Ausgrabungen an der Leinemauer

Klein-Venedig an der Leine

Im abgesackten Holzfundament liegt denn auch die Ursache für die Mauerschäden und damit der Anlass für die gesamten Grabungsarbeiten.

Im abgesackten Holzfundament liegt denn auch die Ursache für die Mauerschäden und damit der Anlass für die gesamten Grabungsarbeiten.

Hannover . Bei ihren Grabungen an der historischen Leinemauer nähern sich die Archäologen jetzt dem tiefsten Punkt. Mehr als sechs Meter unterhalb des Straßenniveaus haben die Forscher die Holzfundamente der Ufermauer freigelegt. Ihre Erbauer hatten einst dicke Eichenpfähle bis zu drei Meter tief in die Erde gerammt und mächtige Bohlen verlegt. Darauf ruhten die Steinquader der Ufermauer. „Genauso ist Venedig erbaut worden“, sagt Friedrich-Wilhelm Wulf, Archäologe beim niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im abgesackten Holzfundament liegt denn auch die Ursache für die Mauerschäden und damit der Anlass für die gesamten Grabungsarbeiten. Denn Ziel der Buddelei ist es, die bröckelnde und sich bedenklich über den Fluss neigende Ufermauer zu stabilisieren. „Dazu müssen wir die Holzteile komplett abtragen“, sagt Wulf. Zu überlegen sei, welche Pfähle und Balken konserviert und möglicherweise ausgestellt werden. Auch den Bau eines Modells der Ufermauer im Maßstab 1:20 will Wulf nicht ausschließen.

So bleibt zunächst der einmalige Blick in die frühe Baugeschichte der Leineinsel. Grabungsleiter Kai Gößner unterscheidet vier Konstruktionsabschnitte der Leinemauer. „Sie alle zeichnen sich durch unterschiedliche handwerkliche Techniken aus und umfassen zusammen einen Zeitraum von 200 Jahren“, erklärt Gößner. Deutlich erkennbar sei, dass manche Balken aus dem Holzgerüst zuvor ihren Dienst in Fachwerkhäusern taten. Ein Göttinger Labor soll jetzt einzelne Holzstücke untersuchen, um das exakte Alter festzustellen. „Wir schätzen aber, dass die Hölzer aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammen“, sagt der Mann von der Denkmalbehörde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Einige der metertief in den Boden gerammten Stützpfähle ragen ins Nichts, sie haben keinen Kontakt mehr zu den Steinquadern der Mauer. „Das zeigt, wie stark die Mauer zur Wasserseite hin abgekippt ist“, sagt Gößner. Bis zu 45 Grad sei die Uferbefestigung aus dem Lot geraten, schätzt der Grabungsleiter. Das soll sich jetzt ändern.

„Die neue Stützkonstruktion für die Mauer kann nicht mehr aus Holz bestehen“, sagt der städtische Projektleiter Stefan Knuffmann. Statt der historischen Eichenbalken werde man folglich ein Korsett für die Mauer aus Stahlbeton fertigen. Fast alle der zuvor sorgfältig abgetragenen Natursteine der Mauer sollen aber wieder eingesetzt werden, sodass die Befestigung ihren alten Charakter behält. Bis November, so schätzt Knuffmann, erforschen die Archäologen noch das Erdreich, dann dürften die Grabungen abgeschlossen sein. Noch ist nicht der gesamte, 70 Meter lange Abschnitt der Mauer ausgekoffert.

Projektleiter Knuffmann hofft, die gesamten Bauarbeiten im Sommer kommenden Jahres abschließen zu können. Ein paar Unwägbarkeiten bleiben, denn das neue Fundament wird voraussichtlich zu Beginn des Winters gegossen. „Da kann es Verzögerungen durch Frost geben“, sagt Knuffmann. Im Frühjahr 2015 sollte die neue Mauer aber stehen, danach muss die Grube verfüllt, der Parkplatz am Leibnizufer wieder hergerichtet werden. 2,3 Millionen Euro lässt sich die Stadt das gesamte Projekt kosten.

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen