Die tägliche Hannover-Glosse

„Lüttje Lage“: Frieren für Frieden und Freiheit

Simon Benne

Simon Benne

Die Kinder schauten betreten drein. Jedenfalls, sofern ich das erkennen konnte. Das elektrische Licht hatte ich nämlich ausgemacht und stattdessen in der Küche eine Kerze aufgestellt. Im Dämmerdunkel hatte ich dann meinen Fünf-Punkte-Plan zur Energieeinsparung für diesen Winter vorgetragen.

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Erstens: Die Heizung bleibt aus. Bis Ende Februar. Devise: Frieren für Frieden und Freiheit (FFF). Zweitens: Es ist keine Zumutung, mehrere Pullover übereinander zu tragen. Dass es im Winter kühl ist, ist gottgewollt. Drittens: Handys und Laptops werden künftig in der Schule aufgeladen. Wer glaubt, daheim darauf herumtippen zu müssen, darf sich meine fingerkuppenlosen Handschuhe ausleihen. Viertens: Fernseh- und Radiogeräte kommen raus. Früher haben wir uns abends auch erbauliche Geschichten erzählt, in Spinnstuben und Köhlerhütten. Und? Hat es uns geschadet? Nein, hat es nicht! Fünftens: Warmes Wasser gibt es noch, aber nur sonntags zwischen 10 und 11.30 Uhr.

„Und wer unter der Woche mal warm duschen will?“, fragten meine Kinder ungläubig. „Der kann das gerne nach dem Schulsport tun!“, sagte ich. Dann trat ich vors Haus, um dem Gemecker zu entgehen, das sich wie ein Sturm über unserem Küchentisch erhob. Das Gezeter der Verzagten war schon immer die Begleitmusik des Fortschritts, dachte ich. Dann inspizierte ich meinen Brennholzstapel.

Meine selige Urgroßmutter hat 1959 einen Kachelofen bei uns installieren lassen. Ich lobe und segne sie heute dafür. Der Ofen wird uns jetzt helfen, dass die Leitungen nicht einfrieren. Dann stutzte ich. Es ist nicht so, dass ich jedes Scheit täglich nachzählen würde. Aber Brennholz wird ja mittlerweile per Feinunze abgerechnet. Und da fiel mir schon auf, dass vier Stücke Buche fehlten.

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Ich stürzte empört ins Haus. „Wer war an meinem Holz?“, rief ich. Die Kinder guckten ganz unschuldig in die Runde. Meine Frau fragte eine Spur zu freundlich, ob jemand noch von dem Auflauf wolle. Als ich in den Ofen schaute, schien mir dort etwas Glut zu glimmen. Und mich beschlich ein schrecklicher Verdacht: Ich glaube, meine Familie heizt heimlich.

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