600 Euro Strafe

Mann schlägt couragiertes Kind

Foto: Diese 13-Jährige forderte den Angeklagten auf, seinen Müll aufzuheben.

Diese 13-Jährige forderte den Angeklagten auf, seinen Müll aufzuheben.

Hannover. Von Einsicht keine Spur – so lässt sich das Verhalten des Mannes, der im Januar eine couragierte 13-Jährige auf offener Straße ohrfeigte, am besten charakterisieren. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht am Mittwoch, wo sich der 34-jährige Simon A. wegen Körperverletzung zu verantworten hatte, stritt er die Tat mit unterschiedlichen Begründungen ab.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Als einzigen Zeugen für seine Behauptung, die junge Misburgerin nicht geschlagen zu haben, benannte er voller Theatralik „Gott im Himmel“ – allerdings standen dem drei irdische Zeuginnen gegenüber, die den Übergriff beobachtet hatten. Jugendrichter Jens Buck verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à zehn Euro und ging damit um 100 Euro über die von der Staatsanwältin geforderte Strafe hinaus.

Für ihr aufmerksames Verhalten und ihr Engagement für eine saubere Stadt erntete die Schülerin der IGS Büssingweg von Richter Buck ein dickes Lob: „Du hast dich auf jeden Fall richtig verhalten.“ Die Siebtklässlerin hatte beobachtet, wie der 34-Jährige an Meyers Garten achtlos eine Zigarettenschachtel auf den Bürgersteig warf, kurz bevor er in einen Üstra-Bus einsteigen wollte.

Daraufhin forderte ihn das Mädchen auf, die Schachtel aufzuheben, schließlich gebe es in nächster Nähe einen Mülleimer. Doch der aus Ghana stammende Mann ignorierte den Hinweis der 13-Jährigen, wobei unklar ist, ob der in der Gerichtsverhandlung ausschließlich Englisch sprechende Angeklagte jedes Wort verstand.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dass A. sich angesprochen fühlte, bewies er auf andere Art: Er drehte sich um und verpasste der Schülerin eine schallende Ohrfeige. Deren Nase tat anschließend weh, die Wange brannte, der Schlag verursachte ihr sogar einen blutigen Kratzer im Gesicht. Das Mädchen brach in Tränen aus, musste von Passantinnen getröstet werden.

Der Täter, der in einem Asylbewerberheim in Misburg-Nord lebt, fuhr dann Richtung Süden; am Bahnhof Anderten stellte ihn die Polizei mithilfe der 13-Jährigen, die ihn in einem Fenster des Busses wiedererkannte.

Vor Gericht kam der groß gewachsene Angeklagte mit seiner lauten Stimme gestern durchaus einschüchternd daher; seine aufbrausende Art vermittelte einen Eindruck davon, wie er am Busstopp auf die 13-Jährige losgegangen sein muss. Seine Erklärung, warum er zu einem ersten Verhandlungstermin vor drei Wochen nicht erschienen war, wirkte genauso wenig überzeugend wie seine Entschuldigung gegenüber der Siebtklässlerin.

A. hat im Laufe des vergangenen Jahres bereits drei Geldstrafen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Bedrohung kassiert. Das unterfütterte die Aufforderung des Richters, dass er als Gast in Deutschland künftig keine Straftaten mehr begehen sollte: „Sonst sind Sie schneller draußen, als Sie glauben.“

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen