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Ermittlungen im Mordfall Andrea B.

Maschsee-Mord: Tötete Alexander K. schon einmal?

Detailarbeit: Kriminaltechniker suchen in der Wohnung des Tatverdächtigen seit Tagen nach Spuren.

Detailarbeit: Kriminaltechniker suchen in der Wohnung des Tatverdächtigen seit Tagen nach Spuren.

Hannover.Nach der Festnahme des mutmaßlichen Maschseemörders gibt es Hinweise darauf, dass der junge Mann auch für den Tod einer weiteren Frau vor zwei Jahren verantwortlich sein könnte. Gegen den 24-jährigen Alexander K. war am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden. Er ist dringend verdächtigt, die drogensüchtige Andrea B. (44) erstochen und zerstückelt und anschließend die Teile ihres Leichnams im Maschsee versenkt zu haben. Dort waren sie Ende Oktober gefunden worden. Alexander K. veröffentlicht bereits seit Jahren Lieder und Gedichte im Internet, in denen er seine Tötungsphantasien thematisiert. 

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Besonders erschreckend ist der Inhalt eines Films, den der wegen Gewaltdelikten vorbestrafte K. im Januar 2010 ins Netz stellte. Das Musikvideo enthält Hinweise darauf, dass K. auch für den Tod der 24-jährigen Monika P. aus Linden-Nord verantwortlich sein könnte. In seinem Rapsong behauptet K., er habe schon als Junge den Wunsch verspürt, sich an einer Toten zu vergehen. Nach Informationen der HAZ betreiben Familienangehörige des Mannes in Nordrhein-Westfalen ein Beerdigungsinstitut – auch das erwähnt K. in seinem Song. Der Text handelt von einer blonden Frau, die ihre Haare zum Zopf gebunden hat und eine Brille mit dicken Gläsern trägt. Diese Beschreibung passt auf die 24-jährige Monika P. Sie verschwand am 31. Dezember 2009, wenige Tage später fanden Spaziergänger Teile ihres Leichnams unter der Legionsbrücke in Linden-Süd.

In dem Video, das Alexander K. am 1. Januar 2010 – also unmittelbar nach dem Tod von Monika P. – ins Netz stellte, beschreibt er, wie eine junge Frau bis zur Bewusstlosigkeit misshandelt und vergewaltigt wird. In einem weiteren Vers spricht K. davon, dass endlich die Gelegenheit gekommen sei, um seine Phantasie auszuleben. Ein Polizeisprecher sagte am Freitag, das Video sei den Ermittlern bekannt, der Inhalt werde geprüft. Darüber hinaus machte er keine Angaben zum Stand der Ermittlungen.

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Bewohner des Mehrfamilienhauses in der Hildesheimer Straße, in dem Alexander K. knapp drei Jahre lang lebte, reagierten gestern entsetzt, als sie erfuhren, dass ihr Nachbar als Tatverdächtiger im Fall der zerstückelten Leiche aus dem Maschsee gilt. Viele von ihnen sind der Ansicht, dass die Polizei viel früher hätte bemerken müssen, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. „Es gab fast täglich Probleme“, berichtet eine Hausbewohnerin. K. habe stets unter Drogen gestanden, sich häufig lautstark mit seiner Freundin gestritten und zu nächtlicher Stunde in seiner Wohnung randaliert. „Eine Nachbarin hat er mit einem Messer bedroht.“ Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen, mehrere Hausbewohner seien auf die Wache gebeten worden, um ihre Aussagen zu machen. „Aber Konsequenzen hat es für ihn nicht gegeben“, sagt die Mieterin.

In den vergangenen Monaten soll Alexander K. häufig mit Messern hantiert haben. Das berichteten am Freitag mehrere Bewohner des Mietshauses. Gemeinsam mit seiner Freundin, die ebenfalls schwer drogenabhängig sein soll, hielt er sich stundenlang im Garten des Mehrfamilienhauses auf und schleuderte scharfe Messer gegen einen Baum, bis sich eine tiefe Furche bildete. „Und gib ihm!“ soll er gerufen und die scharfe Klinge mit voller Wucht in das Holz gerammt haben. „Und gib ihm!“ – dieser Ausruf taucht auch in einigen Rapsongs auf, die K. im Internet veröffentlichte.

