Assistenzarzt reanimiert ehemaligen Bürgermeister

Infarktpatient trifft seinen Lebensretter

Foto: "Ich habe diesem Mann mein Leben zu verdanken", sagt Hermann Heldermann (links) über Felix Nadrowitz.

"Ich habe diesem Mann mein Leben zu verdanken", sagt Hermann Heldermann (links) über Felix Nadrowitz.

Hannover. Zahlreiche Rippen sind gebrochen – aber Hermann Heldermann lebt. „Medizinisch ist es eigentlich fast ein Wunder, dass er am Leben ist“, sagt Mathias Gnielinski, ärztlicher Leiter im Krankenhaus Clementinenhaus in der List. Denn der frühere Gehrdener Bürgermeister musste, nachdem er bei einer Radtour in der Leinemasch einen Herzinfarkt erlitten hatte und vom Rad gefallen war, 40 Minuten lang am Leben gehalten werden. Dann erst kam der Rettungswagen – das Team hatte sich verfahren.

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40 Minuten lang starker Druck auf den Brustkorb, jede Sekunde etwa zwei Stöße. „Ich habe am nächsten Tag Muskeln gespürt, von denen ich kaum wusste, dass sie da sind“, sagt Lebensretter Felix Nadrowitz. Über die HAZ hatte Heldermanns Frau den jungen Mann gesucht, der nach erfolgreicher Reanimation verschwunden war – jetzt haben beide sich im Krankenhaus getroffen. Für Nadrowitz war es ein Wiedersehen, für Heldermann das erste bewusste Treffen. „Ich habe diesem Mann mein Leben zu verdanken“, sagt er.

Handgriffe sind aus dem Studium vertraut

Nadrowitz kannte Heldermann nicht, als er beim Radfahren an den Kiesteichen einen Pulk Menschen sah, der sich um einen am Boden Liegenden scharte. Aber dass keiner der Umstehenden Hilfe leisten konnte, war ihm schnell klar. Der 28-Jährige ist Assistenzarzt in der MHH-Klinik für Nephrologie (Nierenheilkunde). Aus dem Studium sind ihm die Handgriffe und Abläufe vertraut. „Ich habe allerdings erst zweimal Menschen reanimieren müssen – und das im klinischen Umfeld, nicht auf einem Spazierweg“, sagt Nadrowitz.

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Er machte das einzig Richtige: Als er feststellte, dass der Patient nicht reagierte, begann er mit der Herzmassage, forderte einen Passanten auf, unter 112 den Notarzt zu rufen, und einen zweiten, sich an die nächste Wegekreuzung zu stellen um den Rettungswagen zum Unfallort zu dirigieren.

Es sollte nach übereinstimmenden Zeugenberichten dennoch rund 40 Minuten dauern, bis der Rettungswagen eintraf: „Eine schier endlos lange Zeit“, sagt Ehefrau Stefanie Heldermann. „Ich hatte zwischendurch schon daran gezweifelt, dass der Patient eine Chance hat“, gibt Nadrowitz zu. Bei der Herzmassage wird so viel Druck ausgeübt, dass Blut ins Gehirn zirkuliert und es mit Sauerstoff versorgt – Stefanie Heldermann leistete die Mund-zu-Mund-Beatmung. „Aber der Patient zeigte keinerlei Reflexe, ich dachte, wir haben ihn verloren“, sagt Nadrowitz. Erst als die Rettungssanitäter Infusionen gelegt hatten, gab es plötzlich wieder Anzeichen von Leben. Nach etwa einer Stunde war der Notarzt da, anschließend kam Heldermann in das Lister Clementinenhaus. Auch dort gibt es ein modernes Herzkathederlabor mit angeschlossener Intensivstation. Offenbar trägt er keine bleibenden Schäden davon. „Das ist mit Sicherheit auch der guten, trainierten Kondition von Herrn Heldermann zu verdanken“, sagt Lebensretter Nadrowitz bescheiden.

Was tun bei Infarkt?

Wenn der Betroffene ohnmächtig ist, nicht auf Zurufen, Zwicken oder Kneifen reagiert und nicht normal atmet, raten Experten: Sofort mit der Herzmassage beginnen, und zwar etwa im Rhythmus moderater Popmusik. „Staying Alive“ von den Bee Gees ist hier eine beliebte Eselsbrücke. Im Clementinenhaus, Lützerodestraße 1, gibt es am 19. September eine öffentliche Infoaktion: Hermann Heldermann und sein Lebensretter werden dort auftreten und von ihren Erfahrungen berichten.

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