Tui-Arena

Mark Knopflers lässige Klangreisen

Locker bleiben: Mark Knopfler und Band in der Tui-Arena.

Locker bleiben: Mark Knopfler und Band in der Tui-Arena.

Hannover. Es gibt Videos im Internet, da sitzt Mark Knopfler auf einem Hocker und erklärt, wie man Gitarre spielt. Nein, wie er Gitarre spielt. Für Gitarrenlehrer sei seine Technik ein Albtraum, weil sein rechter Daumen auf Saiten herumspiele, auf denen er eigentlich nichts zu suchen habe. Das Ergebnis dieser Eigeninitiative ist bekannt, und wenn man sich in der mit 10.000 Zuschauern vollen hannoverschen Tui-Arena umsieht, sollte man jungen Musikern unbedingt mit auf den Weg geben, ihren persönlichen Weg zu finden. Mit dem Daumen und dem ganzen Rest.

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Knopfler feiert die Musik

Denn die Hingabe für Musik – um nichts anderes geht es auch an diesem Abend. Knopfler, fast 70, sitzt mit Brille im Kreise seiner Mitstreiter, ein gutes Dutzend sind es mittlerweile inklusive Gitarrenreinbringer und Hockeraufsteller, und feiert die Musik. Er zelebriert und genießt gleichzeitig, und je älter er wird, desto mehr sieht man ihm das an. Auch in einer Großraumhalle mit Eventcharakter und Partylogen. Ist ihm doch egal. Leinwände? Videoshows? Pffff. „Ich sollte in Rente gehen“, sagt er irgendwann in Nuscheldeutsch, „aber ich liebe die Musik too much.“

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Mit „Why Aye Man“ geht es kernig los. Will er es doch noch mal wissen? Schon das letzte, fast soulige Album „Down the Road Wherever“ war so ganz anders als die vorangegangenen folklastigen. Doch viel Neues packt er an diesem Abend nicht aus.

Knopflers Spiel hat sich nicht geändert

Stattdessen macht sich mit einem sehr langsamen, schwebenden „Sailing to Philadelphia“ bald die Lässigkeit breit, die er stets mit Fingern und seinem wandernden Daumen statt mit einem Plastikplektrum erzeugt. Soli, die sich sanft aus dem Gesamtsound erheben und in der Kombination aus gespielten und nicht gespielten Tönen klingen wie melancholische, nachdenkliche Worte. Ein Mann, der Gitarren das Sprechen beibringt, kann kein schlechter Mensch sein. Knopfler ist nicht der Einzige. Aber den Slang seines Spiels erkennt man, daran hat sich seit gut 40 Jahren nichts geändert. Nur, dass die Gitarre nicht mehr zwingend die Fender Stratocaster sein muss. Aber kann.

An diesem Abend kredenzt er mal wieder „Once Upon a Time In The West“ mit schickem Bläsersatz. Das musizierende Dutzend ist eine Einheit, jeder Ton hat seinen Platz. „Done With Bonaparte“ und „Heart Full Of Holes“ fließen in den Saal. Nur die Gitarre erhebt sich immer wieder für eine kleine Runde. Dazu sein Gesang, der sich einst an seinem Vorbild Bob Dylan orientierte und mittlerweile den Sound eines gemütlichen, etwas knorrigen Märchenerzählers angenommen hat. Was durchaus zu seinem äußeren Erscheinungsbild passt.

Lieder aus vergangenen Zeiten

Eine Handvoll Lieder spielt er aus der Zeit, in der große Hallen nicht groß genug waren und Knopfler neonfarbene Stirnbänder trug. „Romeo And Juliet“, später „Your Latest Trick“ und den Blockbuster „Money For Nothing“ vom Album „Brothers In Arms“, das seinerzeit dem Medium CD zum Durchbruch verhalf. Ist echt lange her.

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Ob er noch einmal auf eine stressige Großhallentournee gehen wird, steht in den Sternen. Just hat Knopfler die Bühnenfassung des Films „Local Hero“ musikalisch möbliert, zu dem er seinerzeit auch die Filmmusik beisteuerte. Man wird wohl weiter von ihm hören. Er liebt halt die Musik too much.

Lust auf noch mehr Knopfler?

Warum der GItarrist und Sänger die HAZ 2010 nach London zum Interview einlud, warum er ein "Hooligan-Motorrad" der Marke Buell fuhr und warum er auf einen 10-Euro-Schein "Money for Nothing" schrieb, lesen Sie HIER.

Von Uwe Janssen

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