Alle Farben im Interview

"Eine Freundin wäre mir im Moment zu anstrengend"

"Techno ist mein Ding, aber ich kann's nicht die ganze Nacht": Star-DJ Alle Farben über seine Besuche im Berliner Berghain.

"Techno ist mein Ding, aber ich kann's nicht die ganze Nacht": Star-DJ Alle Farben über seine Besuche im Berliner Berghain.

Alle Farben heißt mit bürgerlichem Namen Frans Zimmer. Bekannt wurde der Musiker aus Kreuzberg durch Electro-Swing – und natürlich durch den fluffigen House-Hit „She Moves“. Er mache „Populärmusik auf elektronischer Basis“, sagt der 30-Jährige, der mehrfach in Hannover aufgelegt hat, zuletzt in der inzwischen geschlossenen Kiste am E-Damm. Auch wenn ihm die Stadt eigentlich etwas zu ruhig ist, war er auch privat hier: Eine Hannoverin hat den farbenfrohe Anzug geschneidert, den Alle Farben bei der letzten Echo-Gala trug.

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Frans, als Musiker bist du unter dem Künstlernamen Alle Farben bekannt geworden. Hast du eigentlich eine Lieblingsfarbe?

Ich mag gerne Farbkombinationen, zum Beispiel das Spektrum von einem kalten Gelb zu einem kalten Blau über Grün. Zusammengestellte kalte Farben finde ich überhaupt sehr schön.

Es heißt, dass du Farben nicht nur siehst, sondern dazu auch gleich einen Sound im Kopf hast ...

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Jein. Es ist eher andersrum: Ich kann Farben einem Sound zuordnen. Ich bin also weniger ein Synästhetiker als ein Ästhetiker.

In welchem Farbspektrum würdest du denn deine Musik ansiedeln?

Die ist relativ warm. Das neue Album hat auf jeden Fall viele Rottöne.

Wann hast du das mit den Farben denn zum ersten Mal gemerkt?

Ich habe mich mit beidem intensiv beschäftigt: Ich wollte Kunst studieren, da hab ich mich mit Malerei und Farblehre beschäftigt, mit der Bedeutung von Farben und wie sie auf Menschen wirken. Und dasselbe kann ich über Musik sagen. So kann ich das schlüssig zusammenbringen. Wenn ich ein Lied in Moll höre, dann kann ich Blautöne sehen. Das kommt mir ganz normal vor, auch wenn es vielleicht nicht jeder so kann.

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Was möchtest du denn mit deinen Songs bei den Zuhörern auslösen?

Die Leute sollen dazu tanzen! Das meiste ist ja sehr fröhlich, sehr sommerlich. Man kann Leute zwar auch mit einem melancholischen Stück glücklich machen, aber ich find es schön, wenn sie beim Hören lachen.
Wie fühlt es sich an, wenn 30 000 Leute vor der Bühne zu deiner Musik tanzen, wie 2012 bei deinem ersten großen Auftritt auf dem Tempelhofer Feld in Berlin?
Ganz ehrlich: Ab 7000 Leuten macht es keinen Unterschied mehr, wie viele vor der Bühne stehen. Bei so vielen Leuten hast du immer das Gefühl, dass sie sich bewegen – auch wenn du die Musik mal runterfährst.

Findest du es dann überhaupt noch spannend, in kleinen Clubs aufzutreten?

Mir ist Feedback sehr wichtig. Wenn du vor wenigen Leuten spielst, siehst du direkt die Reaktionen in den Gesichtern. Ich hab von meinen neuen Songs schon Edits, also längere Versionen erstellt, um sie zu testen. Drei-Minuten-Tracks machen im Club ja keinen Sinn.

Du hast ein Faible für klassische Musik, haben dir das deine Eltern mitgegeben?

Stimmt, gestern erst hab ich mein Set mit Tschaikowskys „Danse“ beendet. Aber von meinen Eltern hab ich das nicht: Die haben eher Hendrix und James Brown gehört. Ich hab Klassik selbst für mich entdeckt.

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Hast du deshalb auch wieder so viele Instrumente im Studio aufgenommen?

Ja. Es sind aber auch Samples dabei, denn wenn ich ein Klavier brauche, um die Songs etwas fetter zu machen, muss es nicht live eingespielt sein. Aber wenn ein Gitarrist ins Studio kommt, um Hooks einzuspielen, bringt der eigene Ideen rein. Das klingt natürlicher, da sind dann auch kleine Fehler drin. Aus der Dose ist es vielleicht sauberer, aber ich will diese Live-Energie haben. Ich hab auch gerne Musiker auf der Bühne. Mit Graham Candy hab ich das gemacht, mit Michael Schulte, der drei Lieder gesungen hat, mache ich das jetzt auch wieder.

Wie läuft das Schreiben der Songs? Hast du die Melodie vorab schon im Kopf?

Das ist ganz unterschiedlich. Beim neuen Album hab ich viel mit Songwritern zusammengearbeitet. Ich treffen mich mit meinem Produzenten oder mit Sängern zum Jammen, zum Beispiel mit Michael Schulte, der die neuen Songs mitgeschrieben hat. Ich kann keine Gitarre spielen, aber es ist schön mit Leuten wie ihm zu arbeiten, die es können. Ich hab dann Synthesizer am Start und beschränke mich auf eine Palette an Sounds: Ich will dann einen bestimmen Kick oder Percussions haben. Oder auch mal ein Hackbrett – auch wenn das dann doch nicht auf dem Album gelandet ist.

Bist du eigentlich ein Klang-Archäologe, der gerne entlegene Sounds sucht?

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Auf dem neuen Song „Metaphysik II“ sind zum Beispiel verhallte Vocal-Samples zu hören, die aus „Metaphysik der Röhren“ von meinem ersten Album stammen. Ich nehme mir aber nicht so viel Zeit für neue Songs wie zum Beispiel "Moderat". Da man fast das ganze Jahr über touren kann, bin ich auch fast das ganze Jahr über auf Tour.

Deine Vorab-Single heißt "Please Tell Rosie": Wer ist denn diese Rosie, der man sagen soll, dass du erst einmal weg bist?
Wir haben schon überlegt, T-Shirts zu machen auf denen "Who the fuck is Rosie?" steht. Sie ist ein Sinnbild. Rosy steht für Person X, die ich nicht habe – für die Freundin. Das Lied ist glücklich und traurig zugleich, was mein Leben umschreibt. Für meine Passion muss ich auch was aufgeben.

Was denn zum Beispiel?
Eine Beziehung zu haben. Es wär vielleicht möglich, aber es ist so unglaublich anstrengend, dass ich es zeitweise aufgegeben habe. Dafür habe ich die Musik – was für mich okay ist.

Gehst du eigentlich privat auch noch gerne in Clubs?

Wenn ich mal frei habe, treffe ich gerne Freunde – und gehe dann mit denen los. Am liebsten ins Berghain in Berlin.

Wegen der legendären Anlage?

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Wegen der Anonymität. Da werde ich zwar auch angequatscht, aber woanders kann ich gleich ne Fotostunde machen. Den Berghain-Sound hör ich mir gerne an, aber auch nicht länger als ein, zwei Stunden, dann brauch ich ne Pause. Techno ist mein Ding, aber ich kann’s nicht die ganze Nacht.

Das Album "Music Is My Best Friend" von Alle Farben erscheint am Freitag, 3. Juni.

Interview: Karsten Röhrbein

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