Restaurant „Teichhûs“

Kein Anglerlatein

Bei Koch und Inhaber Maximilian Schröer im „Teichhûs“ geht es freundlich und familiär zu – und das Essen schmeckt.

Bei Koch und Inhaber Maximilian Schröer im „Teichhûs“ geht es freundlich und familiär zu – und das Essen schmeckt.

Hannover. Aber wer erst einmal die Glastür geöffnet hat, der fühlt sich rasch wohl, denn aus den einstigen Wülfeler Teichterrassen ist ein schnuckeliger Platz geworden.

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Eine Schrankwand voller Pokale, eine lange Angelrute an der Wand und der präparierte Kopf eines Fisches, der Anno 1959 stolze 107 cm gemessen haben soll, sind Beleg dafür, dass die Angler hier noch immer zu Hause sind. Und die zufriedenen Gäste an den Nebentischen zeigen, wie sehr sich auch Nicht-Petrijünger hier heimisch fühlen. Helle Farben, gemütliche Kissen, netter Tischschmuck und in der Mitte ein Holztisch, auf dem sich hausgemachte Kuchen präsentieren. Einige Standardgerichte sind an der Wand notiert, Tagesangebote auf einer Tafel zu lesen.

Zum Auftakt gibt es reichlich Brot mit angenehmem Kräuterquark: Man muss nicht die veröffentlichte Liste der Hoflieferanten lesen, um zu wissen, dass hier Bäcker Gaues am Werk war. Gastwirt Maximilian Schröer hat in Ekkehard Reimanns „Clichy“ gelernt, aber für sein eigenes Restaurant eher die Küchenidee von „Reimann’s Eck“ (oder dessen „Röhrbein“) übernommen. Doch ausgerechnet eine Spezialität aus der Reimann-Schule erweist sich hier als Enttäuschung: „Oma Renate’s Rinderroulade“(12,80 Euro) - sie bleibt aber gottlob die Einzige. Das Fleisch ist zäh und an einer Stelle auch etwas angebrannt, das Apfelrotkraut ist sehr würzig, das hausgemachte Kartoffelpürree ordentlich. Nur wäre das alles auf einem flachen Teller viel einfacher zu essen gewesen. Die geschmorte Ochsenbacke mit (sehr gutem, aber knapp bemessenem) Rahmwirsing und Bratkartoffeln (14,80 Euro) war schön mürb, die extrem krossen Bartratkartoffeln trugen allerdings deutliche Brandwunden . Die Bratkartoffeln werden hier offenbar immer (mit mehr oder minder großer Sorgfalt) Scheibe für Scheibe gold- bis dunkelbraun gebraten; das schmeckt nicht jedem, kann für Bratkartoffelfans aber eine Versuchung sein. Meiner Begleiterin waren sie bei einem anderen Besuch allerdings zu dunkel und zu fett. Und die „Matjes nach Hausfrauenart“ (8,90 Euro) hatte sich die Hausfrau an meiner Seite auch etwas anders vorgestellt, nämlich eingelegt in eine sauersahnigen Sauce mit Zwiebeln und Äpfeln. Die wird hier in einer Krone aus etwas öligen Matjes aufgetragen. Diese sind aber so gut, wie sie jenseits der eigentlichen Matjeszeit sein können.

Aus der Abteilung „urig“ versuche ich die Currywurst mit Pommes (5,50 Euro). Auch wenn ich kein Currywurstexperte bin, die hier macht Spaß, die Pommes sind knusprig, die Sauce chanchiert zwischen Süße und Schärfe.

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Die Küche kann und will nicht nur Bodenständiges, wie wir bei unserem ersten Besuch kurz vor Weihnachten erlebten. Das Vitello Tonnato (7,90 Euro) etwa ist hier ein rosa gebratener Kalbstafelspitz, die Sauce wird eher von Tomaten als vom Tonno bestimmt, zumal die Sardellenverzierung den Thunfisch übertönt. Aber das sieht nicht nur gut aus,es schmeckt auch so.

Kabeljaufilet auf der Haut zu braten (16,80 Euro) ist nicht ohne Risiko - für den Gast und den Koch, zumal der Fisch hier offenbar noch kurz unter dem Salamander aufgeheizt wurde. Aber das schmeckt, dazu gibt es reichlich Wurzelgemüse und Petersilienkartoffel und nicht ganz so üppig Sahnespitzkohl und die sehr gute Senfsauce. War die Fischportion eher übersichtlich, so geriet das Kalbscarree (17,90 Euro) um so üppiger. Das dicke Kotelett war knapp rosa gebraten, saftig und zart, als Beilage gibt es zum Rahmspitzkohl Risolekartoffeln und ein originelles Süßkartoffelpürree.

Einmal haben wir es zu einem Dessert geschafft. Die Dessertvariationen (6 Euro) kommen in drei kleinen Einmachgläsern auf den Tisch; die Schokocreme war verbesserungsfähig (aber daran hatte sich, wie wir erfuhren, eine Nachwuchskraft in der Küche erstmals versucht), die Panna Cotta war etwas fest - und die Crême brulé gelungen.

Der Service ist freundlich bis familiär, die Weinkarte nicht üppig, aber durchaus originell: Mit dem badischen Grauburgunder (0,2 l für 4,50 Euro) macht man nichts falsch, der fränkische Silvaner vom Würzburger Juliusspital (4,90 Euro) hat noch etwas mehr Wums. Und für alle, die glauben, dass Fisch schwimmen und der Angler schlucken muss, gibt es auch ein seriöses „Köpi“ (0,3 l für 2,50 Euro).

P.S. Wir haben uns die Teichterrassen auch noch im fastfrühlingshaften Licht angesehen: Das muss bei Sonne und lauem Wetter ein schöner Platz sein. Wer zynisch erwidert, dass man eine Aussicht nicht essen könne, muss hier dennoch nicht darben.

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