Kein Empfang für Handys

Klinikum Siloah wird zum Funkloch

Der Eingang zum Funkloch: Das Portal am Neubau sieht schon schick aus. Wer telefonieren will, muss nach draußen gehen.Foto: Körner

Der Eingang zum Funkloch: Das Portal am Neubau sieht schon schick aus. Wer telefonieren will, muss nach draußen gehen.Foto: Körner

Hannover. Das Haus in Linden-Süd an der Ihme ist vollgepackt mit modernster Medizintechnik. 192,5 Millionen Euro wird die hochtechnisierte Klinik voraussichtlich kosten. Aber auf eine bestimmte Technik müssen Patienten, Besucher und Mitarbeiter verzichten: Der Handy-Empfang wird in großen Teilen des Gebäudes nicht funktionieren. Das Thema hatte Verärgerung in der Mitarbeiterschaft ausgelöst: Vor allem Eltern unter den Bediensteten haben Sorge, dass sie während ihrer Schichtdienste für Kinder nicht mehr erreichbar sein werden - ein Problem mit besonderer Dimension insbesondere für alleinerziehende Mütter, von denen viele als Schwestern im Klinikum arbeiten.

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Klinikumssprecher Bernhard Koch betonte gestern, dass jetzt eine Ausschreibung für einen Mobilfunkverstärker gestartet wurde, der den Handy-Empfang im Neubau sicherstellen soll. Im kommenden Jahr solle entschieden werden, welches Unternehmen den Zuschlag erhält. Erst dann könnten Sendeantennen für den Handyempfang installiert werden. Der Vertrag mit dem bisherigen Mobilfunkunternehmen, der den Empfang im alten Krankenhaus Siloah und in den anderen Krankenhäusern des Regionsklinikums sicherstellt, laufe aus. Die Ausschreibung sei nicht vergessen worden, betont Koch. Warum die Technik aber zur Eröffnung im September nicht funktioniert, bleibt unklar.

Wie viele Bereiche im Neubau bei der Inbetriebnahme komplett ohne Handy-Empfang sein werden, konnte Koch gestern nicht sagen. Allerdings gebe es Pläne, die Mobiltelefone von Ärzten, Stationsleitungen und anderen Verantwortungsträgern bei Betreten des Gebäudes automatisch auf das interne mobile Telefonnetz umzuleiten, berichtet Koch. Das gelte für rund 500 Mitarbeiter. Insgesamt werden in dem Krankenhaus 1200 Frauen und Männer arbeiten. Wenn von den anderen 700 Mitarbeiterin ohne Umschaltung jemand einen dringenden privaten Anruf etwa wegen des eigenen Kindes erwarte, dann müsse er auf dem Stationstelefon angerufen werden. „Jeder bleibt erreichbar“, sagt Koch, und dass die Arbeit in einem Krankenhaus nicht abhängig sei von der Verfügbarkeit der Handy-Netze.

Alle Patienten bekommen ein Pauschalangebot („Flatrate“) für einen Festnetzanschluss an ihrem Bett. Für 3,90 Euro pro Tag könnten sie in ganz Deutschland telefonieren - ohne weitere Gebühren. Zum Angebot gehöre auch ein Internet- sowie ein Fernsehanschluss. Koch betont, dass der Preis vergleichsweise günstig sei. In anderen Städten wie etwa in Stuttgart koste die gleiche Leistung nahezu das doppelte.

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Im neuen Jahr soll dann auch im modernsten Krankenhaus Niedersachsens der Handyempfang funktionieren. Nach Beendigung der Ausschreibung könnten zügig die Empfangsantennen aufgestellt werden, erläutert Koch. Allerdings könne nicht sichergestellt werden, dass jedes Mobilfunknetz in jedem der 2382 Räume tatsächlich empfangen werden könne.

2007 hatte das Klinikum Schlagzeilen gemacht, weil es das in anderen Kliniken übliche Handy-Verbot komplett abschaffte. Die Befürchtung, dass Mobiltelefone medizinische Geräte stören oder beeinflussen könnten, habe sich nicht bewahrheitet, hieß es damals zur Begründung. Seitdem sind in allen Krankenhäusern des Regionsklinikums Mobiltelefone auch in den intensivmedizinischen Bereichen erlaubt.

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