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Die tägliche Hannover-Glosse

„Lüttje Lage“: Luther, der Papst und ich

Simon Benne

Simon Benne

Luther, der Papst und ich (Von Simon Benne)

(Gelesen von Simon Benne)

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Man kann nicht früh genug damit beginnen, junge Menschen ans religiöse Erbe des Abendlandes heranzuführen. Aus gegebenem Anlass machte ich deshalb daheim einen Anfang. Schließlich sind es bis zum 1000. Reformationsjubiläum nur noch 499 Jahre hin. Ich zog also meinen dreijährigen Sohn zur Seite und führte ihn in Leben und Werk Doktor Martin Luthers ein.

Um das komplexe Thema halbwegs kindgerecht zu vermitteln, verzichtete ich auf Begriffe wie „Ablasswesen“ und „Transsubstantiationslehre“ weitgehend. Ich legte mehr so Wert auf Action.

Meine Version der Reformationsstory findet ihren Höhepunkt darin, dass Luther mit einem Hammer eine Tür kaputt macht, weil er frische Luft in die Kirche lassen will. Dann kommt überraschend der Papst um die Ecke und fragt, wie er sich das vorstellt und wer jetzt die Tür bezahlt. Luther sagt dann sinngemäß, dass der Mensch gerechtfertigt werde allein durch Gnade und aus dem Glauben gemäß der Schrift, und der Papst sagt, dass er jetzt mal nicht von der kaputten Tür ablenken soll. Am Ende streiten sich beide ganz dolle und finden einander von Herzen doof.

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Mein Sohn hörte interessiert zu. Geschichten von Streit gehen bei Kindern immer.

Der Erfolg war schlagend, und das im Wortsinne. Heftiges Poltern weckte mich aus dem Mittagsschlaf. Mein Sohn hatte meinen Werkzeugkasten geplündert und mit dem Hammer ein Loch in seine Zimmertür aus billiger Presspappe geschlagen. „Was machst du denn da!“, rief ich entgeistert. „Ich bin doch der Martin Luther!“, rief er zurück. Ich schnappte nach Luft, dann entwand ich dem Reformator den Hammer, obwohl er zappelte und schrie wie eine ganze Rotte Teufel.

Zur Feier des Tages möchte ich eine einzige, ganz kleine These aufstellen: Ich glaube, dass viele Menschen immer noch zu wenig Verständnis für den Papst aufbringen.

Lüttje Lage: Hier finden Sie weitere lustige Texte aus unserer Serie

Von Simon Benne

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