Vermisste Kinder

Mit der Mutter verschwunden: Polizei sucht Antonio aus Hannover

Seit einem Jahr vermisst: Antonio G. (12) aus Hannover. Seine Mutter Franziska T. (35) hat ihren Sohn nach einem Urlaub nicht dem Vater übergeben.

Seit einem Jahr vermisst: Antonio G. (12) aus Hannover. Seine Mutter Franziska T. (35) hat ihren Sohn nach einem Urlaub nicht dem Vater übergeben.

Hannover. Fabio G. wartet seit einem Jahr auf ein Lebenszeichen seines Sohnes Antonio. Seit dem 2. September 2021 ist der Junge aus Hannover-Vahrenwald verschwunden. Jeden Tag quält den Vater die Ungewissheit über das Schicksal des mittlerweile Zwölfjährigen. Antonio ist mit seiner Mutter, Franziska T. (35), nicht aus dem Urlaub zurückgekehrt. Beide gelten als vermisst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fabio G. und Franziska T. sind seit 2015 geschieden, es gab einen Sorgerechtsstreit. Er hat Anzeige wegen Kindesentzug erstattet. Die Polizei geht von einer „Gefährdung für Leib und Leben“ des Jungen aus.

1294 Menschen in Niedersachsen gelten als vermisst

Aktuell gelten 205 Kinder (bis 13 Jahre) laut Landeskriminalamt (LKA) in Niedersachsen als verschollen. Bei den Jugendlichen (bis 17 Jahre) sind es 420. Insgesamt werden 1294 Menschen als vermisst geführt, davon 310 aus diesem Jahr.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In den allermeisten Fällen klären sich die Vermisstenfälle sehr schnell auf. Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind 50 Prozent der Fälle innerhalb einer Woche geklärt, innerhalb eines Monats 80 Prozent. Die Aufklärungsquote bei Kindern und Jugendlichen (bis 13 Jahren) liegt bei 97 Prozent. Gerade bei den Jugendlichen ist die Zahl der Vermissten sehr hoch. Im Durchschnitt sind es bundesweit pro Jahr 78.700 Menschen zwischen 14 und 17 Jahren.

Schnell und ehrlich die Polizei informieren

„Im Bereich der Kinder und Jugendlichen kommen viele aus problematischen Verhältnissen, die aus Wohngruppen ausreißen“, sagt Fritz Raimund Schael, Erster Hauptkommissar. Laut BKA sind seit 1957 etwa 1600 Kinder unauffindbar verschollen. Mehr als die Hälfte von ihnen werden zu den unbegleiteten Flüchtlingen oder Dauerausreißern gezählt.

Bei Erwachsenen schaltet sich die Polizei nur ein, wenn sie ihren gewohnten Lebensbereich verlassen, unbekannten Aufenthalts sind, und es muss eine Gefahr für Leib und Leben vorliegen. Verschwinden Kinder und Jugendliche, schreiten die Sicherheitsbehörden sofort ein.

„Die ersten Tage sind die wichtigsten. Was wir dann versäumt haben, ist schwer aufzuholen“, sagt Experte Schael. Häufig benötigen Vermisste dringend Medikamente oder befinden sich in einer anderen Notlage. Aus Erfahrung kann der Erste Polizeihauptkommissar sagen: „Wir müssen frühzeitig und ehrlich informiert werden.“ Er kennt Fälle, in denen haben Eltern über ihre Erziehungsprobleme geschwiegen – aus Scham. Doch ihre Kinder waren abgetaucht, weil sie ihren Freiheitsdrang ausleben wollte. Eine wichtige Information, um den Aufenthaltsort der Vermissten zu ermitteln.

Polizei ortet das Handy von Vermissten

Auch rechtliche Probleme erschweren manchmal das Auffinden von Menschen. „Um Chatverläufe einsehen zu können, brauchen wir einen richterlichen Beschluss“, sagt Schael. Er erinnert sich an den Fall einer 14-Jährigen. Die Polizei wollte ihre Einträge bei Facebook verfolgen, um Hinweise auf ihren Aufenthaltsort zu erhalten. „Aus Datenschutzgründen haben wir keinen richterlichen Beschluss bekommen“, sagt der Ermittler.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Früher galt der richterliche Vorbehalt auch für die Handyortung von Vermissten. Seit einer Änderung des Polizeigesetzes ist das nicht mehr nötig. Aber je nach Größe der Funkzelle gebe dieses technische Hilfsmittel häufig nur einen sehr ungefähren Standort wieder. „Aber es hilft uns beim Einsatz von Suchhunden“, sagt Schael.

Etwas irritiert aber auch den erfahrenen Ermittler. Laut BKA sind zwei Drittel der Vermissten männlich. „Darauf habe ich keine Antwort. Vielleicht verfügen Frauen und Mädchen über bessere Konfliktlösungsmöglichkeiten“, vermutet der Polizeibeamte.

Lesen Sie auch

Ein besonderes Problem stellen demenzkranke Menschen dar. „Sie sind schwer zu finden, weil sie an Orte in ihrer Vorstellung gehen. Und es kommt vor, dass die Angehörigen nicht genau über den Gesundheitszustand der Vermissten Bescheid wissen“, sagt Schael. Er erinnert sich an einen Fall vor ein paar Jahren in Burgdorf. Ein etwa 80-Jähriger war verschwunden. Völlig orientierungslos und verwirrt, wurde er von der Polizei in Itzehoe (Schleswig-Holstein) aufgegriffen. Er hatte keine Ahnung, wie er die mehr als 200 Kilometer lange Strecke mit dem Auto zurückgelegt hatte. Seine Angehörigen hatten laut des Ermittlers keine Ahnung von seiner Demenz.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Thomas Nagel und Manuel Behrens

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen