Kneipe in der List

Neuer Betreiber für das Plümecke gesucht

Uriger Charme: Im Plümecke wird bald Gilde ausgeschenkt – rund 110 Jahre lang gab es dort Herrenhäuser.

Uriger Charme: Im Plümecke wird bald Gilde ausgeschenkt – rund 110 Jahre lang gab es dort Herrenhäuser.

List. Wenn eine Gastwirtschaft die Biermarke wechselt, ist das eigentlich ein ziemlich normaler Vorgang. Wenn allerdings eine Kneipe wie das Plümecke an der Lister Voßstraße diesen Schritt geht, ist das bemerkenswert. Wirt Sascha Röhl wird diesen Weg nun gehen, demnächst läuft statt wie in den vergangenen rund 110 Jahren statt Herrenhäuser nun Gilde aus dem Zapfhahn, an dem zudem nicht mehr Röhl selbst stehen und die Gläser füllen wird. Der Kneipenwirt in zweiter Generation - Vater Klaus und Mutter Brigitte haben das Plümecke mehr als zwei Jahrzehnte geführt - zieht sich zurück und will sich fortan mehr um seine eigene Familie kümmern.

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Weil er sich mit der Herrenhäuser Brauerei nicht über eine weitere Zusammenarbeit einig werden konnte, verpachtet er als Besitzer die Kneipe zum 1. März zunächst für fünf Jahre an die regionale Konkurrenz von der Gilde, die dort ihre eigenen Fässer anschließt und nun einen neuen Betreiber sucht. Die Herrenhäuser Brauerei verliert mit dem Plümecke einen ihrer wichtigsten, repräsentativen Schankorte in der Landeshauptstadt.

Will sich zurückziehen: Plümecke-Wirt Sascha Röhl.

Will sich zurückziehen: Plümecke-Wirt Sascha Röhl.

Sonst, betont Holger Bock von der Gilde, werde sich in der Gaststätte nichts ändern. Bei der Nachfolgersuche sei man auf der Zielgeraden. Interessenten habe es reichlich gegeben, allerdings komme nicht jeder infrage. Der oder die Neue solle schon jemand sein, der in dieses Konzept der traditionellen, bierorientierten Kneipe passe, sagt Bock.

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Das Plümecke mit seinem Retro-Charme und der rustikalen Duz-Herzlichkeit ist ein Unikum. Das Ambiente in der einfachen Gaststube versetzt einen immer noch in eine andere Zeit, in der die gefragteste Kommunikationsform Klönen hieß und nicht Whatsapp. Sie hat es wegen Gerhard Schröders zeitweise regelmäßigen Besuchen als „Kanzlerkneipe“ und mit einer über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Currywurst zur kleinen Touristenattraktion geschafft. Selbst die Umstellung des vormals stets qualmverhangenen Ladens zu einer Nichtraucherkneipe haben die Gäste nach anfänglichem Murren hingenommen und schmöken nun vor der Fassade mit den Buntglasscheiben und der großen Bierleuchtreklame, auf denen im Moment noch überall „Herrenhäuser“ zu lesen ist.

Auch Sascha Röhl selbst, der Verpächter bleibt und selbst künftig zu familienfreundlichen Arbeitszeiten bei der Gilde Brauereiführungen machen wird, ist an einer Weiterführung der Plümecke-Tradition gelegen, schließlich solle die Gaststätte „nicht irgendeine Kneipe werden“. Dass die Öffnungszeiten geändert würden, kann er sich auch nicht vorstellen. Fünf Tage ist geöffnet, sonnabends und sonntags bleiben die Türen zu.

Dass die Stammgäste und Biertrinker nun ein wenig Diskussionsbedarf haben, war für den 37-jährigen Familienvater von vornherein klar. Er freut sich einerseits sogar darauf, weil es zeige, dass den Besuchern das Plümecke nicht egal ist.

„Natürlich kann ich die Herri-Fans verstehen“, sagt Röhl. „Aber Gilde ist gutes, regionales Bier, und ich bin überzeugt davon, dass die meisten Leute nicht wegen der Biersorte ins Plümecke kommen, sondern weil es das Plümecke ist.“ Deshalb bitte er die Gäste auch, dem neuen Betreiber einen guten Start zu ermöglichen. Schließlich wolle er auch selbst in Zukunft ab und zu ins Plümecke gehen - „als Gast“.

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