Anwohner berichteten, die Freundin des 24-Jährigen habe einen noch aggressiveren Eindruck gemacht als Alexander K. „Wie besessen ist sie mit dem Messer auf den Baum losgegangen und hat dabei gebrüllt“, sagt ein Nachbar. Im Herbst schalteten die Hausbewohner die Polizei ein. „Die Beamten haben sich angeguckt, wie die beiden hier mit Messern um sich warfen“, berichtet eine Mieterin. Letztlich hätten die Polizisten aber nur mit den Schultern gezuckt. „Sie sagten, sie hätten keine Handhabe, den Wahnsinn zu stoppen, weil es sich bei dem Garten um ein Privatgrundstück handelt.“ Andere Hausbewohner sagen, Alexander K. sei ihnen stets höflich und zuvorkommend begegnet. „Er hatte ein gutes Gefühl dafür, wem er unverschämt kommen kann und wem besser nicht“, berichtet ein Nachbar. Alexander K. sei trotz seiner Drogensucht auffällig wortgewandt.

Bisher ist weiterhin unklar, ob es sich bei der Freundin von Alexander K. um jene Person handelt, die am 31. Oktober die ec-Karte der getöteten Andrea B. benutzte. Die mit Sonnenbrille und Mütze getarnte Person war an einem Geldautomaten in der Limmerstraße von einer Überwachungskamera gefilmt worden.Ein Spaziergänger hatte am selben Tag Teile des Leichnams der Andrea B. am Nordufer des Maschsees gefunden. Erst am vergangenen Freitag meldete sich schließlich eine Zeugin bei der Polizei und gab den entscheidenden Hinweis. Alexander K. saß zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Tagen in Haft – er war wiederholt beim Schwarzfahren erwischt worden. Was genau die Zeugin den Beamten berichtete, wollte die Polizei am Freitag aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Nach Angaben der Ermittler verweigert der Tatverdächtige weiterhin die Aussage.

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Die Polizei verdächtigt Alexander K. den Maschsee-Mord begangen zu haben.

Alexander K. gilt als Rechtsextremist, ist in der hannoverschen Szene aber nicht weiter vernetzt. 2011 beteiligte er sich mit dem hannoverschen Neonazi Dirk H. an einer Aktion der Freien Wähler Bremen. In einem seiner Videos verherrlicht K. die Taten des norwegischen Massenmörders Anders Breivik.

Spurensuche

Kriminaltechniker untersuchen seit drei Tagen die Wohnung des tatverdächtigen Alexander K. in der Hildesheimer Straße. Bis zu sieben Beamte sind dort mit der Spurensuche beschäftigt. Die Beamten bearbeiten unter anderem die Fußböden mit Klebestreifen, um auch kleinste Partikel sicherstellen zu können. Dabei kann es sich um Haare oder Hautschuppen handeln, die im Labor auf DNA-Material überprüft werden. Die Beamten erhoffen sich Hinweise darauf, ob Andrea B. sich in der Wohnung des mutmaßlichen Täters aufgehalten hat und möglicherweise dort ums Leben kam. Ob es bereits Erkenntnisse gibt, wollte die Polizei am Freitag nicht sagen.

Anwohner berichteten, die Polizei habe Fotos von einem Fahrrad gemacht, das vor dem Haus abgestellt war. Es könnte als Transportmittel der Leichenteile zum Maschsee gedient haben. Dass die akribische Spurensuche der Kriminaltechniker Erfolg haben kann, zeigt der Fall der getöteten Christa Haase aus Marienwerder. In ihrer Wohnung fand die Polizei ein einziges Haar eines polizeibekannten drogenabhängigen Mannes. Er steht in Verdacht, die Frau umgebracht zu haben und sitzt seit einigen Wochen in Untersuchungshaft.

Vivien-Marie Drews, Michael Thomas und Tobias Morchner

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