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Kommentar

Mahnwache für Chico: Geht’s noch?

Bei der Tötung eines gefährlichen Tieres geht es nicht um Schuld und Strafe – sondern um Gefahrenabwehr.

Bei der Tötung eines gefährlichen Tieres geht es nicht um Schuld und Strafe – sondern um Gefahrenabwehr.

Hannover.Jetzt ist auch noch eine Mahnwache für Chico geplant. Am Sonntag wollen sich Tierschützer mit Kerzen und Plakaten vor dem Veterinäramt versammeln. Um ein Zeichen der Solidarität mit einem Staffordshire-Terrier zu setzen, der seine Halter totgebissen hat und daraufhin eingeschläfert wurde.

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Geht’s noch?

Eine Mahnwache ist eine Kundgebung, wie man sie sonst gegen den Krieg in Syrien oder den Hunger in Afrika organisiert. Schon als der Hund noch lebte, riefen Demonstranten vor dem Ordnungsamt „Free Chico!“, als wäre er der inhaftierte Nelson Mandela.

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Das alles zeigt, wie sehr bei manchem die Maßstäbe verrutscht sind. Mahnwachen für den Radfahrer, der jüngst am Ihme-Ufer von freilaufenden Hunden zu Fall gebracht wurde und starb, gab es nicht. Ebenso wenig wie für die Opfer von Chico. Der Hund hingegen hatte eine gute Lobby. Nichts gegen das Engagement der rund 300.000 Unterzeichner einer Internet-Petition, die sich für ihn eingesetzt haben. Der Fall zeigt aber auch, wie überschaubar angesichts ausgeprägter Tierliebe die Empathie für Menschen ausfallen kann.

Um Chico zu begutachten, kam ein Experte von einem speziellen Tierheim aus München angereist. Es gibt viele Obdachlose in der Stadt, für die nie ein Experte von irgendwoher anreisen wird, um auszuloten, wie sich ihr weiterer Lebensweg gestalten lässt. Bei Chico wurden eine Computertomografie und eine Magnetresonanztomografie vorgenommen. Untersuchungen, die vielen Menschen nie zuteil werden.

Die Hardliner unter den Tierschützern sehen Chico vor allem als ein zu unrecht bestraftes Opfer. Natürlich ist es richtig, dass sich oft die falschen Leute die falschen Hunde halten und falsch erziehen. Und dass die Hunde dann keine Schuld trifft, wenn etwas passiert. Und trotzdem darf ein Hund wie Chico eingeschläfert werden.

Bei der Tötung eines gefährlichen Tieres geht es nämlich nicht um Schuld und Strafe, sondern um Gefahrenabwehr. Schuld und Strafe sind Kategorien, die für Menschen gelten. Ein Hund ist aber nicht schuldfähig wie ein Mensch. Das ist ein Unterschied, der verwischt, wenn man Tiere mit menschlichen Maßstäben misst. Wer aber Tiere vollständig mit Menschen gleichsetzt, stärkt nicht die Rechte der Tiere, sondern relativiert vor allem den Wert des Menschen.

Das Risiko, dass Chico erneut zubeißt, wäre unkalkulierbar gewesen. Ihn einzuschläfern war eine vertretbare Entscheidung. Sinnvoller als Mahnwachen für Chico wäre es, eine Aufarbeitung der Schlampereien bei der Stadt zu fordern, die dem Tod von zwei Menschen vorausgegangen sind. In der Debatte herrscht eine erschreckende Kälte gegenüber den Opfern. Und die Morddrohungen gegen alle, die mit dem Tod des Tieres zu tun haben, zeigen vollends, wie eng Tierliebe und Menschenverachtung beieinander liegen können.

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Von Simon Benne

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