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Marienwerder

Kloster erhält neue Abtissin

Foto: „Ein Privileg, hier leben zu dürfen“: Rosemarie Meding im Garten ihres Klosters. Am Freitag wird sie als neue Äbtissin eingeführt.

„Ein Privileg, hier leben zu dürfen“: Rosemarie Meding im Garten ihres Klosters. Am Freitag wird sie als neue Äbtissin eingeführt.

Marienwerder.Vor der Fachwerkfassade blühen die Rosen, und die um 1196 erbaute Kirche nebenan ist die älteste der Stadt. Alles atmet Geschichte im Kloster Marienwerder: „Wenn die Steine hier erzählen könnten – ich würde gerne zuhören“, sagt Rosemarie Meding. Vor zwei Monaten hat sie ihre Zwei-Zimmer-Wohnung im Kloster bezogen. Als Gefängnis sieht sie die Klostermauern nicht: „Die wahren Mauern bauen wir in unseren Köpfen“, sagt sie. „Hier leben zu dürfen ist ein Privileg.“

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Am Freitag wird Rosemarie Meding als neue Äbtissin in Marienwerder eingeführt, als Nachfolgerin von Christel Lehmann, die das Amt nach 22 Jahren abgibt. Auch der Festgottesdienst wird ganz im Zeichen alter protestantischer Traditionen stehen: „Schwarzer Schleier, schwarzes Kleid, weiße Handschuhe“, sagt die Frau mit der modischen Kurzhaarfrisur. Im Großen Ornat wird sie mit anderen Klosterfrauen in die Kirche einziehen. Dort überreicht Hans-Christian Biallas als Präsident der Klosterkammer, die das einzige evangelische Kloster der Stadt unterhält, ihr feierlich Schlüssel und Siegel.

Die Bäckerstochter wuchs als ältestes von fünf Geschwistern im katholischen Emsland auf. „Da gab es Leute, die kauften ihr Brot nicht beim evangelischen Bäcker“, erinnert sie sich. Gleichwohl holte sie als Jugendliche nach einer schweren Krankheit ihre Mittlere Reife beim Konvent der (katholischen) Franziskanerinnen in Thuine nach. „Ich bin immer neugierig und offen gewesen“, sagt die gelernte Hauswirtschafterin, die zuletzt zwölf Jahre lang als Oberin im Diakoniekrankenhaus Rothenburg/Wümme tätig war.

Unprätentiös wirkt sie, wenn sie erzählt, lebendig und tatendurstig. Das muss sie auch sein, denn auf die neue Äbtissin warten viele Aufgaben: Sie wird nicht nur Gebäude und Grundstücke verwalten, sondern auch die Bewohner des Pflegeheims begleiten, das im Kloster untergebracht ist. Außerdem will sie Konzerte und Ausstellungen organisieren und sich im Kirchenvorstand der örtlichen Gemeinde engagieren. „Das Kloster soll ein Ort sein, der Menschen anzieht“, sagt sie. In Rothenburg hat sie einen biblischen Garten gestaltet, passend zum 23. Psalm mit frischem Wasser, grüner Aue und finsterem Tal. „Hier könnte man einen Mariengarten anlegen“, sagt sie. Außerdem will die Klosterkammer Marienwerder zu einer Art Zentrum für die Betreuung betagter Frauen aus anderen Klöstern umbauen.

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Das Durchschnittsalter von Niedersachsens Konventualinnen – der Begriff „Nonnen“ ist für die evangelischen, partnerlos lebenden Frauen ein Fauxpas – ist hoch: Mit 52 Jahren ist Rosemarie Meding die Jüngste in Marienwerder, die anderen vier Konventualinnen sind teils weit über 70. Dennoch gibt sich Biallas optimistisch: „Das Klosterleben hat Zukunft“, sagt er. Seit jeher entschieden sich Frauen oft erst im reifen Alter fürs Kloster: „Sie wohnen umsonst, doch es gibt kein Gehalt – für jüngere kommt das oft nicht infrage.“

Die Stelle der Äbtissin – die von der Klosterkammer ein Gehalt bekommt – wurde erstmals ausgeschrieben. „Es gab 13 Bewerbungen, die jüngste Frau war 24 Jahre alt“, sagt Biallas. Der umtriebigen Rosemarie Meding könnte es gelingen, Nachwuchs für das Kloster zu gewinnen.„Wir hatten in letzter Zeit etliche Anrufe von Frauen, die Interesse am Klosterleben hatten“, sagt sie. Doch es komme ihr nicht darauf an, die zehn Klosterplätze auf Biegen und Brechen voll zu bekommen: „Wir müssen auch zueinander passen.“

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