Kommentar

Ist Hannover nicht die schönste Stadt Deutschlands?

Foto: So schön kann Hannover sein.

So schön kann Hannover sein.

Hannover. Wer in Köln im Fußballstadion sitzt, in Erwartung eines Spiels des örtlichen FC gegen die Zweitligakonkurrenz aus Sandhausen oder Regensburg, wird vom Stadionsprecher mit folgendem ernst gemeinten Satz empfangen: „Wir begrüßen unsere Gäste in der schönsten Stadt Deutschlands.“ Punkt. Darüber diskutiert der Kölner nicht. Obwohl er sehr wohl weiß, dass es einiges zu diskutieren gäbe.

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In Hannover würden sich nicht viele einen solchen Satz öffentlich zu sagen trauen. Stattdessen hat man sich auch in diesem Jahr wieder tief über verschiedene Studien gebeugt. Im September etwa über den „Glücksatlas“ des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, der ergab, dass die Hannoveraner nach den Menschen in Hamburg, Düsseldorf und Dresden die viertglücklichsten in Deutschland sind. Ein Jahr zuvor hatten die Bewohner der niedersächsischen Landeshauptstadt gelernt, dass sie in der lautesten Stadt Deutschlands leben. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik schwor Stein und Bein darauf. Was bleibt, ist die Frage, wie um Himmels Willen derart lärmgeplagte Menschen so glücklich sein können.

Im März schon hatte die Stadtverwaltung ihre hausgemachte Zufriedenheitsstudie vorgelegt. Das Ergebnis, kurz gefasst: doll! Der Anteil der Hochzufriedenen sei innerhalb von drei Jahren um fünf Prozent gestiegen, teilte ein stolzer Oberbürgermeister mit. Gründe zur Unzufriedenheit lieferten hauptsächlich Straßenbaustellen, Schlaglöcher, Obdachlose und Ausländer.

Was fängt man nun mit so etwas an? Oder anders gefragt: Wie glücklich oder unglücklich muss der Umstand machen, nun ausgerechnet Hannoveraner zu sein?

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Eine Zusammenfassung der harten Fakten würde wohl in etwa dieses ergeben: Hannover wird seit etlichen Jahrzehnten ordentlich regiert. Weder sind, wie in Köln, unter Aufwendung von Schmiergeldern unnütze Müllverbrennungsanlagen gebaut worden, noch sind im Zuge von U-Bahn-Bauten Archive im Erdreich versackt. Dass die faktische Unabwählbarkeit von Rot-Grün hier und da zu fragwürdigen Entscheidungen führt, ist beinahe zwangsläufige Folge ausbleibender Regierungswechsel. So werden Dezernentenposten, OB-Kandidaturen und Frauenbeauftragtenstellen eben im Hinterzimmer ausgehandelt. Die Kritik daran bleibt zu keinem geringen Teil auch an einer schwachen Opposition kleben.

Abseits der Politik gilt: Zwar hat Hannover nicht das Flair von Hamburg oder München, dafür kann sich in Niedersachsens Landeshauptstadt auch der Normalverdiener eine schicke Vierzimmerwohnung leisten. Verschiedene Universitäten locken junge Talente an. Manche davon bleiben der Stadt erhalten – nicht nur dank einiger florierender Großunternehmen. Gleichzeitig muss die Stadt aufpassen, dass verschiedene Viertel nicht den Anschluss verlieren. Die werden in den verschiedenen Atlanten der Glückseligkeit stets rot eingefärbt, und manche werden immer roter.

Was noch? Hannover rühmt sich zu recht seiner Grünflächen, das kennen wir schon. Es hat 96, die Handballer aus Burgdorf und die Eishockey-Skorpione, die abwechselnd reüssieren. Es hat sich mit einer gewissen Bockigkeit der Rocker der Hells Angels weitgehend entledigt und zeigt Neonazis in schöner Regelmäßigkeit die kalte Schulter. Das alles muss nicht gleich glücklich machen, kann einen aber durchaus frohgemut stimmen.

Auf der anderen Seite wird Hannover manches nie sein. Eine Touristenmetropole zum Beispiel, allen Gärten, Schlössern und Zoos zum Trotz. Hannovers Innenstadt wird sich auch mit neuem Kröpcke-Center keinem Weltreisenden nachhaltig einprägen. Das Kulturangebot der Stadt ist ordentlich, aber nicht zu vergleichen mit dem von Metropolen wie Hamburg oder Berlin. Potzblitz.

Und nun? Der Blick auf die Platzierung der eigenen Heimatstadt im Ranking ist immer auch der kritische Umgang mit eigenen Lebensentscheidungen. Hätte ich nicht doch umziehen sollen, damals, als die Chance noch da war? An die Elbe, an die Spree oder an den Alpenrand, wo die High Society zu Hause ist und das Big Business?

Der Hannoveraner ist kein Rheinländer, und das ist gut so. Aber manches Mal täte ihm ein Scheibchen der rheinischen Mentalität nicht schlecht. Natürlich weiß der Kölner, dass seine Stadt nicht ohne Schwächen ist. Aber es ist seine Stadt. Mit der ist er glücklich. Dass es auch andere gibt? Mag sein.

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Wir werden sie weiter lesen, die Studien über Glück, Krach, Licht und Luft. Und am Ende wissen, was wir vorher wussten: Hannover bietet jedem die Gelegenheit, glücklich zu sein. Und viele nutzen sie schon lange..

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