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Die tägliche Hannover-Glosse

„Lüttje Lage“: Meine erste Ausgangssperre

Simon Benne

Simon Benne

Hannover.Ganz offen gestanden: Ich bin etwas aufgeregt wegen Donnerstagabend. Da beginnt nämlich, Schlag 22 Uhr, die erste Ausgangssperre meines Lebens. Ich weiß schon, dass ich damit nicht ganz allein bin in der Region Hannover. Aber das nimmt mir mein Lampenfieber auch nicht.

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Meines Wissens gab es die letzte richtige Ausgangssperre bei uns etwa 1945. Allein das Wort „Ausgangssperre“ klingt schon wie „Lebensmittelmarken“, „Schwarzmarkt“ oder „Besatzerflittchen“, also nach der Ära vor Peter Kraus. Wir sind also bei etwas Historischem dabei. Oder besser gesagt: Wir sind eigentlich nur dabei, indem wir nirgends dabei sind, sondern früh ins Bett gehen.

Ob uns Ausgangssperren helfen, weiß ich nicht. Nach meinem ganz persönlichen Dafürhalten müsste es aus infektionsbiologischer Sicht doch eigentlich egal sein, ob man zu Hause ist, weil alle Kneipen zu sind, oder ob man zu Hause ist, weil schon der Weg zu den geschlossenen Kneipen tabu wäre.

Aber ich will es nicht besser wissen als die, die es besser wissen. Momentan gibt es in Deutschland ohnehin schon so viele verhinderte Virologen wie sonst nur verhinderte Bundestrainer vor einem WM-Halbfinale. Und wenn das Daheimbleiben irgendwie helfen kann, dem Virus zu zeigen, was eine Harke ist, bin ich begeistert dabei. Außerdem bin ich ein gesetzestreuer Bürger. Einerseits.

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Andererseits war es auch noch nie so verlockend einfach, zum Desperado zu werden. Die Ausgangssperre macht es einem da leicht. Man muss einfach gegen Mitternacht einen Fuß vor die Tür setzen, und zack, schon verdüstert sich schlagartig die Sozialprognose. Leute wie ich taugen sonst nicht zu richtigen Verbrechen. Uns fehlt das rechte Schurken-Gen, obwohl man vielleicht ganz gern mal was Verbotenes täte. Vielleicht stelle ich mich einfach mal um 21.58 Uhr ganz legal vor unsere Gartenpforte. Dann schlage ich den Kragen hoch und schaue mich kaltblütig um. Wenn ich einen Hut finde, ziehe ich ihn tief mir in die Stirn. Und dann arbeitet die Zeit für mich.

Von Simon Benne

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