Der erste Kuss

Küsschen!

Anne (Maria Annette Tanderød Berglyd) und Philipp (Otto Garli) in einer Szene des Kinofilms "Anne liebt Philipp" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am Donnerstag (12.01.2012) in die deutschen Kinos. Foto: farbfilm verleih GmbH (zu dpa-Kinostarts vom 05.01.2012 - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Film und bei Urheber-Nennung)  +++(c) dpa - Bildfunk+++

Anne (Maria Annette Tanderød Berglyd) und Philipp (Otto Garli) in einer Szene des Kinofilms "Anne liebt Philipp" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am Donnerstag (12.01.2012) in die deutschen Kinos. Foto: farbfilm verleih GmbH (zu dpa-Kinostarts vom 05.01.2012 - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Film und bei Urheber-Nennung) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Fieberhaft

Marlon fragt, ob du ihn küssen willst!“ John sagt das so selbstverständlich, als würde er mich um ein Taschentuch bitten. Mir hingegen rutscht das Herz in die Kniekehle, und ich bekomme schwitzige Hände. Meint John das ernst oder hat er sich das gerade einfach nur ausgedacht? Marlon, der Mädchenschwarm aus der 6c, und ich waren seit drei Wochen zusammen. Für mehr als Händchen halten hatte es mit knapp 13 Jahren nicht gereicht.

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Jetzt, hier im Freibad, soll es passieren. John wartet neben meinem Handtuch. „Okay“, sage ich und versuche, cool zu klingen. Dabei habe ich noch nie einen Jungen geküsst, und das soll Marlon auch auf keinen Fall erfahren. Denn er hatte sicher schon unzählige Mädels geküsst.

Er wartet hinter dem kleinen Schwimmbadkiosk auf mich, wo es nach Friteusenfett riecht – wie romantisch. Auf dem Weg zu dem kleinen Häuschen bekomme ich noch mehr Angst. Schließlich will ich nichts falsch machen und mich blamieren. Und da steht er dann, lässig an die Wand gelehnt. "Willst du?" Ich zögere kurz, dann sage ich: "Ja."
Unbeholfen nimmt er meine Hand und drückte mir schnell einen Kuss auf die Lippen. Das alles ist wohl auch neu für ihn. Denn Marlon weiß anscheinend genau so wenig wie ich, wie man sich beim Küssen verhält. Aber irgendwie funktioniert es dann doch wie von allein. Und es ist so schön, dass ich sogar den Pommes-Geruch um mich herum vergesse.

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Aufgezeichnet von Sarah Seitz

Sabberig

Von allen Spielen auf Kindergeburtstagen ist „Wahrheit oder Pflicht“ mit Abstand das Schlimmste. Vor allem, wenn Jungs mitspielen.

Der Flaschenhals geht gerade noch an mir vorbei und bleibt bei Nico stehen, der neben mir sitzt. Glück gehabt! Die anderen fünf Mädels kreischen aufgedreht. Denn jetzt wird es peinlich. Schnell ist sich die Runde einig, dass Nico ein Mädchen küssen soll. Mit elf Jahren ist das die Höchststrafe – denn eigentlich finden sich Jungs und Mädchen total doof.

Das empfinde ich auch für Nico, der in meine Klasse geht und sich im Unterricht durch ständiges Popeln auszeichnet. Langsam dreht er seinen Kopf in meine Richtung und wirft mir einen erwartungsvollen Blick zu. Warum ich? Angst steigt in mir auf. Für drei Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen, presst er seine sabberigen Lippen auf meine. Als es endlich vorbei ist, verschwinde ich schnell auf Toilette und wische mir seine Speichelreste von den Lippen.

Die Erinnerung an den ekligen Kuss werde ich leider nicht so leicht los. Den Rest des Wochenendes quälen mich Bauchschmerzen. Für lange Zeit soll das mein letzter Kuss gewesen sein. Als Nico am Montag die Klasse betritt, schaue ich starr auf mein Heft. So wie den Rest der Woche. Zum Glück war Nico zwei Wochen später weg – er hat die Schule gewechselt.

