich im Berufsbildungszentrum um und kommt so auch mit Nesrin Mattern ins Gespräch, die das Ausbildungswesen beim Autohändler Hackerott betreut. Die kann ihm auf die Schnelle nicht helfen, denn für dieses Jahr sind alle Lehrstellen der Firma besetzt.

Warum Hackerott trotzdem auf dem auf der Messe vertreten ist? „Wir können hier schon Kontakte für das nächste Jahr knüpfen“, sagt Mattern. Bis dahin, da sind sich alle Beteiligten ziemlich einig, wird sich an der Situation nichts ändern.

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