Hannoversches Traditionsunternehmen

Juwelier Schrader gibt 
nach 114 Jahren auf

Der Einzelhandelskaufmann hatte das Unternehmen, das einst sein Urgroßvater Ludwig Schrader unter dem Namen „Louis Schrader“ gegründet hatte, in vierter Generation geführt. Als Grund für die Geschäftsaufgabe nennt der 43-Jährige den störenden Betrieb auf der Großbaustelle des Kröpcke-Centers. „Seit dem Baustart habe ich Umsatzrückgänge von bis zu 40 Prozent“, sagt Schrader. Schwarze Zahlen habe er nicht mehr schreiben können.

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Für den Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Cafés Kröpcke, Klaus Ferchland, kam die Entscheidung überraschend. Erst vor wenigen Tagen habe Schrader um die Auflösung des Mietvertrages zum Jahresende gebeten, sagte er. Interessenten für die rund 100 Quadratmeter große Verkaufsfläche gebe es bereits. Laut Ferchland will die Betreibergesellschaft in Ruhe alle Angebote prüfen. Einen Leerstand werde es vermutlich nicht geben. Denkbar als neue Mieter seien sowohl inhabergeführte Geschäfte als auch Filialen internationaler Ketten. „Es steht fest, dass hier kein billiger Jakob einzieht“, sagt Ferchland.

Andere Anlieger am Kröpcke vermuten indes andere Ursachen für die Aufgabe Schraders. Es sei kein Geheimnis, dass die Geschäfte der Juwelierbranche schwieriger geworden seien, heißt es. Zwar beklagen einige andere Kröpcke-Anlieger ebenfalls Umsatzrückgänge, allerdings beträfen diese besonders Segmente, die stark von Laufkundschaft abhängig seien. „Das ist bei so hochwertiger Ware wie bei einem Juwelier eigentlich nicht der Fall“, sagt ein Branchenkenner.

Juwelier Schrader zählt zu den wenigen noch familiengeführten Geschäften der Stadt. 1896 hatte Gründer Ludwig Schrader mit dem Verkauf von Knöpfen und anderen Gemischtwaren in der Nordmannpassage begonnen. Der Geschäftsmann, den seine Freunde stets „Ludchen“ nannten, wählte den damals als wohlklingender empfundenen Vornamen „Louis“. Sein Sohn Hermann nahm die Geschäfte unter diesem Namen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Anfang der fünfziger Jahre eröffnete er in der Georgstraße 50 ein Juweliergeschäft, eine weitere Filiale wurde vor 26 Jahren am Kröpcke eröffnet. Beide Geschäfte wurden schließlich von Hermann Schraders Sohn Jürgen weitergeführt. Das Geschäft in der Georgstraße 50 schloss 2005. Ende des Jahres wird nun auch die letzte Filiale der Juweliersfamilie Geschichte sein.

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Dirk Schrader will sich künftig voraussichtlich in einer anderen Branche betätigen. Auch einen Abschied aus Hannover schließt er nicht aus. „Ich habe Pläne, die aber zurzeit noch nicht spruchreif sind“, sagt er.

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