Wülferode

Leben und einkaufen auf dem Nartenhof

Petra Bellmann vor dem großen Kornspeicher im Nartenhof. Im Erdgeschoss könnten Läden einziehen.

Petra Bellmann vor dem großen Kornspeicher im Nartenhof. Im Erdgeschoss könnten Läden einziehen.

Hannover. Als Heinrich Ludwig Kluhsmann sein Wohnhaus 1862 errichten ließ, hatte er sich einen guten Platz ausgesucht. Gleich neben der Kapelle - am heutigen Wülferoder Platz - entstand der Bauernhof. Zentraler ging es nicht. Kluhsmanns Haus gibt es noch immer. Zurzeit wird ein Teil der Fläche als Lager und Büro genutzt, der Rest liegt brach. Die Stadt hatte der Familie Narten den Hof 2011 abgekauft; sie will das Ensemble erhalten. Einen Nutzungsplan gibt es aber noch nicht. Eine Interessengruppe um die Wülferoderin Petra Bellmann will das nun ändern. Die 2013 gegründete Initiative will den Nartenhof für gemeinschaftliches Wohnen umbauen und zum Standort für kleine Geschäfte entwickeln.

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Wülferode bietet ein historisch geprägtes Dorfzentrum wie kaum ein anderer Stadtteil Hannovers. Die zur Gemeinde St. Johannis gehörende Kapelle stammt aus dem Jahr 1756. Noch älter ist ein Vierständerhaus von 1744. Andere Bauernhöfe wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert errichtet. Vor Jahrzehnten gab es zudem mehrere Lokale, Geschäfte, einen Schlachter und eine Bäckerei. Geblieben ist davon kaum etwas. „Ich lebe seit 20 Jahren in Wülferode, und ich vermisse Einkaufsmöglichkeiten vor Ort“, sagte Bellmann in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Kirchrode-Bemerode-Wülferode. Gemeinsam mit Mitinitiator Heinz Fischer und dem Lister Architekten Hans-Jürgen Jahnke stellte Bellmann ihre Ideen für den Nartenhof vor. „Wir wollen die Hofstelle erhalten und dem Ort etwas zurückgeben“, sagte sie. Einen lebendigen Hof nämlich, der Raum für Bewohner wie Besucher biete.

Rund 4000 Quadratmeter umfasst der ursprüngliche Hof mit seinem Fachwerkhaus, einem angrenzenden Stallgebäude, einem hohen Kornspeicher, zwei Silotürmen und einer Remise. Letztere brannte vor Jahren teilweise ab und wurde durch ein Schleppdach ersetzt. Diese Anlage, erläuterte Architekt Jahnke, könnte durch Wohngebäude ersetzt werden. Die übrigen Gebäude aber sollen möglichst erhalten bleiben.

Das gilt auch für zwei benachbarte Gebäude auf einem 2000 Quadratmeter umfassenden Grundstück: ein alter Speicher und ein massiver Hühnerstall. Beide gehören heute zum Nartenhof. Barrierefreie Wohnflächen für altersgerechtes Wohnen mit einer Mischung aus kleinen Wohneinheiten und größeren Wohnungen sowie Gemeinschaftsflächen - all das könnte entstehen. Im riesigen Kornspeicher mit seinen Schiebetoren seien im Erdgeschoss Hofläden denkbar und im Dachgeschoss Wohnungen, sagte Bellmann. Auch ein Café könnte Publikum anlocken. Die Silos böten Platz für technische Anlagen.

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Das historische Gebäudeensemble soll dabei weitgehend unberührt bleiben. „Das ist auch eine Forderung von uns“, sagte Stadtplaner Matthias Fabich. Ob die Stadt den Hof verkauft und sich vom Konzept der Initiatoren überzeugen lässt, steht noch nicht fest. Die Projektgruppe steht noch am Anfang. Auch die Substanz der Gebäude muss noch untersucht werden. Das alte Wohnhaus hat einige Schäden im Fundament, es gibt Feuchtstellen in Nebengebäuden. „Die Vorbesitzer hatten einige Probleme. Es gibt Risse, die durch das Fachwerkhaus gehen“, sagte Fabich. Doch insgesamt sei der Zustand des Ensembles gut, fasste Fischer erste Erkenntnisse zusammen.

Die Gruppe zählt inzwischen etwas mehr als zehn Interessenten. Manche, wie Petra Bellmann und Hans-Jürgen Jahnke, denken darüber nach, selbst in den Nartenhof einzuziehen. Sie suchen zudem weitere Interessenten und auch Investoren, die das Projekt mit auf den Weg bringen wollen. Gemeinsam soll dann mit der Stadt verhandelt und am Nutzungskonzept gefeilt werden.

Marcel Schwarzenberger

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