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Sarah Seitz

Unbeholfen

Es ist wie in einer Szene aus einer Teenie-Liebeskomödie, vielleicht sogar noch kitschiger. Wir stehen uns gegenüber, aus dem CD-Player erklingt der Soundtrack von „Titanic“. Ich zögere erst, greife dann aber nach Alex’ Hand. Unsere Blicke treffen sich. Er grinst verlegen und legt seine Hand auf meine Wange, zieht mich langsam zu sich. Ein wohligwarmes Gefühl geht durch meinen Körper. Ich bin wie elektrisiert: Tatsächlich, wir küssen uns – endlich!

Seit der fünften Klasse kennen wir uns schon. In der siebten Klasse lud er mich auf ein Eis ein, in der achten ins Kino. Jetzt suchen sich unsere Zungen und ... herrje! Ich ziehe meine blitzschnell wieder zurück. Er guckt verwirrt, und ich zögere. Ich lag die gesamte letzte Woche krank im Bett und will ihn auf keinen Fall anstecken. Aber unser Kuss fühlt sich so gut an. Ich will diesen besonderen Moment auskosten, und so schiebe ich meine Zweifel ganz weit nach hinten und küsse einfach weiter. Dieser erste Kuss war besser als alles, was ich mir in den vergangenen fünf Jahren ausgemalt hatte.

Frisch verliebt, wie wir waren, planten wir, die nächsten Tage gemeinsam zu verbringen. Doch daraus wurde nichts. Er erzählte, er sei beim Arzt gewesen. Die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Die nächsten vier Wochen sahen wir uns nur via 
Skypekamera.

Dorothee Fischer

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Hemmungslos

An meinen ersten Kuss erinnere ich mich heute kaum. Nicht, weil ich nicht will, sondern eher, weil ich nicht kann.

An meinem siebzehnten Geburtstag schmeiße ich eine große Party und will mich zum ersten Mal so richtig betrinken. Wodka-E folgt auf Wodka-O. Mein Plan geht auf – am nächsten Morgen sind meine Erinnerungen der letzten Nacht verschwommen und zum Teil völlig ausgelöscht. Ich komme mir komisch vor, als ich am Montag wieder in die Schule gehe und noch immer rätsele, was ich während meiner Erinnerungslücke wohl so getrieben habe.

Die Begegnung mit den ersten Partygästen bringt Klarheit: „Du hast am Wochenende wohl deinen Spaß gehabt. Wie küsst Tom denn so?“ Leider kann ich das nicht beurteilen. Es sah aber wohl ziemlich wild aus, wie ich nachts am Lagerfeuer auf dem Schoß dieses Typen, dem Freund eines Kumpels, saß und ohne Pause mit ihm rumgeknutscht habe. Angeheitert. Hemmungslos.

Ein bisschen schäme ich mich dafür, dass scheinbar alle Bescheid wissen, nur ich selbst nicht. Ich muss wohl auf das Gedächtnis der anderen vertrauen. Tom übrigens auch, denn nicht nur ich war so durstig. Ein bisschen lustig ist es aber schon. Immerhin hatte ich ganz andere Vorstellungen von meinem ersten Kuss. Seit diesem Abend habe ich jedenfalls nie wieder so viel getrunken.

ZiSH

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Schon gewusst?

Die Deutschen sind Kussmuffel. Zwar dauert ein „deutscher Kuss“ durchschnittlich zwölf Sekunden, mehr als ein Drittel küsst jedoch weniger als dreimal am Tag. Die Spanier und Franzosen küssen sich dagegen mehr als zehnmal am Tag. Im Durchschnitt küsst jeder Mensch aber bis zu seinem 70. Lebensjahr 110 000 Minuten, das sind mehr als 76 Tage. Zwei Drittel aller Menschen drehen dabei ihren Kopf nach rechts. Ein Paar aus Thailand ließ sogar 58 Stunden, 35 Minuten und 58 Sekunden nicht voneinander ab – Weltrekord. Über den Speichel werden beim Küssen rund 4000 Bakterien ausgetauscht. Klingt ekelig, ist es aber nicht: Die Abwehrkräfte werden so angeregt. Das macht Küssen nicht nur schön, sondern auch noch gesund.
vre

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