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Früherer MHH-Mitarbeiter

Kinderschänder legt Geständnis ab

Foto: Der wegen des Missbrauchs von rund 20 Jungen angeklagter Kinderarz im Strafjustizzentrum Augsburg zwischen seinen Anwälten Ralf Schönauer (l) und Moritz Bode.

Der wegen des Missbrauchs von rund 20 Jungen angeklagter Kinderarz im Strafjustizzentrum Augsburg zwischen seinen Anwälten Ralf Schönauer (l) und Moritz Bode.

Augsburg.Der angeklagte Augsburger Kinderarzt Harry S. hat zum Auftakt des Prozesses wegen Kindesmissbrauchs ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er sei zu der Einsicht gelangt, „dass der einzige Weg, mit meinen Taten umzugehen, ist, diese vollständig einzuräumen“, sagte der 40-Jährige, der zuletzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig war.

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Ab dem Jahr 1998 bis zu seiner Festnahme vor gut einem Jahr soll er 21 Jungen ab fünf Jahren missbraucht haben. Aufgeflogen war er, nachdem er im Sommer 2014 in Garbsen den fünfjährigen Jayden entführt, betäubt, in seine hannoversche Wohnung verschleppt und dort missbraucht hatte. Danach setzte er das weinende und benommene Kind wieder aus. Im Zuge der bundesweiten Ermittlungen kam die Polizei Harry S. zwei Monate später auf die Schliche und nahm ihn in Augsburg fest.

Dem Kinder-Intensivmediziner wird von der Staatsanwaltschaft am Landgericht Augsburg unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Kinderpornografie vorgeworfen. Die Verlesung der in der Anklage gesammelten umfassenden Vorwürfe gegen ihn dauerte etwa zwei Stunden. Zu der Anklage zählten die einzelnen Missbrauchstaten sowie die Dokumentation der von S. teils selbst beim Missbrauch angefertigten Bilder und Videofilme. Ferner wurden bei ihm andere kinderpornografische Bilder gefunden.

„Die Daten, die in der Anklage wiedergegeben sind, treffen so zu“, sagte S. Eine Entschuldigung für seine Vergehen gebe es nicht. „Ich kann nur um Vergebung bitten“, sagte er unter Tränen. Seinem Geständnis zufolge sieht sich S. selbst als pädophil an. Er habe etwa ab dem 17. Lebensjahr einen immer stärkeren sexuellen Drang zu kleinen Jungen verspürt. Nachdem er diesen zunächst über kinderpornografische Bilder aus dem Internet befriedigt habe, habe er sich wie in einer „Spirale“ immer weiter in seine Sexualverbrechen hineinbewegt.

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Der hauptberuflich an Kliniken in Bayern und Hannover und ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz tätige S. soll sich in Augsburg, Nürnberg, München und Hannover an Kindern vergangen haben. Dabei soll er seine Opfer zum Teil betäubt haben, um sie wehrlos zu machen und ihre Erinnerung zu löschen. Mehrfach hat S. laut Anklage Jungen unter einem Vorwand in Häuser gelockt und dann missbraucht. Dabei soll er seine Opfer mit Geld oder dem Versprechen von Spielzeug angelockt haben.

Im Gerichtsaal beteuerte S., nie im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit Patienten missbraucht zu haben. Er habe seine Neigungen dabei nie ausgelebt, ja, sie nicht einmal verspürt. Seinen Wechsel vom Augsburger Uni-Klinikum an die MHH erklärte er damit, in Augsburg trotz Anerkennung im Beruf unzufrieden gewesen zu sein. Auch der Versuch, eine Familie zu gründen, sei gescheitert. Da sei ihm das attraktive Angebot aus Hannover gerade recht gekommen.

Viele seiner früheren Opfer haben erst von den bei dem Kinderarzt gefundenen Bildern von den Missbrauchsfällen Kenntnis bekommen. Durch die Betäubungsmittel hatten sie keine Erinnerung an die Vergehen. Die großen Mengen an Kinderpornodateien erklärt Harry S. damit, dass er einfach immer weiter gesucht und heruntergeladen habe. Später habe er die Fotos und Videos stundenlang sortiert.

Mit dem umfassenden Geständnis könnte S. den Opfern nun eine Zeugenaussage ersparen und das ursprünglich bis März angesetzte Verfahren deutlich verkürzt werden. S. droht außer einer langen Haftstrafe auch Sicherungsverwahrung.

Von Holger Sabinsky-Wolf
und Jörg Heinzle

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