Neue Stadtteil-Statistik

Ist es in Mühlenberg wirklich so unsicher?

"Es wird immer unsicherer": Mühlenberg.

"Es wird immer unsicherer": Mühlenberg.

Hannover. Auf dem Mühlenberger Markt ist es schwierig Leute zu finden, die über ihr Sicherheitsempfinden sprechen möchten. Die Schule ist gerade aus, viele Jugendliche laufen zur Bahn- oder Bushaltestelle, und unterhalten sich dabei in einem Ton, der mit schroff noch freundlich beschrieben ist.

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Die Umfrage der Stadt besagt, dass sich die Mühlenberger besonders unsicher fühlen. „Ich kann das Ergebnis der Umfrage total bestätigen. Ich habe immer Angst, und das besonders um meine Kinder“, sagt Daniela Petersen. Die Mutter von fünf Kindern geht nicht gerne mit ihnen auf den Spielplatz, denn dort gibt es regelmäßig Konflikte zwischen Eltern. „Wenn meine Kinder alleine unterwegs sind, habe ich immer Angst, dass ihnen etwas zustößt“, sagt sie. „Hier herrscht einfach eine hohe Gewaltbereitschaft.“

In keinem anderen Stadtteil haben die Menschen abends mehr Angst als in Mühlenberg. 52 Prozent der Befragten in der repräsentativen Studie der Stadt geben an, dass sie sich "eher unsicher" fühlen, 13 Prozent meinen sogar, dass sie das Viertel als "sehr unsicher" empfinden. Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD) ist der Ansicht, dass in Mühlenberg diese gefühlte Lage nicht mit den Fakten übereinstimmt. "Die Polizei berichtet mir regelmäßig, und es gibt keine besonderen Auffälligkeiten", sagt Markurth. Banden, die nicht aus dem Viertel stammten, verübten manchmal Einbrüche. Auch gebe es Plätze, auf denen Drogen gehandelt werden. "Aber die Polizei hat die Lage im Griff", sagt der Bezirksbürgermeister. Eine Statistik für den Stadtteil liefert die Polizei auf Anfrage nicht.

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Dennoch räumt der Bezirksbürgermeister ein, dass sich etwas ändern muss im Viertel, um den Menschen die Angst zu nehmen. „Es gibt zu viele dunkle Ecken, wir müssen besser ausleuchten“, sagt er. Im Sommer sollten Büsche häufiger beschnitten werden, damit alles übersichtlicher bleibt. Die Polizei solle noch mehr informieren. „Neubauten dürfen nicht verwinkelt angelegt werden“, sagt Markurth.

Fabian Adomat kann die Sorgen nicht verstehen. „Ich mache mir bisher keine Gedanken über die Sicherheit, und auch die frühe Dunkelheit ist für mich kein Problem“, sagt Adomat, der erst seit Kurzem im Stadtteil wohnt. „Dann bist du noch nicht lange hier“, sagt Normen Lindner, der zufällig vorbeikommt. Er lebt seit 31 Jahren hier, und sein Sicherheitsempfinden hat sich in den letzten Jahren stark verändert. „Ich fühle mich hier wohl und kenne viele Leute. Gleichzeitig wird es meinem Empfinden nach immer unsicherer.“ Gerade Frauen sollten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der Straße unterwegs sein, meint er. „Und den Canarisweg meide ich immer - egal, ob Tag oder Nacht.“

Nächster Teil: Warum sich die Südstädter so sicher fühlen

Von Andreas Schinkel 
und Julia Polley

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