Auszeit vom Studium

Mach mal ’ne Pause

Hannover - Zish - Uni kann Spaß machen oder auch nicht. Fröhliches und trauriges Bücherwegwerfen vor dem Welfenschloss(Foto: Felix Schledding)

Hannover - Zish - Uni kann Spaß machen oder auch nicht. Fröhliches und trauriges Bücherwegwerfen vor dem Welfenschloss(Foto: Felix Schledding)

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Studienzeit, heißt es, ist die schönste Zeit. Mit flexiblem Stundenplan lebt es sich eben noch leichter als mit einer durchgetakteten 40-Stunden-Woche. Viele, die im Berufsleben stehen, suchen weniger das Abenteuer. Ihre Freizeit nutzen sie dann doch lieber, um sich in die Hängematte zu fläzen, endlich mal den spannenden Thriller zu Ende zu lesen und in der Sonne zu dösen.Was nach Lotterleben klingt, besteht aber aus wichtigen Erfahrungen und Erinnerungen, von denen man auch Jahre später noch erzählen wird. Weißt du noch, wie wir mit dem Bulli durch Europa getourt sind? Oder die verrückte Nacht in Madrid mit dem süßen Kommilitonen im Auslandssemester? Für den Lebenslauf sind solche Sätze wohl verzichtbar. Wichtig sind sie aber trotzdem. Also: Raus aus dem Hörsaal und rein ins Abenteuer!

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Zweifel beseitigen

Irgendwie klangen die Studieninhalte in der Beschreibung auf der Uni-Homepage ganz anders. Nach den ersten Semestern kommen dann die ersten Zweifel: Ist das Fach wirklich das richtige für mich? Was kann ich später mal damit anfangen?

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Spätestens wenn diese Fragen auftauchen, sollte man sich nicht verrückt machen – sondern handeln und nach Alternativen suchen. „Eine Studienunterbrechung kann sinnvoll genutzt werden, um etwa Praktika zu machen und dadurch konkrete Erfahrungen im zukünftigen Berufsfeld zu sammeln oder in mögliche andere Berufsfelder reinzuschnuppern“, sagt Christiane Maurer, Psychotherapeutin und Leiterin der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende. In der freien Zeit könne man sich auch fundiert über alternative Studiengänge informieren. Erste Ansprechpartner seien Zentrale Studienberatung, Studienkoordinatoren und Studierende aus der entsprechenden Fachschaft. „In Beratungsgesprächen unterstützen wir dann auch, wenn es trotzdem schwierig mit der Entscheidungsfindung ist.“

Pluspunkte Sammeln

Bevor es ins Berufsleben geht, muss erst mal geklärt werden, wo das denn eigentlich sein soll. Zwischen Hausarbeiten und Vorlesungen kann man nur selten die eigenen Talente ausprobieren und sehen, worauf man wirklich Lust hat. "Auf der einen Seite sind Praktika gut für die persönliche Entwicklung, um berufliche Möglichkeiten kennenzulernen", sagt Tanja Busse von der Zentralen Studienberatung in Hannover. "Zum anderen sind sie gut für den Lebenslauf. Viele Personalchefs sehen es gerne, wenn Bewerber Praktika absolviert haben, die länger als ein paar Wochen gedauert haben." Und oftmals sind das auch die Praktika, in denen man am meisten lernt.
"Erste Berufserfahrungen bei Uni-Absolventen sind bei uns immer willkommen", sagt auch Bianca Bartels von Enercity. "Dafür würden wir auch eine moderat längere Studienzeit akzeptieren." Wenn aber jemand in seinem Lebenslauf zahlreiche Praktika in den unterschiedlichsten Bereichen auflisten würde, müsse er damit rechnen, dass das in einem möglichen Bewerbungsinterview hinterfragt wird. Da sei dann eine gute Begründung gefragt.

Reise dich interessant

Das Leben besteht nicht nur aus Karriere. Sicher, Praktika sind wichtig und wertvoll. Aber es gibt kaum eine andere Zeit im Leben, in der man mehr Chancen hat, andere Länder und Kulturen kennenzulernen, als das Studentenleben. Ob Backpacking durch Indien oder Work and Travel durch Australien – manchmal reichen die Semesterferien dafür einfach nicht aus. Bei einem zukünftigen Bewerbungsgespräch kann man mit den gesammelten Erfahrungen sogar das Interesse von Personalchefs wecken. „Durch Auslandsaufenthalte erlernen Studierende oftmals interkulturelle Kompetenzen, die im späteren Job von großer Bedeutung sein können, um erfolgreich arbeiten zu können“, sagt Gesa Krueger von Continental. „Zudem wird die Selbständigkeit der jungen Menschen gefördert: Wer sich über mehrere Monate allein im Ausland zurechtgefunden hat, wird auch später den Berufsalltag leichter händeln.“

Do You Speak English?

Auslandsreisen sind aber nicht nur für Abenteuer gut. Eine neue Sprache mithilfe von Einheimischen zu lernen ist viel einfacher als nächtelang Lehrbücher zu wälzen. Auch im Beruf werden Fremdsprachenkenntnisse immer wichtiger. „Auslandsaufenthalte zur Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen sind genau wie Praktika grundsätzlich positiv zu bewerten“, sagt Bianca Bartels von Enercity. „Sie zeigen ein persönliches Engagement über das im Studium Geforderte hinaus.“ Die wohl wichtigste Fremdsprache im heutigen Berufsleben ist Englisch. Flüssige Sprachkenntnisse werden in den meisten Betrieben vorausgesetzt. Diese mit einer Reise zu vertiefen lohnt sich also auch für die Zukunft. „Für die Arbeit in einem internationalen Unternehmen wie Continental sind derartige Kenntnisse essenziell – schon allein, weil unsere Konzernsprache Englisch ist“, sagt Gesa Krueger.

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Die Luft ist raus

Wenn Hausarbeiten, Referate und Prüfungen zu viel werden, kann eine Auszeit helfen. Der zukünftige Beruf mag wichtig sein. Noch wichtiger ist die eigene Gesundheit. Burn-out und Depression sind ernst zu nehmende Krankheiten, die jeden treffen können. Sich rechtzeitig Hilfe zu suchen ist wichtig. Doch es muss auch nicht immer gleich eine schwerwiegende Erkrankung sein: Manchmal braucht man einfach eine Auszeit, um den Kopf wieder klar zu bekommen und mit frischer Motivation ans Studium zu gehen. Die Möglichkeiten liegen auf der Straße – in Indien, in Australien oder auch einfach vor der Haustür.

Isabell Rollenhagen und Joss Doebler

So macht man es richtig

Deutsche Studenten sind fleißig: Nur jeder elfte hat im Sommersemester 2012 eine Pause von Hausarbeiten, Prüfungen und Referaten eingelegt, wie das Deutsche Studentenwerk in seiner Zeitschrift „SSW Journal“ berichtet. An der Leibniz-Uni sind im laufenden Sommersemester 2,75 Prozent der Studenten beurlaubt.

Wer sich eine Auszeit nehmen will, muss je nach Universität und Studiengang ein Urlaubssemester beim Immatrikulationsamt beantragen. An der Leibniz-Uni muss man dafür aber einen triftigen Grund nachweisen können: „Das kann ein Auslandsaufenthalt, ein längeres Praktikum, eine Erkrankung, Schwangerschaft oder die Pflege eines Angehörigen sein“, sagt Tanja Busse von der Zentralen Studienberatung (ZSB). Wer ins Ausland will, sollte die Planung möglichst ein Jahr im Voraus beginnen. Hier ist das Büro für Internationales der erste Ansprechpartner. Infos gibt es unter 
international.uni-hannover.de. Bei der Suche nach einem Praktikum kann der Career Service der Leibniz-Uni 
 (www.career.uni-hannover.de) helfen. Wer mit dem Leistungsdruck überfordert ist oder persönliche Probleme hat, bekommt bei der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende Hilfe. Infos gibt es unter 
www.ptb.uni-hannover.de.

Der Antrag auf Beurlaubung muss mit den entsprechenden Belegen bis zur Rückmeldung zum Semester abgegeben werden. Wer das nicht kann, sollte einen Blick in seine Studienordnung werfen: In manchen Studiengängen kann man ohne offiziellen Antrag eine Pause einlegen, wenn man nicht verpflichtet ist, im Semester eine bestimmte Anzahl an Studienleistungen zu erbringen.

Vor jeder Auszeit sollte man sich aber auch Gedanken um die Finanzierung machen. Im Falle einer Beurlaubung ändern sich formal einige Dinge: Das Bafög wird nicht in jedem Fall weitergezahlt. Auch bei der Krankenversicherung und beim Kindergeld könne es laut Busse Probleme geben. Wer unsicher ist, ob eine Auszeit in seinem Fall Sinn macht, oder Hilfe bei der Planung braucht, ist bei der ZSB richtig. Infos und die Sprechzeiten gibt es unter www.zsb.uni-hannover.de.

iro

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